DUV - Deutsche Ultramarathon Vereinigung e.V.
Banner
Sie sind hier: Start Gemeinschaft Laufberichte Laufberichte 2006 15.-19. Mai 2006 328 km Isarrun
Banner
  
Banner
  
Banner
15.-19. Mai 2006 328 km Isarrun Imprimir Correo electrónico
Escrito por Gabi Gründling   
There are no translations available.

Ran an die Isar!

von Gabi Leidner, 5/2006

Das war er nun – der 3. Isarlauf unter der Regie von Uli Welzel, der seit 2005 neudeutsch „Isarrun“ heißt. Dabei hat er diese Umbenennung wirklich nicht nötig, die Laufwilligen rennen Uli jedes Jahr die Bude ein. Das ist aber auch schon der einzige Kritikpunkt, den ich anzubringen habe, denn der Isarlauf ist eine rundum gelungene Veranstaltung, was man auch aus der hohen Zahl der WiederholungstäterInnen ablesen kann. Ein Großteil der LäuferInnen 2006 war schon mindestens 1x vorher entlang der Isar unterwegs, mit Werner Selch, Klaus Neumann, Heinz Jäckel, Willem Mütze, Hans Drexler und Bernhard Sesterheim gibt es sogar sechs Läufer, die bisher immer am Start waren. Fünf von ihnen beendeten den Lauf auch bereits 3x.

Bei der ersten Durchführung verlief die Strecke vom Ursprung zur Mündung, im Jahr darauf in umgekehrter Richtung und eigentlich sollte jedes Jahr gewechselt werden. Aber die Läufer sprachen sich dafür aus, daß die Reihenfolge Mündung -> Quelle beibehalten wird, mental ist es deutlich einfacher, auf die Berge zuzulaufen als ihnen den Rücken zu kehren.

Und so ging es auch an diesem 15. Mai in Plattling los. Am Vorabend hatte man schon zusammen gegessen – nachdem alle Ankömmlinge in der Sporthalle schon mit Kaffee und Kuchen begrüßt wurden. Von Plattling bis zu der Stelle, an der die Isar sich in die Donau übergibt, sind es knapp 13 km isarabwärts und die mußten zuerst zurückgelegt werden, bevor es, natürlich wieder an Plattling vorbei, nach Dingolfing ging. Beziehungsweise lief. Oder auch beides. Der Tag war warm und am Abend waren alle froh, die 62 km „kurze“ Startetappe gut überstanden zu haben. Nach einem guten Abendessen im Freien, einer Ansprache der stellvertretenden Bürgermeisterin Christiane Jodelbauer und der Tagessiegerehrung fielen fast alle fast genauso umgehend auf die Matratze und in mehr oder weniger tiefen Schlaf. Um es gleich vorweg zu nehmen: René Strosny und Carmen Hildebrand waren auch in diesem Jahr wieder unschlagbar, sie gewannen jede Etappe und alle schneller als 2005. Besonders über René hörte man von mehr als einem Teilnehmer „Der läuft in einer ganz anderen Liga“ – so leicht und locker, wie er die Kilometer abspulte, schwimmt sonst höchstens mal ein Schokoriegel in Milch. Jürgen Schoch und Thomas Mirz kamen zeitgleich 20 min nach René ins Ziel. Carmen hatte satte 44 min Vorsprung vor Ute Wollenberg, Angela Ngamkam folgte eine weitere Stunde später direkt vor Lisa Lusskandl, der Neuseeländerin, die mit einem Österreicher verheiratet ist.

Waren am ersten Tag noch alle gemeinsam und erst um 9 h gestartet, wurde das Feld ab dem zweiten Tag in zwei Gruppen eingeteilt. Die Langsameren starteten um 7 h, die Schnelleren konnten das Frühstück eine Stunde länger verdauen, bevor sie auf die Piste geschickt wurden. An diesem Tag war der Weg in den Freisinger Stadtteil Weihenstephan das Ziel und leider mußten auch schon erste Opfer beklagt werden, am Abend waren nur noch 51 der 56 Gestarteten in der Wertung. Vor allem rund um Landshut, wo auch der dritte Verpflegungsposten aufgebaut war, hatte es heftigst geregnet und auch gewittert, da war (nicht nur) mentale Stärke gefragt. Mit 75 km war dieser Tag auch der längste der ganzen Woche. Die Wirtin im Hotel Lerner war sogar so frei, die durchnässten Laufsachen in ihren Trockner zu werfen, was auch von vielen dankbar angenommen wurde. Die Gruppe hinter René war diesmal doppelt so groß wie am Vortag. Theo Huhnolt, Thomas Mirz, Jürgen Schoch und Gerhard Lusskandl kamen fast zeitgleich bei Zeitnehmer Uwe Schoknecht an – aber wiederum 34 min später als der fixe Bautzener mit schwäbischem Wohnsitz und hessischer Freundin. Carmen arbeitete sich diesmal 1:27 h Vorsprung vor Ute Wollenberg heraus, Dritte war diesmal, weitere 1:16 h später, Lisa Lusskandl. Die selbsternannte „Laufsportgruppe Pawzik“, die sich immer am Ende des Feldes aufhielt, wurde von Tag zu Tag größer. Heike Pawzik brachte mit ihrer geballten Erfahrung nicht nur Christoph Voegelin und Iris Reindl sondern später auch noch Bill Nickl, Konrad Schwarz u.a. Tag für Tag im Zeitlimit ins Ziel.

