DUV - Deutsche Ultramarathon Vereinigung e.V.
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13. April 2009 - Texel/Niederlande Imprimir Correo electrónico
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120 km rund um die niederländische Insel Texel. Michael Irrgang hat sie erlebt und beschrieben:

"De Zestig van Texel" ist ein ganz besonderer Ultralauf, der nur alle zwei Jahre in den "ungeraden Jahren" stattfindet. Einmal um die größte der westfriesischen Inseln bedeuten 60 anstrengende Kilometer zu laufen. Dabei führt die Strecke in zwei Abschnitten etwa 12 km durch Sand, ansonsten immer hübsch außen um die Insel rum, über den Deich, durch die Dünen, wenig über Asphalt und durch die niedlichen Ortschaften der Insel. Der Lauf erfreut sich nicht nur in den Niederlanden größter Beliebtheit, sondern auch in Belgien und Deutschland. Wem der Lauf zu kurz oder zu lang ist, kann sich die 60 km auch mit anderen teilen und eine Staffel bilden oder aber, wenn man die nötige Qualifikation schafft, auch zweimal absolvieren: Die 120km von Texel ist ein liebevoll organisierter Elitelauf; dabei sind die Qualifikationsleistungen allerdings recht happig: < 9:30 auf 100 km oder >120 km im 12-Stundenlauf oder >200 km bei einem 24-Stundenlauf müssen es schon sein. Letztendlich trafen sich 23 Männer und 2 Frauen im Ziel in Den Burg, um gegen 4:30 Uhr das Rennen zu starten. Die erste Runde wird gegen den Uhrzeigersinn vom Ziel zum Start gelaufen, wo 6 Stunden später das Hauptrennen beginnt. Weil es in der ersten Runde noch keine Verpflegungsstellen gibt, stellt der Veranstalter jedem Teilnehmer eine persönliche Radbegleitung, die nicht nur die Läufer mit Essen und Getränken versorgen, sondern auch den Weg zeigen und leuchten, Garderobe transportieren, einem alles Wissenswerte über die Insel erzählen und ihre Erfahrungen früherer Läufe teilen.

Da der Lauf nur zwei Wochen nach meinem 100km-Lauf in Galway stattfand, der mir noch deutlich in den Knochen steckte, wusste ich nicht so genau, ob und wann der zu erwartende Einbruch kommt, dennoch liefen die ersten Kilometer recht gut. Ich war Mitlgied einer achtköpfigen Spitzengruppe, die knapp über einem 5er Schnitt das Rennen recht verhalten begann. Bei der ersten Tempoverschärfung ließ ich mich dann zurückfallen, da ich eine 11-Stunden Zeit für mein optimal mögliches Ergebnis einschätzte. Als dann an der Nordküste der Insel der schönste Teil der Strecke bei leichtem Rückenwind anstand, mittlerweile die Sonne wärmend aufgegangen war, packte mich plötzlich die Lauflust und legte ungefähr die nächsten 10 Kilometer in 45 Minuten zurück. Das hat Spaß gemacht! Dann kam der erste Sandabschnitt! Da Flut war, musste man dicht am Wasser laufen, um einigermaßen festen Grund unter den Schuhen zu haben, den man sich allerdings durch Laufen auf einer ziemlich geneigten Lauffläche erkaufen musste. Hatte ich kurz vor dem Sand Gerald Baudek aus Bad Nauheim, den weiteren Teilnehmer aus Deutschland überholt, so musste ich ihn am Strand ziehen lassen, um ihn direkt danach wieder einzuholen. Die erste Runde beendete ich etwas schneller als geplant nach 5:10 Minuten. Da aufgrund des Windes und der Temperatur diese Runde sicherlich die leichtere war, wusste ich, dass es ziemlich schwer werden würde, die 11 Stunden zu knacken! Dann ging es wieder in den Sand, diesmal bei Gegenwind! Es war für mich unglaublich schwer, bei diesen Bedingungen einen Rhythmus zu finden, ich fühlte mich plötzlich müde und kaputt, konnte im ersten Strandabschnitt nur ein 7er Tempo halten, im zweiten war ich dann nur unwesentlich schneller. Da staunte ich nicht schlecht, als etwa bei km 18 der Rückrunde die beiden Führenden des 60km-Laufes "vorbeiflogen". So schnell laufe ich noch nicht einmal auf der Tartanbahn! War es möglich, dass sie auf 18 km etwa 45 Minuten auf mich aufgeholt haben? Des Rechnens nicht mehr fähig, trottete ich staunend weiter durch den Sand. Mittlerweile war es Mittag geworden. Blauer Himmel, Sonne, angenehm kühlender Wind und eine leichte Brandung boten eine wunderbare Kulisse für einen schönen Strandtag! Schön war die große, begeisterte Anteilnahme der Bevölkerung, die jeden Läufer ehrfurchtsvoll anfeuerte. Bin ich auf dem Hinweg insgesamt mit einem halben Liter Wasser ausgekommen, schüttete ich jetzt stündlich einen Liter Getränk in den Hals und reichlich Wasser über meinen erhitzten Kopf. Ich hatte für die Rückrunde einen anderen Radbegleiter bekommen und ich war über diesen Service mehr als dankbar, da für mich die Abstände von 5 km zwischen den Verpflegungsstellen viel zu lang gewesen wären.

