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Kölnpfad - einfach ist etwas anderes!
Letztes Jahr zeichnete der Kölner Eifelvereinen den Kölnpfad aus, einen schönen Wanderweg den sogar BAP mit "eimol öm Kölle röm" ein Lied widmete: 171 km - eine nette Distanz für einen Ultralauf, dachte sich das bewährte Organisationsteam um Wolfgang Olbrich und Frank Klaka und organisierte den Wettbewerb "Kölnpfad nonstop", der letztes Wochenende seine Premiere feierte.
Ein erlesenes Teilnehmerfeld war am Start: Said Kahla und Dagmar Liszewitz vom DUV-Präsidium, Conny Bullig, Josef Willerich und ich von der DUV-Fördergruppe, sowie 12 weitere, erfahrene Ultraläufer hatten die Laufschuhe geschnürt. Pünklich um 8 Uhr schickte der Vorsitzende des Eifelvereins die 17köpfige Gruppe in einen spannenden Tag. Da ich seit etwa zwei Monaten verletzungsbedingt kaum trainieren konnte, hatte ich meine Ambitionen auf "Finishen" gesenkt und trabte gemütlich im 6er Schnitt los. So richtig eilig hatte es keiner, da der Wetterbericht etwa 30 Grad voraussagte und der Weg im ersten Abschnitt nicht so leicht zu finden war. Josef und Holger Maiwald konnten sich zwar mehrfach leicht absetzen bis eine kleine Ungenauigkeit bei der Wegewahl das Feld wieder zusammenführte. Nach einer Stunde bildete sich daraus eine bunte 5er Gruppe. Mit dabei waren auch Hauke König und Jürgen Mosler (im Allgemeinen wird er Mo genannt), ein Troisdorfer Läufer, der mich etwa 80 bis 90 km begleiten wollte. Ich hatte mir eine optimale Unterstützung aus der Vielzahl guter Ultraläufer aus Troisdorf organisiert. Jeweils zwei Läufer wollten mich auf den einzelnen Streckenabschnitte begleiten. Mit dabei hatten wir ein Fahrrad mit allerhand zu essen und zu trinken sowie nützliche Utensilien wie Sonnenmilch, Toilettenpapier und eine Erste-Hilfe-Tasche, die tatsächlich zum Einsatz kam, als Martin Büchter, einer meiner Supporter, einer mit dem Rad gestürtzen Frau aushelfen konnte. Perfekt geplant ist halb gewonnen! Aber was wäre ein Ultra, wenn nicht dennoch alles anders kommen würde.
Die erste Verpflegungsstelle kam viel früher als erwartet. Ich hatte mich gerade selbst versorgt, naschte daher nur ein wenig und startete sofort wieder. Josef lief ohne Support und wollte eigentlich an den VPs "richtig tanken". Aber nun entschied er sich, auch eher einen kurzen Stopp einzulegen und mir zu folgen. Die anderen beiden folgten ebenfalls etwas unschlüssig eine Wiese bergauf. Der erste und vermutete einzige Berg rund um Köln wartete auf uns oder etwa nicht? Hatte ich mir das Profil nicht so richtig angeschaut oder lag es am Maßstab? Dem ersten Berg folgte ein zweiter, dann kamen wir in Bensberg an und das Rauf und Runter wollte überhaupt nicht mehr aufhören. Sagte nicht auch Wolfgang etwas von flacher Strecke? Vermutlich hatte er bei dieser Aussage diesen Teil des Weges einfach ignoriert. Nach Bensberg durchschnitt der Wanderweg den Königsforst Richtung Köln Wahn/Flughafen. Es lief sich wieder ziemlich gut und wir legten ein paar KMs in 5:15 bis 5:20 min/km zurück. Wo blieb nur Volker, mein Radbegleiter? Auch Hauke und Holger waren plötzlich weg. So trabten Josef, Mo und ich zusammen durch den angenehm kühlen Wald. Ein Anruf bestätigte das Vermutete: Volker hatte erst technische Probleme mit dem Rad, sich dann verfahren, war aber im Anflug. Da wir allerdings auf den Waldwegen nicht gerade langsam unterwegs waren, sollte es geschlagene 2 1/2 Stunden seit dem VP dauern, bis er uns wieder einholte und ich wieder etwas zu trinken und zu essen bekam. Mo musste zwischenzeitlich dehydriert das Laufen einstellen und gehend auf Volker mit der rollenden Versorgung warten. Josef und ich hatten mittlerweile den Wald verlassen und liefen durch die knallende Mittagshitze durch die Stadtteile Grengel und Wahn. Endlich kam Volker! Die Erlösung nahte, denn so richtig gut fühlte ich mich schon länger nicht mehr. Die Frage, ob es möglich sei, einen Flüssigkeitsmangel wieder ausgleichen, wenn man bei über 30 Grad im 6er Schnitt durch die Hitze läuft, musste die nahe Zukunft zeigen!