Durch München ging es am nächsten Tag auf der zweitlängsten Etappe Richtung Humplbräu in Wolfratshausen – und tatsächlich humpelten einige schon ganz schön, als sie zum Abendessen die Treppe herabkletterten. Vor allem der berühmt-berüchtigte Shin Splint begann, gnadenlos zuzuschlagen. Einer, der von allen Läuferblessuren völlig verschont blieb, war Dieter Sanitz. Der Leichtfuß aus Karlsruhe ist sage und schreibe 71 Jahre alt – und wurde letzten Endes mit 38:26:54 h 29. in der Gesamtwertung. Sein einziges „Wehwehchen“ waren geplatzte Äderchen im rechten Auge. Von Dieter kann sich fast jeder eine Scheibe abschneiden! Der Männer-Zieleinlauf glich dem der Vortage: Strosny vor Schoch und Mirz, wobei Jürgen und Thomas auch am dritten Tag wieder gemeinsam liefen und ankamen. Von hinten lief sich Michael Irrgang in die Spitze vor, wurde auf den 71 km Vierter, was seine Frau beim abendlichen Telefonat erst gar nicht glauben wollte. Auch ganz stark war Werner Selch, der bei der Endabrechnung mit 30:30:42 h 8. wurde. Carmen belegte am dritten Tag Gesamtplatz 5. Nach einem 6. Platz am ersten Tag, dem 7. am zweiten, wiederum dem 7. am vierten und dem 5. am Schlußtag belegte sie einen tollen 4. Platz in der gemischten Wertung – und das mit einem Schnitt von 10,843 km/h! Auch am dritten Tag war Ute Wollenberg die zweite Frau im Ziel, Angela Ngamkam konnte Lisa Lusskandl wieder 4 min abnehmen. Die Strecke am dritten Tag zeichnete sich durch endlos lange Kilometer immer schnurgeradeaus auf dem Isardamm aus – und das bei strahlendem Sonnenschein und ohne ein Fleckchen Schatten.

Viel vorgenommen hatte sich Shakal Ryan, er wollte den Isarlauf unter den ersten 10 beenden. Auf dem Weg von Wolfratshausen nach Fall, dem Dörfchen am Sylvensteinsee, erreichte er mit Platz 5 sein bestes Tagesergebnis, sein selbst gestecktes Ziel hat er mit Platz 7 locker erreicht. An mindestens zwei Tagen rannte er mit einem lauten „Nummer 60 läuft durch“ pfeilschnell am letzten Verpflegungsposten vorbei, um auf den letzten Kilometern noch ein bißchen Zeit gut zu machen. Immer gut gelaunt, aber in den letzten Tagen auch arg shinsplintgeplagt, waren zum Beispiel Alois Ruhland und Henry Wibberg unterwegs. Nicht nur ihre Füße glichen am Ende mehr Pferdehufen als Füssen – aber sie haben es geschafft, die ganzen 5 Etappen zu beenden und konnten zur Belohnung am Ende ihre Haxen ins eiskalte Isarwasser nahe der Quelle(n) halten. Wobei Alois nicht nur die Füße badete, sondern sich selbst minutenlang in den Fluß setzte. Andere hielten es deutlich kürzer darin aus als er.

Im Sporthotel „Jäger von Fall“ frönten am Abend des vorletzten Tages alle dem umfangreichen Büffet und mancher konnte kaum noch „Piep“ sagen, als man sein Haupt im Massenlager in zwei Seminarsälen zur Nachtruhe bettete.

Eigentlich wollte ja der Bürgermeister (nicht zu verwechseln mit dem Bullen) von Bad Tölz einige Kilometer mit René zusammen laufen, aber letzten Endes hat er den Termin verbummelt und René konnte alleine seine Lauf-Bahn ziehen. Mit einem 4:55er Schnitt beendete er die Etappe nach 4:55 h. Jürgen Schoch nahm Thomas Mirz diesmal zwei Minuten ab. Bis Johann Delp auf Platz 9 blieben alle noch unter einem 6er Schnitt und das, obwohl diese Etappe die ersten deftigen Höhenmeter aufwies. Peter Gründling hatte den Zweikampf mit Felix Kainz um Platz 3 in der M45 längst verloren, ihm ging es nur noch darum, gut und verletzungsfrei durchzukommen. Felix wiederum fiel vor allem dadurch auf, daß seine Laufshirts ab dem dritten Tag auf Höhe der Brustwarzen deutlich rot gefärbt waren. Autsch! Carmen Hildebrand lag nach 4 Tagen schon mehr als 5 h vor Ute Wollenberg, Lisa Lusskandl und Angela Ngamkam waren weitere 5 bzw. 6 h zurück. Die Plätze 1 und 2 waren hier also schon lange vergeben, nur um Platz 3 konnte es am letzten Tag noch spannend werden.

