DUV - Deutsche Ultramarathon Vereinigung e.V.
Banner
Sie sind hier: Start Gemeinschaft Laufberichte Laufberichte 2006 Spartathlon 09/2006: Wieder was gelernt ...
Banner
  
Banner
  
Banner
Spartathlon 09/2006: Wieder was gelernt ... Drucken E-Mail
Geschrieben von: Wolfgang Olbrich   

Der Spartathlon ist ein 245,3 km langer Nonstoplauf in Griechenland, mit einem Zeitlimit von 36 Stunden. Der Start ist jeweils am letzten Freitag im September, um 7 Uhr, an der Akropolis. Ziel des Laufes ist es, bis 19 Uhr am Folgetag in Sparta, zu Fuße der Statue des König Leonidas, einzutreffen. Das Rennen endet für den/die Finisher/in mit dem Berühren des Fußes der Statue. Im gesamten Streckenverlauf sind sehr viele Steigungen zu überwinden, die sich teilweise kilometerlang hinziehen. Die wohl extremste Steigung des Laufes, mit schon fast alpinem Charakter, ist in etwa bei 2/3 der Strecke in Form des Sangas-Passes zu überwinden, welches für alles Athleten/innen im Laufe der Nacht, also in der Dunkelheit absolviert werden muss.

Tja, wie fing alles an? Mit dem Bescheid, November 2005 für ein Jahr dienstlich ins Kosovo zu gehen und dort als Polizist bei der UN zu arbeiten, wuchs der Gedanke daran, 2006 den Spartathlon anzugehen. Schließlich war es mir dort möglich, entsprechende Umfänge ohne Rücksicht auf die Familie „abzureißen“. Training, Umfänge und Zeiten passten eigentlich das ganze Jahr über und auch der „Qualifikationslauf“ für den Spartathlon über 100 km in Hanau Rodenbach Ende April verlief deutlich besser, als gedacht. Konnte ich doch dort erstmals unter 10 Stunden laufen und war definitiv nicht am Ende nach dem Lauf. Anschließend habe ich auch im Kosovo mein Training so weiter durchgezogen, wie geplant und die Umfänge nochmals erhöht. Also war ich doch sehr guter Dinge, den Lauf auch in der Sollzeit von 36 Stunden beenden zu können.

Auch konnte ich wieder meinen besten Laufkumpel Frank Klaka überzeugen, dass man diesen Lauf unbedingt mal gemacht haben muss und wir beide hatten gemeldet. Also mit der Bahn am Mittwochmorgen vor dem Rennen von Pristina aus über Skopje und Thessaloniki nach Athen gefahren, wo ich dann kurz vor Mitternacht auch im Hotel LONDON angekommen bin und schon von Frank erwartet wurde. Da das Hotel bereits vollkommen belegt war, wurde ich in einem anderen Hotel, dem „Four Seasons“, untergebracht, was dann noch einen nächtlichen Fußmarsch von etwas über einem Kilometer mit meinen ganzen Sachen bedeutete. Also die Sachen geschnappt, eingecheckt und noch schnell ein leckeres Bier gezischt, bevor das Bett aufgesucht wurde.

Am nächsten Tag wurden dann die Startunterlagen empfangen und viele alte Bekannte wiedergetroffen und neue kennen gelernt. Jeder sollte sich allerdings, was die Angabe von Zeiten und die Organisation angeht, darauf einstellen, dass in Griechenland die südländische Mentalität gilt! Als Kölner könnte man es auch so formulieren: Bliev locker, et hätt noch immer alles joot jejange! J

Im Foyer des Hotels findet neben der Startkartenausgabe auch noch eine Blutentnahme statt, die wohl irgendeiner medizinischen Versuchsreihe zugeführt werden soll. Dies ist natürlich rein freiwillig. Im Anschluss an den Lauf soll dann auch noch eine Blutprobe entnommen werden, um die Werte dann nach einer solchen Ausdauerbelastung zu vergleichen.