Jetzt folgte ein schwieriger Teil der Strecke. Es ging etwa 10 km von Wahn über Libur, selten über Asphalt und viel über Feldwege, bis nach Lülsdorf, wo der Verpflegungsstand der Troisdorfer LG MUT auf uns wartete. Komischerweise erholte ich mich von Kilometer zu Kilometer unerwartet schnell. Meine Vereinskollegen, meine Frau, Essen und Trinken im Überfluss warteten auf mich! Mein Tempo wurde immer höher, so dass Josef plötzlich mir nicht mehr folgen wollte und ich etwa 1 Minute vor ihm die Oase bei km 60 erreichte. Was für ein Empfang erwartete mich! Schöner hätte ich mir den Zieleinlauf nicht vorstellen können, so groß war die Begeisterung und Anfeuerung. "Das war der beste Verpfegungsstand, den ich je gesehen habe", urteilte Hans-Peter Gieraths später. Es war nicht nur die erlesene Auswahl an Speisen und Getränken, sondern auch der gebotene Service mit kühlender Schlauchdusche, Getränkerucksack und Satteltaschen füllen, die Begeisterung, Anteilnahme usw, die so manchen Läufer etwas länger, als vielleicht geplant, hier verweilen ließen.
Auf der zweite Etappe begleiteten mich Elke Dörnfeld und Martin Büchter, mit denen ich in diesem Jahr schon so manches schöne Laufabenteuer erleben durfte. Zunächst skeptische Blicke: "Ja es geht mir gut. Noch!"
In den letzten Wochen war es meist nach etwa 20 km so, dass sich mein Gesäß- und Rückenmuskel plötzlich verspannte und ein schmerzfreies Laufen abrupt beendete. Wie lange würde es heute gutgehen? Probieren war angesagt. Und es ging gut!
Wir hatten viel Spaß unterwegs, haben dabei nette Leute kennengelernt, die Zeit verging wie nichts. Plötzlich kam schon der Verpflegungsstand von Florian Bechtel. Km 100 war in 9:59 Stunden erreicht. Hupps. Wir wurden herzlich empfangen, füllten unsere Taschen und zogen weiter. Ich war zum ersten Mal ohne Uhr, ohne GPS oder sonst was unterwegs, wollte nur ganz vorsichtig und langsam laufen, um möglichst weit zu kommen.
Genau als wir am Müngersdorfer Stadion vorbeiliefen, schoss der FC Köln ein Tor. Wahrscheinlich hat man den Jubel auch auf der anderen Seite von Köln gehört. Wir waren ob der Lautstärke überrascht. Leider wusste keiner von uns, gegen wen Köln überhaupt spielte, aber wir freuten uns trotzdem.
Der Weg führte uns schon seit längerer Zeit kreuz und quer durch den Grüngürtel von Köln und es kam, wie es kommen musste: "Hier waren wir schon einmal" bemerkte Martin und recht hatte er. Wir sind irgendwo im Kreis gelaufen und waren gerade dabei, den Weg wieder zurückzulaufen! Es sollte nicht das letzte Verlaufen sein. Obwohl es noch nicht dunkel war, konnte man im Wald kaum noch eine Markierung erkennen und wir "verloren" viel Zeit mit Kartenlesen und Zeichen suchen. Tagsüber war die offizielle Auszeichnung des Kölnpfades sehr gut, doch mit zunehmender Dunkelheit wurde das Orientieren schwieriger. Die von Wolfgang zusätzlich angebrachten Reflektoren waren jetzt eine große Hilfe.
