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Was soll ich sagen? Die Faszination der 24-Stundenläufe hält bei mir an. Kann nicht genau erklären warum das so ist, doch ich empfinde es einfach als DIE Herausforderung für mich. Also, da wo viele Menschen Urlaub machen lässt es sich bestimmt auch schön laufen. Auf ins herrliche Kärnten, genauer gesagt zum Klopeiner See. Eine wunderschöne Kulisse, doch das Erwachen kam bald. In der Ausschreibung standen 13 Höhenmeter pro Runde, okay, hört sich nicht wirklich viel an, doch die Runde ist „nur“ 1,733km lang. Weitere Informationen gab es zur Strecke nicht, da der Lauf ein paar Jahre nicht stattfand und dieses Jahr mit einer neuen Streckenführung veranstaltet wurde.
Ach was, wird schon halb so schlimm sein, ein Anstieg der sich lang gezogen hochschlängelt und wo es rauf geht, geht es auch wieder runter. Optimismus war angesagt!!! Doch dieser wurde dann von der Realität relativ schnell „zerschlagen“. Kurzfristig hatte ich mir überlegt, ob ich wohl in einem Zustand der „geistigen Umnachtung“ ausversehen eine Anmeldung beim Swiss Alpin oder Jungfraumarathon gemacht habe. Der Anstieg war heftiger als ich es mir in meinen kühnsten Träumen ausgemalt hatte. Doch nun war ich dort und gekniffen wird nicht. Taktik? Die Taktik hatte ich eigentlich schon Tage vorher mit meinem Trainer Franz Leins abgestimmt. Auf der Fahrt nach Österreich wurde sie im Auto nochmals angepasst, wegen der zu erwartenden Hitze und jetzt das!!! Dieser heftige Anstieg, der für mich als „Nicht-Bergziege“ bei einem 24-Stundenlauf nichts zu suchen hat. Also was tun? Neue Taktik, hoch gehen und dann beim Gefälle laufen. Meine Begleiterin und Betreuerin Moni verstand es immer wieder, mich zu motivieren, sie sprach mir gut zu. Doch es kam, wie vorhergesagt, ein weiterer Aspekt dazu, der mich nicht gerade freudig stimmte, die Sonne lachte. Eigentlich was ganz Positives, besser als Dauerregen, doch der Planet meinte es so richtig heftig mit uns. Temperatur am Start, über 30 Grad, dazu die schwüle Luft die sich seit Tagen hielt. Prima, genau diese Bedingungen lassen meinen Magen immer zum Streiken bringen.
Da gibt es nur eine Möglichkeit, langsam und gemächlich starten, immer wieder Pause machen, viel trinken und irgendwie die ersten 6 Stunden überstehen, um dann in der Nacht möglichst viele Kilometer zu machen. Warum nicht, also, ran an den Start und los ging es. Die Stimmung war von Anfang an richtig gut, ein tolle Kulisse und wenn man mal den „Berg“ überwunden hatte, dann war die Aussicht einfach traumhaft. Es waren nicht gerade viele Einzelläufer am Start, gerade mal 16 „Verrückte“ und ich als einzige Frau. Hatte auch gewisse Vorteile, meinte zumindest der Sprecher, ich bräuchte nur eine Runde zu laufen und schon wäre ich Frauensiegerin. Nein, nein, so läuft das nicht bei mir, ich wollte eine würdige Siegerin sein. Also Kilometer schruppen, dies fiel mir am Anfang relativ leicht, traf ich doch einige bekannte Gesichter.
Hurra, hurra der Pumuckel, der ist da!!! Vielen auch bekannt unter dem Namen Dietmar Mücke. André Lange, nein nicht der Bobfahrer, war mir letztes Jahr in Wörschach und beim Deutschlandlauf schon über den Weg gelaufen und dann war da noch Robby Alf, der sogar mit uns Mädels angereist war und im selben Hotel wohnte. Außerdem gab es parallel auch noch einen 6-Stunden Einzelwettbewerb und Staffeln über die 6 und 24 Stunden. Die ersten Stunden vergingen wie im Flug. Es wurde langsam Abend und jeder hoffte auf Abkühlung, doch die ließ ewig auf sich warten. Erst gegen Mitternacht spürte ich die aufsteigende Kühle. Es war recht angenehm zu laufen, dann ??? Was war das? Plötzlich standen wir Läufer mitten auf der Strecke im Dunkeln. Man hatte uns den Strom abgedreht, was soll´s, im Dunkeln ist gut munkeln. Doch die Veranstalter taten, was in ihrer Macht stand, da wurden Autos an den Straßenrand gestellt und so die Strecke beleuchtet. Hektisches Treiben und nach ein paar Runden war das Licht auch schon wieder an. Doch mit dem Licht kam bei mir die Müdigkeit, also mal eine kleine Massage dazwischen schieben. Es war vom Veranstalter her für alles gesorgt. Schön für meine Beine, doch mein Bettzipfel rief weiter nach mir.