Weiterhin besteht im Laufe des Tages  die Möglichkeit, seine Dropbags den entsprechenden Verpflegungsstellen zuzuordnen. D.h. man kann theoretisch an jeder der 75 Checkpoints seine persönliche Verpflegung hinterlegen lassen, Wechselkleidung oder Schuhe deponieren, oder sonstwas hinbringen lassen. Es kommt zwar gelegentlich vor, dass dieser Service nicht ganz funktioniert, weil einige Sachen schon mal verschwinden, weil ein anderer Läufer/in die private Verpflegung versehentlich (oder auch nicht) vorher bereits nimmt oder aber schlichtweg etwas irgendwie abhanden kommt. Jedoch kann ich zumindest für dieses Jahr behaupten, dass es doch recht gut funktioniert hat mit diesen Dropbags und mindestens an den Hauptkontrollstellen wohl alles so vorhanden war wie abgegeben.Gegen 17 Uhr (naja, halt etwas später, wir sprachen ja schon über die südländische MentalitätJ) erfolgte dann die Einweisung ins Rennen, neudeutsch auch Briefing genannt. Der Präsident des Spartathlon-Vereines, Panagiotis Tsiakiris, begrüßte alle Teilnehmer und gab kurz den weiteren geplanten Verlauf bekannt und rief zu einem sportlich fairen Verhalten auf. Nachdem ich nun bereits vor drei Jahren das Anmeldeverfahren für deutsche Teilnehmer übernommen habe und seitdem recht häufig mit Panagiotis E-Mails ausgetauscht hatte, war es mir nun endlich auch einmal möglich, ihn persönlich kennen zu lernen. Wie auch im Austausch von E-Mails, war er sehr herzlich im Umgang und strahlte eine sichere Ruhe aus.

Die größte deutsche Fraktion bestand diesmal wohl aus der LG Nord Berlin, die sehr zahlreich und mit einem kompletten Betreuerteam erschienen war. Jürgen Köllner, unser DUV-Geschäftsführer war auch dort und übergab mir endlich die extra für die deutschen Teilnehmer entworfenen DUV-Trikots mit Spartathlon-Schriftzug. Die überwiegende Mehrheit der deutschen Starter hatte sich rege per E-Mail an den Entwicklungsvorschlägen beteiligt und durch den Aufdruck der Vornamen hatten die Shirts einen hohen Wiedererkennungswert und kamen auch bei den anderen Nationen sehr gut an, welche teilweise auch mit selbst entwickelten Shirts rumliefen, um ihre Nation auch nach außen hin zu vertreten.

So, nun noch ein kohlenhydrathreiches Abendessen vertilgt und früh ins Bett. 4:30 Uhr war Aufstehen angesagt, denn um 6 Uhr sollte der Bus zur Akropolis abfahren. Vorher noch ein Frühstück im Hotel London und ab in den Bus. An der Akropolis wurde dann noch fast das gesamte deutsche Teilnehmerfeld zusammengetrommelt und ein Gruppenfoto gemacht, bevor jeder für sich den Weg nach Sparta antreten sollte.

Pünktlich um 7 Uhr erfolgte der Start und über 250 Läufer/innen aus 32 Nationen setzten sich in Bewegung. Es ging zunächst durch Athen und den aufkommenden Verkehr aus der Stadt raus, vorbei an Industriezonen, bis endlich die Küstenregion erreicht wurde. Es war wolkenloser Himmel und es versprach somit ein sehr heißes Rennen zu werden.  Bei mir selber fingen leider bereits nach 20 Kilometern erste Probleme mit dem Magen an, wodurch in mich häufig übergeben musste. Auch arbeitete der Darmtrakt nicht so wie gewohnt und auch hier musste ich gelegentlich ins Gebüsch. Da aber der Spartathlon sehr strikte Zeitlimits auf den ersten 81 km hat, muss man von Anfang an ein relativ hohes Tempo für einen solch langen Lauf angehen (bis km 15 etwa ein Schnitt von 5:30 min/km). Also ist ein Erholen oder Reduzieren des Tempos in dieser Phase des Rennverlaufs nahezu unmöglich. Ich konnte dann noch relativ problemlos bis km 50 laufen und auch das Tempo halten. Leider konnte ich aber die Getränke und Nahrung nicht drin behalten. Ich stieg dann bereits bei km 60 aus dem Rennen aus, weil ich die einzelnen Zeitlimits einfach nicht mehr einhalten konnte. Der Akku war schon total leer und das nach 25% der Strecke. Ich war zutiefst enttäuscht, jedoch bereits zu diesem Zeitpunkt in guter Gesellschaft. Forderten doch das hohe Anfangstempo und die große Hitze (über 30 Grad im Schatten, welchen es nicht gab!) sehr viele Opfer.