Das übelste Stück war kurz vor der letzten Verpflegungsstelle in Worringen, als es einen Feldweg zwischen einem Wald und einer Wiese entlang ging. Erst bin ich gestürzt, dann Martin samt Fahrrad - dieser Weg war absolut nicht zum Benutzen geeignet und wir beschlossen zu gehen, bis der Weg wieder besser würde.
Teelichter auf der Straße deuteten an, dass wir uns der Verpflegungsstelle näherten. Wir wurde schon erwartet. Nina Schuhmacher und andere hatten einen tollen Stand aufgebaut und uns perfekt bewirtet. Zum ersten Mal hatte ich ein wenig Geduld und trank nach dem obligatorischen Kaffee in aller Ruhe ein alkoholfreies, gut gekühltes Bier! Ich liebe die Wärme und hasse es, im Dunkeln durch die Nacht zu irren, daher war ich auch schon oft in Brühl und noch nie in Biel! Ich hatte keine Lust mehr. Meine Motivation sank. Der Lauf hätte auch gut hier bei km knapp 140 enden können. Elke und Martin ware in dieser Phase unglaublihch hilfreich! Es war ja auch nicht mehr weit. Noch 35 km etwa, also 3 1/2 Stunden laufen - plus suchen. Das war etwas optimistisch, denn ich glaube, es sind 5 Stunden geworden. Zuletzt haben wir uns einen km vor dem Ziel verlaufen! Kurz vor 3 Uhr kamen wir dann endlich ins Ziel und wurden von Sigi und Wolfgang freudig begrüßt. "Wir haben euch eigentlich schon viel früher erwartet", waren seine anerkennenden Worte, als er mir die Finischer-Medaille umhing! "Einfach ist etwas anderes", war die knappe Antwort, bevor wir ausführlich unsere Erlebnisse berichteten.
Als Josef als zweiter mit 1 1/2 Stunden Rückstand ins Ziel kam, waren wir schon wieder in Troisdorf. Josef hat die Strecke ohne Supporter beendet. Eine Leistung, die ich mir gar nicht zutrauen würde. Allergrößten Respekt. Auch Conny und Dagmar erzählten bei ihrer Ankunft am Sonntag Mittag Geschichten, die ich nicht unbedingt erleben möchte. Die kämpferische Leistung der beiden starken Frauen kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Und damit meine ich nicht das Lesen einer Karte! Phänomenal!
Dritter mit 2 Stunden Rückstand auf Josef kam Hans-Peter Gieraths bereits wieder im Hellen ins Ziel. Von der 5er-Gruppe am Start musste Mo am MUTler-Verpflegungspunkt mit Kreislaufproblemen abbrechen. Holger und Hauke gehörten zu den 6 Männern, die frühzeitig ausstiegen. Wie gesagt: Einfach war der Lauf sicherlich nicht! Richtig Essen, Trinken und Kräfte einteilen: Der klassische Dreikampf eines Ultraläufers war diesmal wirklich anspruchsvoll! Die Frauen kamen allerdings alle durch. Am schnellsten erreichte Angelika Mölders aus Kevelaer nach 26:39:13 Stunden als Gesamtsechste das Ziel in Dünnwald.
Ich hatte nicht damit gerechnet, so gut durchzukommen, geschweige denn diesen Lauf gewinnen zu können, da ich vor zwei Wochen schon den Lauf verletzungsbedingt abgesagen wollte! Nun bin ich froh und glücklich, dabeigewesen zu sein. Meine Empfehlung an Wolfgang und Frank: Unbedingt fortsetzen.
Michael Irrgang
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| MUT-Stand: Ruhe vor dem Sturm |
beim Laufen: Kurz vor dem VP MUT |
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| Siegerehrung |
Läuferbüfett: Für alle Helfer, Läufer und Betreuer gab es nach der Siegerehrung ein leckeres Buffet. |
Fotos Martina Stumpf-Irrgang
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