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17.10.2004 50 km Palermo Drucken E-Mail
Geschrieben von: Volkmar Mühl   

50 km European Open Challenge in Palermo/Italien am 17.10.2004

DLV-Ultrateams unter sizilianischer Sonne erfolgreich – Jochen Kümpel holt Bronze,Frauen und Männer gewinnen jeweils die Silbermedaille

Am 17.10.2004 wurde mit dem Palermo Supermarathon über 50 km erstmals eine European Challenge über die kürzeste Meisterschaftsdistanz im Ultramarathonlauf ausgetragen. Die IAU hatte sich zur Durchführung dieser Veranstaltung entschlossen, um den Ultraläufern eine zusätzliche attraktive Wettkampfdistanz im Meisterschaftsprogramm zu bieten und dazu die europäischen Nationen zur Teilnahme eingeladen.

Es folgten sieben Verbände, die zu dieser Auftaktveranstaltung Teilnehmerinnen und Teilnehmer meldeten. Zusammen mit den offen gemeldeten Teilnehmern am 50 km-Lauf waren so über 100 Athletinnen und Athleten am Start.

Im DLV besteht die Auffassung, sich auch im Ultramarathonlauf an neuen Trends und Entwicklungen aktiv zu beteiligen. Konsequenterweise wurde entschieden, nach Möglichkeit zwei vollständige Mannschaften zu entsenden.

Bei den Frauen gestaltete sich die Nominierung noch problemlos, da mit Birgit Schönherr-Hölscher, Simone Stöppler und Carmen Hildebrand auf die bewährte Mannschaft des letzten Einsatzes beim 100 km-World Cup in Winschoten zurückgegriffen werden konnte. Bei den Männern hingegen war es  schwieriger, ein komplettes Team zu stellen.

So trat neben Ultra-Routinier Dr. Thomas Miksch der in den beiden letzten Jahren stärkste deutsche 50 km-Läufer und amtierende DUV-50 km-Meister Jochen Kümpel erstmals im DLV-Nationalteam an. Ergänzt  wurde das Männertrio durch Volkmar Mühl, der sich nach einigen Absagen schließlich selbst bereit erklärte, zur Vervollständigung des Teams noch einmal das Nationaltrikot überzustreifen. Eine Entscheidung, die sich am Ende als gewinnbringend für die Nationalmannschaft herausstellen sollte.


Foto: Die DLV-50 km-Nationalmannschaft vor dem Start in Mondello, von links: Jochen Kümpel, Birgit Schönherr Hölscher, Carmen Hildebrand, Dr. Thomas Miksch, Simone Stöppler, Volkmar Mühl

Der Startschuss erfolgte um 09.00 Uhr morgens in Mondello, einem kleinen Vorort von Palermo, vor der malerischen Kulisse des unmittelbar vor der Uferpromenade im Meer gelegenen Antico Stabilimento Balneare. Die Temperaturen lagen bereits bei ca. 25° Celsius mit steigender Tendenz, wenigstens teilweise Schatten gab es lediglich auf den ersten 20 km und als zusätzliche Erschwernis  wies die Strecke mehrere lang gezogene Steigungen auf.

In Kenntnis dieser Rahmenbedingungen nahmen die deutschen Athletinnen und Athleten den Wettkampf in der Absicht auf, zu Beginn größtmögliche Zurückhaltung zu wahren. Die Umsetzung einer defensiven Anfangstaktik wurde jedoch durch die rund 1000 Teilnehmer des Marathon- sowie des Halbmarathonlaufs erschwert, die zeitgleich auf die Strecke gingen.

Es zeichnete sich schon frühzeitig ab, dass es der Tag von Jochen Kümpel werden sollte. Bereits bei km 20 nahm der Student der Wirtschaftswissenschaften eine Position in der erweiterten Spitze ein,  Dr. Thomas Miksch folgte im Minutenabstand. Ganz vorne machte der 100 km-Weltcupsieger von Winschoten, Mario Ardemagni, das Tempo.

Bei den Frauen lag die Britin Roslyn Alexander in Front, gefolgt von ihrer Landsmännin Danielle Sanderson sowie 100 km-Europameisterin Monica Casiraghi. Birgit Schönherr-Hölscher lag als schnellste Deutsche auf Position 8.

Nun begann die besonders schwierige Phase des Rennens. Wenngleich bereits die ersten 20 km  ausgesprochen profiliert gewesen waren, so hatte die schöne Altstadt von Palermo mit ihren zahlreichen Sehenswürdigkeiten doch reichlich Abwechslung zu bieten gehabt. Dies änderte sich jetzt  gravierend: Bis km 41 waren breite Ausfallstraßen mit teilweise lang gezogenen Steigungen unter einer brutal strahlenden sizilianischen Sonne ohne jeden Schatten zu bewältigen.

Jochen Kümpel kam mit diesen Bedingungen hervorragend zurecht. Bei km 40 sogar kurzzeitig auf Platz 2 hinter Ardemagni liegend, fiel es ihm erst ab km 42 zunehmend schwerer, seinen Kilometerschnitt von 3:52 – 3:55 zu halten. Dies nutzte der Brite Dominic Croft mit einer herausragend starken Schlussphase aus und beendete das Rennen am Ende auf Platz 2 in 3:11:07 h hinter Mario Ardemagni, der ungefährdet in 3:04:32 h siegte.