Nach dem Richtungswechsel im Norden kam der schwache Wind tendenziell von hinten. Das führte allerdings dazu, dass man noch mehr schwitzte. Nun wollte ich eigentlich noch einmal beschleunigen, hatte meinen Plan allerdings dahingehend modifiziert, dass ich versuchen wollte, ohne Krampf, Hitzekollaps und Magenprobleme gemütlich zu Ende zu laufen. Das Lauftempo schwankte so zwischen 5:40 und 5:50 min je km. Jaap, mein Radbegleiter kümmerte sich rührig um mich, vor jeder Verpflegungstelle fragte er nach, was mein Wunsch sei, um vorauszueilen und es den Betreuern mitzuteilen. Wenn ich ankam, wurden mir dann direkt die Speisen und Getränke gereicht. Ich fand das total klasse, wobei ich den Kampf um Sekunden längst aufgegeben hatte. Jaap war Meeresbiologe und Professor, konnte sehr gut deutsch und kannte so ziemlich jeden auf der Insel, begrüßte hier jemanden, quatsche da kurz, meist blieb er aber neben mir und bot mir eine vorzügliche Unterhaltung. Nur einmal war er etwas länger weg. Als er wiederkam war er recht frustriert: "Sie hat es nicht geglaubt", waren seine Worte nach offensichtlich vergeblichen Bemühungen einer Passantin zu erklären, dass es einige wenige Läufer gibt, die die Runde gleich zweimal drehen.

Wurde die Restlänge der Laufstrecke auf großen Schildern alle 5 km angezeigt, so waren die letzten fünf Kilometer einzeln markiert. Als nur noch zwei zu laufen waren, ging es den "hohen Berg" von Texel hoch, die mit 15 Metern höchste Erhebung der Insel, danach kurz runter, um 1 km vor dem Ziel noch einmal einen kleinen Anstieg vornehmen zu müssen, diesmal sogar mit Gegenwind! "Jaap, ich verzichte heute auf den Endspurt" , sagte ich gequält, kurz bevor ich nach 11:22 h ins Ziel lief.

Laut meiner GPS-Uhr waren die letzten Kilometer nicht nur gefühlt viel zu lang, der Rückweg wurde gar mit fast 62 Kilometern gemessen. Ich war ziemlich geschafft im Ziel, wo mich meine Familie freudig begrüßte. Nach einer längeren Verweildauer am Verpflegungszelt, in dem es auch den köstlichen Honigkuchen und eine leckere Tomatensuppe gab, freute ich mich auf die Dusche und die Möglichkeit, mich endlich hinsetzen zu können.

Nach der Dusche erwischte mich eine Schrecksekunde: Meine Hose und Pullover, die ich am Start meinem ersten Radbegleiter gegeben hatte, hatte er wohl nicht meinem Begleiter der zweiten Runde übergeben. Unterwäsche oder wieder in die gibbeligen Laufklamotten? Was für Alternativen! Zum Glück lagen meine Sachen gefaltet und mit Namen und Startnummer beschriftet an der Startbeutelrückgabe bereit und der gemütliche Teil des Abends konnte beginnen. Zu feiern gab es reichlich, denn die vier anderen Starter aus Troisdorf konnten mit großem Erfolg ihren 60 Kilometer-Wettkampf beenden, dabei belegte Gabi Grohmann mit einer hervorragenden Zeit von 5:42:35 den dritten Gesamtplatz der Frauen. Ich selbst belegte unter den 18 männlichen Finishern den 7. Platz, einen Platz vor Gerald Baudek, der 4 Minuten nach mir das Ziel erreichte.

Im Gegensatz zur letzten Durchführung vor zwei Jahren waren die äußeren Bedingungen nahezu ideal. Als bekennender Schönwetterläufer hat es mir riesigen Spaß gemacht, dieser Veranstaltung beizuwohnen, auch wenn die zweite Runde unglaublich anstrengend und gefühlte 5 km länger als die Hinrunde war. Insbesondere für die "Eliteläufer" war der Service sowohl im Vorfeld als auch während der Veranstaltung durch die persönliche Betreuung perfekt.

Es war für die ganze Familie ein schönes Osterwochenende, an das wir uns gerne zurückerinnern.

 

 
 
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