So endet eigentlich schon meine Schilderung von diesem Lauf. Ich war total enttäuscht, wo ich doch so zuversichtlich war, auch mein Ziel, die Statue des Leonidas in Sparta zu erreichen.

Am Ende sollten von den 270 Starter/innen nur 97 das Ziel in Sparta innerhalb der Sollzeit von 36 Stunden erreichen.

Was passiert aber mit den Aussteigern? Also: Erstmal beginnt alles im berühmten und gehassten „Besenwagen“. Hierbei handelt es sich um einen kleinen Bus, der hinter dem Läuferfeld herfährt und die Aussteiger an den einzelnen Stationen aufsammelt. Nachdem der Bus voll war, wurden wir alle zum ersten großen Checkpoint nach Korinth, beim km 81, gefahren. Dort konnten wir noch alle im Zeitlimit einlaufenden Läufern/innen zujubeln. Nachdem diese Station dann geschlossen wurde (aufgrund der großen Hitze wurden durch den Veranstalter 10 Minuten zugegeben), wurden wir zusammen mit den Zuschauern, bzw. Angehörigen der Läufer direkt nach Sparta gefahren und konnten dort das Hotel beziehen. Im Laufe des Abends und der Nacht kamen immer weitere Läufer/innen an, die das Rennen ebenfalls nicht beenden konnten. Viele gingen hier scheinbar deutlich über ihre Grenzen hinaus, was sich dann am körperlichen Gesamteindruck niederschlug! Wir selbst, Frank musste bereits auch recht früh aussteigen, hatten uns vorgenommen, nach dem Frühstück die einlaufenden Finisher zu begrüßen und gingen zum Zieleinlauf. Dieser Anblick hat mich dann so bewegt, dass hier mehr und mehr der Wunsch und auch der Wille aufkam, im kommenden Jahr wieder anzutreten. Diese breite Palmen-Allee, an deren Ende die Statue des Leonidas über allem ragt, die Fahnen der teilnehmenden Nationen, die Kinder, die die einlaufenden Athleten/innen begleiten und auch die Auswahl der Musik im Zielraum brachten bei mir einen kalten Schauer über den Rücken und den großen Wunsch, hier auch einmal einlaufen zu wollen! Der vorherige Vorsatz, hier nur einen Versuch zu machen, war somit vollkommen vom Tisch und die Fehleranalyse setzte nun ein. Also 2007 dann doch wieder!! So ging es übrigens fast allen Aussteigern!

