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FG unterwegs: Silvretta-Ferwall-Marathon Galtür Imprimir Correo electrónico
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Nicole Benning schickt uns folgende Zeilen von ihrem Marathon in den Bergen:

Am Samstagmorgen waren die UTMB Läufer laut Liveticker noch immer nicht über St. Gervais hinaus gekommen. Da stimmte doch was nicht! Ein wenig im Internet herumgeschaut und ich musste feststellen, dass der UTMB wegen katastrophalen Wetterbedingungen abgebrochen worden war! Damit war unser Wochenendprogramm „Liveticker UTMB-Schauen“ beendet. Was machen wir nun mit der vielen Zeit? Im Training ein schöner Landschaftslauf, das wäre es. Die Auswahl war nicht allzu groß. Der Crêtes Vosgiennes wäre schön. Doch für den Rücktransport mit dem Bus gab es keine Nachmeldemöglichkeit und die ganzen 33 km wieder zurück laufen, das musste irgendwie nicht sein. Also leider nicht nach Frankreich. Dann war da noch der Silvretta-Ferwall-Marathon in Galtür. Schnell alle Wetterberichte der Welt anschauen, denn wir wollten natürlich nicht, dass es uns so geht wie den UTMB-Kollegen. Die Vorhersage versprach für Sonntag sehr gutes Wetter. Hoffentlich stimmte es. Wir zogen Hölzchen, ob wir fahren sollten oder nicht. 2:0 für Galtür. Also geschwind die Sachen packen und eine Stunde nach der Entscheidung ging es los.

An der Passhöhe der Silvretta Hochalpenstraße knapp über 2.000 m Höhe zeigte das Thermometer noch 2,5 Grad an. Endlich einmal läuferfreundliche Temperaturen und keine solche Hitze! Leider auch strömender Regen, der fast in Schnee überging.In Galtür angekommen meldeten wir mutig nach; die Veranstalter versprachen uns für den Sonntag Sonnenschein. Dann konnten die 42,3 km und die 1.715 Höhenmeter ja kommen.

Am Sonntag früh morgens hatte es vielleicht 5 Grad, ich fühlte mich pudelwohl, wie gesagt, endlich läuferfreundliches Wetter. Wir waren mit allem, was der Kleiderschrank an Winterausrüstung hergab, ausgestattet. Mütze, Handschuhe, Jacke, Rettungsdecke, Wechselkleidung – alles befand sich im Hüftgurt bzw. Rucksack. Schließlich geht es ja auf über 2.600 m hinauf, da erwarteten uns sicher Temperaturen deutlich unter 0 Grad. Und wer weiß, ob das Wetter wirklich gut wird.

Recht bald ging es dann auch schon richtig hinauf. Juhu. Ich war total begeistert von der schönen Landschaft und vor allem von den Blicken auf die teilweise schon sonnenbeschienen Gipfel der Silvretta. Auf vielen bin ich schon gestanden, habe sie bergsteigend erklommen. Ich war in meinem Element, bestimmte Gipfel und Gletscher und erklärte meinen Mitläufern, egal, ob sie es hören wollten oder nicht, welchen Berg sie da gerade zu sehen bekamen. Vor lauter Begeisterung vergaß ich fast, dass ich ja zum Laufen da war. Also gut, weiter ging es.

Ab ca. 2.200 m Höhe begegnete mir Wasser in meiner liebsten Form: Schnee!!!! Eine dünne Schicht hatte sich über die Berge gelegt und die Steine und Felsen recht rutschig werden lassen. An schwierigeren Stellen stand sicherheitshalber die Bergwacht und passte darauf auf, dass niemand auf den eisigen Felsen zu Fall kam. Bergauf lagen wir trotz des recht gemütlichen Tempos ganz gut im Rennen. Als es dann das erste Mal bergab ging, sprach ich mit jedem gefrorenen Wassertropfen und Schneekristall einzeln, um ohne unfreiwilligen Ausfallschritt nach unten zu kommen. Aufgrund meiner ausgeprägten Trail-Bergab-Legasthenie fehlte nur noch, dass mich die Cross-Rollis von hinten überholten.

Noch ein kurzer Anstieg zum höchsten Punkt, philosophische Gedanken mit den Vertretern der Bergwacht an der Labestation über die leistungsunterstützende Wirkung von Mannerschnitten und ein Gipfelbild fürs Familienalbum und ab ging es über 1.000 Höhenmeter am Stück nach unten ins Tal. Da sich die Berglaufveranstalter nach wie vor weigern, meinem Wunsch nach mindestens wie Feld- und Waldwege geschotterten Bergabpassagen (bergauf können sie die Felsen und Steine ruhig liegen lassen) nachzukommen, musste ich eben mal wieder jeden sinnlos im Weg herumliegenden Felsbrocken und losen Steinen einzeln um Passierbarkeit bitten. Das dauert natürlich etwas länger … und die Cross-Rollis rückten schon wieder bedrohlich nahe.

Ein Vorteil hat das langsame Tempo: es strengt nicht wirklich an und ich nutzte die viele Zeit, um in der Landschaft herumzuschauen. Ach ja, schon wieder hatte ich es fast vergessen, ich war ja zum Laufen da. Unten angekommen war ich endlich wieder in meinem Element. Fast 400 Höhenmeter Anstieg zur Lareinalpe, wo auf mich der beste Verpflegungsstationstee meiner Läuferinnenkarriere wartete. Echt handgeschnitzt, so der Kommentar der Teekocher. Und sooo lecker. Ich konnte den ganzen Anstieg laufend bewältigen, wir holten sogar einige schon längst beim Duschen gewähnte Laufkollegen ein und genossen die letzten 10 km bis ins Ziel in Galtür.
Müde war ich nicht, es war ja „nur“ ein Trainingslauf. Dafür aber einer der schönsten Läufe meiner Laufkarriere, ein wunderbarer familiärer Berglauf in herrlicher Landschaft.

Von der Verteilung von Stofftieren, Blumensträußen, Staubfängern und anderen Devotionalien war ich nicht betroffen. Im Gegensatz zu diesen ganzen Bergablaufdränglern und Talwärtshektikern nahm ich stattdessen unzählige schöne Bilder, Eindrücke und nette Begegnungen mit nach Hause.

 

 
 
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