Tom Wolter-Roessler, mit gerade noch 27 Jahren der jüngste Läufer im Feld, hatte einen Supertag und konnte sich so für den letzten Tag noch in die zweite Startgruppe katapultieren. Er wurde nur von sieben Späterstartern überholt, belegte am Tagesende Platz 16.

Der letzte Tag brachte das Feld dann nicht nur von Deutschland nach Österreich sondern auch noch fast genau an die beiden Isarquellen. Wobei hier sicher „Quelle“ das falsche Wort ist, das Wasser tritt an vielen Stellen aus dem Berg, besser ist da wohl der Ausdruck „Ursprung“. Erstmals war der Zielbogen hoch droben auf dem Berg aufgebaut, aber um durch ihn durchlaufen zu dürfen, mußten alle erst mal noch dran vorbei und noch eine 2,5 km lange Wendepunktstrecke absolvieren. Durch die Zielverlegung war die Strecke gegenüber der Ausschreibung eh schon arg verkürzt und noch weniger wollte man denn doch nicht laufen lassen. So kamen am Ende alle 49 Finisher auf 322 Isarkilometer, gelaufen in einem Korridor zwischen 12,2 und 6,9 km/h. Daß man ca. 16 km vor dem Zieleinlauf bei sengender Sonne auch schon direkt am Hotel in Scharnitz vorbeilaufen mußte, war sicher eine zusätzliche „Gemeinheit“, die aber alle gut wegsteckten. Nach dem Genuß von in der Isar gekühltem Bier, warmer Brühe und diversen anderen Leckereien wurden die glücklichen und müden KriegerInnen per Auto- und Treckershuttle wieder zu Tal gefahren, um am Abend in geselliger Runde alle einzeln als SiegerInnen geehrt zu werden. Die einen waren halt langsamere Sieger, die anderen ein bißchen oder eben viel schneller.

René Strosny brauchte nur 26:41:42 h für die gesamte Strecke. Thomas Mirz „rächte“ sich am fünften Tag an Jürgen Schoch für seine Rückstand vom Vortag und hatte mit 29:06:16 h letztlich ziemlich genau 5 min Vorsprung vor dem DUV-Statistik-Chef, der mit 29:11:13 h als letzter Mohikaner unter 30 h blieb. Bill Nickl brauchte als 49. 46:50:12 h, war also mehr als 20 h länger auf den Beinen als René, hatte mehr als 20 h weniger Zeit, sich zu erholen.

Carmen Hildebrand überschritt die 30h-Marke allerdings auch nur um 2:13 min. Ute Wollenberg kämpfte am letzten Tag nicht nur mit der Strecke sondern auch mit ihrem Magen und verlor 57 min auf die zu Hochform auflaufende Angela Ngamkam. Allerdings war ihr zweiter Gesamtplatz ja schon seit Tagen nicht mehr gefährdet, mit 37:06:19 h wurde sie Gesamt-25. Angie nahm Lisa mehr als 1,5 h ab und schaffte so auf den letzten Drücker noch den Sprung aufs Treppchen.

 

Der Isarlauf ist nicht nur von der Strecke und den Unterkünften her top-organisiert, auch die Verpflegung unterwegs läßt keine Wünsche offen: Eistee, Iso, Wasser, Apfel- und Orangensaft, Cola, Schokolade, Rosinen, Nüsse, Salzgebäck in verschiedenen Variationen, Brot, Gummibärchen, Kekse in diversen Sorten, frisches Obst und frisches Gemüse und das in der Regel alle 6-10 km – Läuferherz (oder besser: Läufermagen), was willst Du mehr?

Mit Reinhard Bussmann & Erwin Remmele (Streckenchefs), Uwe Schoknecht (Ziel- und Zeitnahmechef) und Helmut Schieke (Verpflegungschef, der für den Isarlauf sogar Wolfgang Schwerk alleine nach Surgères fahren ließ) hat Veranstaltungschef Uli Welzel ein tolles Organisations-Team um sich versammelt, das durch jahrzehntelange eigene Lauferfahrung genau weiß, worauf es ankommt.

Auch wenn mit Sicherheit alle Beine am Samstagmorgen froh waren, etwas später und ohne Laufschuhe zum Frühstück gehen zu dürfen: ein bißchen Wehmut war beim Abschied sicher bei nicht Wenigen mit an Bord und auch unter den Isar-Newbies 2006 wird es sicher wieder einige geben, die zu Wiederholungstätern werden!

 

 
 
Sprachauswahl
Deutsch (DE-CH-AT)English (United Kingdom)French (Fr)Español(Spanish Formal International)
Eure Hilfe ist gefragt ...
Wer hat Lust, an der Übersetzung der DUV-Website mitzuarbeiten?

weitere Infos ...