Jochen Kümpel  erreichte bei seinem Debüt im DLV-Nationalteam schließlich einen vor dem Start nicht für möglich gehaltenen dritten Rang in 3:14:21 h!

Dr. Thomas Miksch kam mit den Bedingungen weniger gut zurande, bewies jedoch wieder einmal Kampfgeist und finishte auf Platz 6 mit 3:34:22 h. Da sich Volkmar Mühl bei seinem sechsten Nationalmannschaftseinsatz am Ende Platz 10 in 3:39:11 h erkämpfte, sollte die deutsche Männermannschaft die Silbermedaille hinter Italien erringen! Platz 3 in der Teamwertung ging an Irland.


Foto: Siegerehrung Mannschaften Männer.
Von links:
IAU-Präsident Dirk Strumane, die deutsche Mannschaft, das italienische Team mit Mario Ardemagni, Lorenzo Trincheri und Pio Malfatti, Organisationsleiter Prof. Sorbello

Bei den Frauen übernahm nach km 30 die Britin Sanderson die Führung und gewann vor Rosly Alexander und Monica Casiraghi.

Birgit Schönherr-Hölscher, auch in Palermo wieder bärenstark unterwegs, hatte sich bereits auf Platz 4 vorgearbeitet, als ihr ein höchst unglückliches Missgeschick mit einem Streckenposten, der sie falsch wies, eine zusätzliche Distanz von einem guten Kilometer einbrachte. Völlig demoralisiert und dem Aufgeben nahe, besann sich die Sonder- und Heilpädagogin schließlich auf ihre beiden Mannschaftskameradinnen, ging wieder auf die Strecke und belegte im Ziel noch Platz 6 in 3:51:22 h.

Schade, dass die in reichweite liegende neue persönliche Bestzeit damit zur Makulatur wurde.

Unmittelbar vor ihr lief Simone Stöppler in 3:49:00 h auf Platz 5 ein, eine überzeugende Leistung der Technikerin, die beruflich als Senderingenieurin beim Hessischen Rundfunk tätig ist. Sie setzte damit ihre starken Leistungen der zweiten Saisonhälfte fort.

Auch Carmen Hildebrand schaffte auf Platz 8 noch eine Zeit deutlich unter 4 Stunden – 3:53:15 h zeigte die Uhr für die Chemielaborantin im Ziel an und dokumentierte ein unter den geschilderten Bedingungen gleichfalls hervorragendes Ergebnis.

Die bemerkenswert geschlossene Leistung, die unsere Damen in Palermo demonstrierten, wurde wie bei den männlichen Teamkollegen mit der Silbermedaille in der Mannschaftswertung hinter Großbritannien belohnt! Hier belegten die Italienerinnen den dritten Platz.


Foto: Die deutschen Frauen bei der Siegerehrung mit Dirk Strumane

Natürlich profitierten unsere Teams von der sehr hohen Ausstiegsquote von annähernd 50 %. Wie selektiv die Rahmenbedingungen wirkten, lässt sich beispielhaft an der Siegerzeit von Mario Ardemagni ablesen, die nur 3 Minuten unter seiner 50 km-Durchgangszeit in Winschoten lag. Es bestand allgemein Übereinstimmung, dass von einem „Hitzemalus“ von 8 – 10 Minuten ausgegangen werden kann. In jedem Fall darf ein Ergebnis mit allen gestarteten deutschen Athletinnen und Athleten unter den Top-Ten der Einzelwertung als herausragend bezeichnet werden!

Ob aus dieser Premierenveranstaltung eine dauerhafte Einrichtung werden kann, wird abzuwarten sein, wie auch der neue IAU-Präsident Dirk Strumane betonte. Ganz klar: Wenn eine 50 km-EM Attraktivität genießen soll, muss man sie in einem angemessenen Abstand vor eine der beiden internationalen 100 km-Meisterschaften platzieren und darf sie nicht an das Ende einer langen Wettkampfsaison setzen. Dann wird die Anzahl der teilnehmenden Nationen sicher ansteigen.

Sehr erfreulich war zu sehen, wie sich neben Dirk Strumane auch der neue IAU-Director of Organisations, Jan Vandendriessche, für die Belange der Athletinnen und Athleten einsetzte, wozu es trotz einer guten Organisation einige Gelegenheiten gab.

Neben einer neuen Qualität in der Fachkompetenz war vor allem der klare Wille zu einer zukunftsgerichteten Arbeit in der IAU in einigen Gesprächen beim Technical Meeting sowie am Rande der Veranstaltung deutlich spürbar. Keine Frage, dass die neuen IAU-Verantwortlichen es dabei nicht immer leicht haben werden und schon deshalb auf die Unterstützung der nationalen Verbände und Ultralauforganisationen angewiesen sind.

Von Seiten des DLV wie auch der DUV soll es daran nicht fehlen.

Autor: Volkmar Mühl, DLV-Nationalmannschaftsleiter, DUV-Präsident 10/2004

 
 
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