Moni drehte ein paar Runden mit mir und unterhielt mich, doch es half alles nichts, ich war müde!!! Moni war der Verzweiflung nahe und rief sogar mitten in der Nacht Mattin Becker an um sich Tipps abzuholen. Dazu muss ich kurz erklären, daß Moni meine neue Arbeitskollegin ist und sie spielt in einer Damenmannschaft Fußball, laufen ist für sie nur eine Möglichkeit um die Ausdauer zu steigern, wobei Ausdauer für sie 90 Minuten Spielzeit bedeutet. Doch sie ist auch eine neugierige und sehr aufgeschlossene Person und wollte einfach mal schauen, was uns Ultraläufer so umtreibt. Dafür bin ich ihr sehr dankbar, sie hat sich wirklich aufmerksam und rührend die ganzen Stunden um mich gekümmert! Sie versorgte mich ständig mit Flüssigkeit, schaute, daß ich genug Essen zu mir nahm, viel Salz, wegen der Hitze, frische Kleidung, ein kühles Handtuch für den Nacken, Kopfbedeckung und was weiß ich noch alles. Wirklich eine tolle Rundumversorgung!!!
Zurück zu meiner Müdigkeit, Mattin empfahl doch tatsächlich ein Nickerchen einzulegen. Gesagt getan, ich legte mich auf den Teerboden in den Schlafsack, wie bescheiden man wird wenn man schon etliche Kilometer in den Beinen hat. Moni weckte mich nach 20 Minuten wieder und ich begab mich auf die Piste. Pumuckel hatte schon gewartet und André schlief schon seit Stunden. Ich versuchte mich mit vielen Gedanken an meine Tausendfüssler zu motivieren (www.ultralauftreff.de). Wir laufen oft mit viel Spaß miteinander und somit drücken wir uns gegenseitig immer wieder die Daumen. Es gab auch viel Motivation der Läufer untereinander, da mal ein nettes Wort oder gar ein Händedruck im vorbeilaufen (Danke Michael Krause!). Bei mir lief es wieder wesentlich besser und ich versuchte Kilometer zu machen. Mittlerweile konnten etliche Läufer nur noch gehen und so rutschte ich Platzierung um Platzierung nach vorne. Irgendwann war ich in den Top 10, der Morgen kam und somit auch wieder die Sonne.
Es wurde schon recht früh wieder heiß und ich nahm das Tempo raus. Dafür wurden es wieder mehr Zuschauer und die Stimmung stieg. Jeder wurde im Zeitnahmebereich bejubelt und gefeiert. Etwa 1 Stunde vor Schluss verkündete der Sprecher, dass ich auf dem 6. Gesamtrang lag. Jetzt mal schauen was der Hintermann machte, Moni klärte das für mich. Hintermann liegt ca. 4 km zurück, doch der Vordermann Günther geht und ist ca. 2 km vor mir. Auweia, nichts mit ausruhen und gemütlich weiterlaufen, Angriff war angesagt. Wie die vielen Runden zuvor, bergauf gehen, bergab aufs Tempo drücken und wie. Hätte nie gedacht, daß ich nach über 160 km noch fähig wäre die schnellsten Runden meines gesamten Laufes zu absolvieren. Meter um Meter holte ich auf, dann die Rücküberrundung, das heißt, gleiche Runde jetzt. Dann zog ich an Günther vorbei, ein Triathlet, der leider sehr viele Blasen an den Füßen hatte und das schon seit Stunden. Die Zuschauer und Helfer flippten jetzt fast aus, wenn einer der Läufer vorbei kam. Die Stimmung war gigantisch gut und ich bekam jedes Mal eine Gänsehaut wenn ich durch das Start- und Zieltor lief. Der Jubel war unheimlich groß, viele Hände zum Abklatschen und Beifall ohne Ende. Okay, als einzige Frau bei dieser Männerübermacht hatte ich schon einen Bonus.
Dann der Zielschluss und somit die Fakten: 166,589 km, über 1.200 Höhenmeter, 1. Frau (was nicht schwierig war), 5. Gesamtplatz, darauf bin ich stolz!!! Doch diese Zahlen können nicht ausdrücken was dort ablief, wir fielen uns alle in die Arme, Läufer wie Zuschauer. Alle waren müde und ausgelaugt, die Anstrengung stand allen im Gesicht und das bei wieder mehr als 30 Grad im Schatten. Der Klopeiner See lockte fast alle und die Abkühlung tat auch mir richtig gut. Anschließend eine schöne warme Dusche, die Siegerehrung konnte kommen. Die sehr familiäre Veranstaltung fand einen würdigen Abschluss und ich wurde mit Geschenken überhäuft. Für mich hat sich die weite Reise absolut gelohnt, ich habe neue Erfahrungen gesammelt und wunderschöne Stunden erlebt. Hier bekommt ihr jetzt noch ein paar Eindrücke in Form von Bildern...
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