Was kann man zur Gesamtorganisation sagen? Über allem „schwebt“ wie bereits schon oben geschrieben die südländische Gelassenheit. Die Zeiten sind nicht unbedingt alle so eng ausgelegt, wobei es nicht heißen muss, dass damit eine Verspätung gemeint ist! Zu den allgemeinen Abläufen wird nicht alles immer verlautbart, wodurch man auch des öfteren auf Mund zu Mund Propaganda angewiesen ist. Aber irgendwie schafft’s jeder, die nötigen Infos zu bekommen, die er/sie für den weiteren Ablauf benötigt. Das Einchecken in den verschiedenen Hotels verläuft zum Teil chaotisch, vor allem dann, wenn viele auf einmal eintreffen. Alles in allem muss man aber mit Sicherheit sagen, dass der/die Teilnehmer/in für 250 Euro eine mehr als angemessene Gegenleistung bekommen. Unterkunft im Hotel, wenn auch teilweise sehr beengt, Vollverpflegung, Bustransporte, Lauforganisation, und eine wahnsinnig tolle Siegerehrung in Sparta auf dem Markplatz mit Feuerwerk und anschließender Live-Musik auf einem bis auf dem letzten Platz besetzten Marktplatz mit mehreren tausend Zuschauern. Eine große Bühne mit „olympischem“ Feuer, Nationalhymne, eine erstklassige Dekoration und im Mittelpunkt dieser Bühne die Finisher des Spartathlons, die dort einen Ehrenplatz erhalten! Eine mehr als würdige Veranstaltung, die ich bislang noch nirgendwo gesehen und erlebt habe. Auch ein wesentlicher Motivationsgrund, im nächsten Jahr dort auf der Bühne sitzen zu wollen! Am nächsten Morgen gab es noch zwei Museumsbesichtigungen, das Mittagessen mit dem Bürgermeister von Sparta und die Rückfahrt nach Athen, mit Abendessen! Am Montagabend findet dann noch einmal eine festliche Siegerehrung in Athen satt, bei der jeder Athlet/in aufgerufen und einzeln geehrt wird. Auch wenn es vielleicht an der Strecke das ein oder andere auszusetzen gibt, was die Attraktivität angeht, so ist doch der Gesamtrahmen des Spartathlon ein Erlebnis der besonderen Art und ein selektives Rennen, wie ich es bislang noch nicht erlebt habe!

Wie war das Rennen? Gewonnen hat das Rennen mit der Bestzeit der letzten 15 Jahre der Amerikaner Scott Jurek, in 22:52:18 h, vor Ryoichi Sekiya aus Japan in 24:14:11 h und Masayuki Ohtaki ebenfalls aus Japan, in 25:19:12 h. Bei den Damen gewann Sumie Inagaki aus Japan, in 28:37:20 h, vor Takako Furuyama aus Japan in 31:40:31 h und Mary Larsson-Hanudel aus Schweden in 31:41:56 h.

Bester Deutscher war Michael Vanicek vom LG Nord Berlin als 5. der Gesamtwertung in 26:56:13 h. Beste und einzige deutsche Frau war Dr. Anke Drescher vom SSC Hanau-Rodenbach in 35:39:19 h und das eine Woche nach ihrem Nationalteameinsatz bei der 24 Stundenlauf European Challenge in Verona/Italien!!Folgende deutsche Teilnehmer erreichten das Ziel in Sparta: Michael Vanicek, Hubert Karl, Ullrich Zach, Rolf Sigel, Maik Dieroff, Michael Brandt, Manfred Ludwig, Olaf Schmalfuß, Klaus Neumann, Otmar Witzko, Jürgen Zuth, Anke Drescher und Ryan Shakal!

 Alle Informationen zum Lauf findet ihr auf der Seite der DUV: www.ultra-marathon.org, www.spartathlon.de und auf der Seite des Veranstalters selber, www.spartathlon.gr! Auf letzterer nur in englischer Sprache. Die Anmeldung der deutschsprachigen Teilnehmer übernimmt das Spartathlonbüro der DUV, DUV-Sportwart Wolfgang Olbrich-Beilig, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. !

Die Gesamtergebnisse sind hier zu finden: www.spartathlon.gr/Finishers.html

Ein Lauf-, in diesem Falle mehr Erlebnisbericht, von

Wolfgang Olbrich-Beilig

 
 
Sprachauswahl
Deutsch (DE-CH-AT)English (United Kingdom)French (Fr)Español(Spanish Formal International)
Eure Hilfe ist gefragt ...
Wer hat Lust, an der Übersetzung der DUV-Website mitzuarbeiten?

weitere Infos ...
Termine
Terminsuche
Die 4 aktuellsten Termine ab heute:
11.02.2012
Brocken-Challenge
11.02.2012
Le Trail des Bosses
11.02.2012
Donadea 50k Race
12.02.2012
Gruissan Phoebus Trail de 50 Km
Direkt zum Laufkalender
Ergebnisse
Suche