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Florian Reus' Bericht von Palermo Imprimir Correo electrónico
Escrito por Gabi Gründling   
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Die Vorgeschichte:

Berlin, 12.7.2009 – der dritte 24-Stundenlauf in Folge, der „in die Hose“ ging. Innerlich habe ich mit dieser Disziplin abgeschlossen (zumindest für die nächsten ein bis zwei Jahre); möchte in Zukunft lieber öfters an Laufveranstaltungen in den Bergen teilnehmen.

Würzburg, Anfang August – nach einem „spontanen“ Tempolauf reift in mir die Idee, am 6. September am „Fränkische Schweiz Marathon“ mit dem Ziel, die Drei-Stunden-Marke zu knacken, teilzunehmen. In den wenigen Wochen, die mir bis zum Start dieses Marathons verblieben, machte das Laufen plötzlich wieder Spaß, wie selten zuvor. Fast nach jedem gelungenen Trainingslauf kam nun der Gedanke, es vielleicht doch noch mal mit einem „24er“ in diesem Jahr zu versuchen. Auf der anderen Seite war klar, dass ich im Oktober nur wenig Zeit für eine umfangreiche Vorbereitung haben werde. Da es Ende des Jahres nur wenig Auswahl an 24h-Läufen gibt wusste ich, dass es, wenn überhaupt, Palermo sein sollte. Nach dem gelungenen Marathon und auch einer persönlichen 10km-Bestzeit sieben Tage später, war der Ehrgeiz nun endgültig geweckt –Palermo ich komme!


Der Lauf

Pünktlich um 12:00 machten sich 49 StarterInnen auf den Weg, möglichst viele Kilometer zu laufen. Im Voraus habe ich mir ausgerechnet pro Runde 2,5 Minuten zu brauchen. Auf der 423m langen Runde habe ich so jede Runde mit der Uhr gestoppt, um ein möglichst gleichmäßiges Tempo zu laufen und vor allem um nicht in der Euphorie zu schnell loszulaufen.
Eine kleine Schrecksekunde habe ich nach etwa drei Stunden erlebt, als ich über den Teppich der elektronischen Rundenerfassung stolperte und relativ hart auf dem Boden landete. Glücklicherweise ist mir aber nichts passiert – zu späterer Stunde wäre dieser Sturz für die Muskulatur wohl weniger angenehm gewesen.
Nach sechs Stunden hatte ich 61 Kilometer, nach zwölf Stunden 122 Kilometer zu Buche stehen; sprich, es lief alles nach Plan. Bei meinen letzten 24-Stundenläufen, die nicht so gut verliefen, hatte ich immer zwischen Stunde 12 und Stunde 18 Probleme verschiedenster Art bekommen. So war es mir diesmal fast schon etwas bange vor dieser Zeit. Doch mit jeder Stunde die verging wuchs die Zuversicht, dass es heute endlich mal wieder klappen wird, 230 oder mehr Kilometer zu erreichen. Nach 16 gelaufenen Stunden musste ich mein Tempo etwas drosseln, so dass ich ab diesen Zeitpunkt meine Stoppuhr ausschaltete, um nicht in ein „mentales Loch“ zu fallen. Mein Ziel war es nun, einfach möglichst durchgehend zu laufen. Um sieben Uhr wurde es nach 14 Stunden ohne Tageslicht endlich hell. Doch wie so oft - man freut sich die ganze Nacht auf das Morgenlicht, um dann festzustellen, dass es dadurch auch nicht einfacher wird. Die folgenden drei Stunden waren für mich die schwersten in diesem Wettkampf. In dieser Phase haben mir die vielen aufmunternden Worte der anderen Läufer und der Betreuer wirklich enorm geholfen. Jetzt war das Ziel, die 230 Kilometer-Marke zu „knacken“, dann aber wirklich zum Greifen nah. Als ich eine halbe Stunde vor Ende des Laufs erfahren habe, dass ich bereits 229,5 Kilometer erreicht habe war die Freude natürlich grenzenlos. Plötzlich waren all die Anstrengungen vergessen und ich konnte noch mal mein Tempo steigern. Jeder Kilometer mehr war jetzt einfach noch ein „Sahnehäubchen“ mehr auf ein gelungenes Wochenende.
Am Ende konnte ich mit erzielten 235,7 Kilometern sogar meine persönliche Bestleistung um 2,5 Kilometer verbessern. Als Ergebnis sprang hinter dem Vizeweltmeister Ralf Weis der 2. Platz im Wettkampf und der 4. Platz in der Deutschen Jahresbestenliste heraus.
Nach dem Lauf hatte ich wie immer nach einem guten „24er“ recht heftige Kreislaufprobleme bekommen. Seltsam war auch, dass ich nach einer Stunde in der horizontalen Lage plötzlich mein linkes Bein nicht mehr durchstrecken konnte. Nach zwei Tagen verging aber auch das und ich bin wieder bei bester Gesundheit.

 


Nachbetrachtung:

Die Laufveranstaltung hat mir (nicht nur wegen dem erfolgreichen Ergebnis) sehr gut gefallen. Im Vorfeld des Wettkampfs war ich mir nicht sicher, ob ich mental mit einem 24h-Lauf auf einer Leichtathletikbahn klar kommen werde. Im Nachhinein gesehen möchte ich behaupten, dass es für mich mental sogar einfacher ist. Auf einer größeren Runde zieht sich, wenn man schon angeschlagen ist, der Weg zum Start / Zielgelände immer so dermaßen hin. Bei einem Bahnlauf hört man immer die Musik, ist immer nah an der Futterstelle und hat praktisch durchgehend die gute Stimmung der Betreuer um sich. Für mich persönlich ist für ein gutes Ergebnis die Stimmung sowieso sehr entscheidend. In Palermo hatte ich mich so ein klein wenig an den 100 Kilometerlauf in Galway im März dieses Jahres zurückerinnert gefühlt. Ähnlich wie damals in Irland hat man unter uns deutschen Läufern einen großen Zusammenhalt verspüren können. Eine ganz große Hilfe war vor allem die Betreuung von Elke Dörnfeld und Martin Büchter aus Troisdorf. Vielen Dank euch beiden, ich bin mir nicht sicher, ob ich nur aus eigener Kraft dieses Ergebnis hätte erzielen können!!!


 

Florian Reus im Dezember 2009

 

Fotos von "Orca" Martin Büchter 

 
 
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