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Kienbaum 2008 – Auf der Suche nach der verlorenen Zeit Imprimir Correo electrónico
Escrito por fortinbras   
Lunes 07 de Abril de 2008 17:05
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Keine Angst, es folgt kein Aufsatz über französische  Literatur des 20. Jahrhunderts. Auch ist mir nicht bekannt, dass Marcel Proust sich jemals in Berlin oder gar in Kienbaum aufgehalten hätte.

Nach den 22. Deutschen Meisterschaften im 100 km Lauf, die am 5. April auf dem Gelände des Bundesleistungszentrums vor den Toren Berlins stattfanden, bleibt aber die Suche nach der verlorenen Zeit bestehen. Doch zunächst zum Rennen selbst.

Als ich am Samstag morgen den Raureif von den Scheiben meines Autos kratzen musste, stieg in mir noch eine gewisse Skepsis über die Witterungsbedingungen an diesem Tage auf. In Kienbaum angekommen, lag die Temperatur zum Start dann knapp über 0° C und es war fast windstill. Im Verlauf des Vormittags kam dann ein leichter Wind auf, es blieb aber trocken und ab und zu zeigte sich sogar die Sonne.

Nach dem Startschuss bildete sich rasch eine größere Spitzengruppe, die ich dann nach fünf Kilometern aus den Augen verlor. Später zerfiel diese Gruppe und Helmut Dehaut, VT Zweibrücken, übernahm die Führung, die er erst bei Kilometer 85 an den Seriensieger Michael Sommer vom EK Schwaikheim abgeben musste. Der Ausnahmeathlet lief wieder ein ganz gleichmäßiges Rennen und siegte souverän in 6:56:17 h. Ganz stark lief auch Thomas König, SuL Lößnitz, der ebenfalls von seiner klugen Renneinteilung profitierte, und in 7:02:46 h Zweiter wurde. Auf dem dritten Rang folgte dann schließlich Dehaut, der am Ende schwer kämpfen musste und dennoch mit 7:10:32 h eine neue persönliche Bestzeit aufstellte, wobei allen Zeiten in diesem Bereich der Makel einer Ungenauigkeit anhaftet, doch dazu später mehr. Hier die ersten acht Männer im Überblick:

1. Sommer, Michael 1964 Eichenkreuz Schwaikheim 6:56:17
2. König, Thomas 1965 SuL Lößnitz 7:02:46
3. Dehaut, Helmut 1961 VT Zweibrücken 7:10:32
4. Hooß, Jörg 1964 LTF Marpingen 7:15:05
5. Koch, Rainer Wilfried 1980 Laufgemeinschaft Würzburg 7:18:58
6. Hinze, Stefan 1963 SSC Hanau-Rodenbach 7:27:10
7. Kersten, Sven 1968 LTC Berlin 7:28:53
8. Dippacher, Matthias 1977 TV Jahn Kempten 7:29:23

Michael SommerThomas KönigHelmut Dehaut


Bei den Frauen verlief der Wettkampf spannend wie selten. Nach dem Startverzicht der amtierenden Deutschen Meisterin Birgit Schönherr-Hölscher, waren der Verlauf völlig offen. Favoriten auf den Titel waren Marion Braun und Antje Schuhai, aber viele sahen nach sehr guten Vorergebnissen Dorothea Frey als Geheimtip, die bislang noch keinen 100 km Lauf bestritten hatte.

Glücklicherweise gibt es im Sport immer wieder Überraschungen und in Kienbaum stürmte eine 23jährige junge Frau nach vorne, die niemand auf der Rechnung hatte. Als Branka Hajek von der LAZ Salamander Kornwestheim-LB die Spitze im Frauenrennen übernahm, zweifelten sicherlich nicht Wenige an ihrem Durchhaltevermögen. Doch, was diese Newcomerin in Kienbaum leistete, war wirklich große Klasse. Auf Anhieb schaffte sie eine Zeit von 8:10:38 h und holte sich den Deutschen Meistertitel.

Zweite wurde dann Dorothea Frey vom EK Schwaikheim in 8:16:36 h, ebenfalls ein sehr gute Leistung, auf der sich aufbauen lässt. Die Bronzemedaille sicherte sich mit einer enormen Leistungssteigerung Barbara Mallmann von der LG Ahlen in 8:27:18 h, was auf eine sehr gute Vorbereitung für diesen Lauf schließen lässt.

Hier die ersten acht Frauen:

1. Hajek, Branka 1984 LAZ Salamander Kornwestheim-LB 8:10:38
2. Frey, Dorothea 1973 Eichenkreuz Schwaikheim 8:16:36
3. Mallmann, Barbara 1971 LG Ahlen 8:27:18
4. Schuhaj, Antje 1968 TV Jahn Kempten 8:28:58
5. Braun, Marion 1957 SV Germania Eicherscheid 8:33:27
6. Steeger, Ulrike 1961 LG Bonn/Troisdorf/Niederkassel 8:40:28
7. Hildebrand, Carmen 1969 SSC Hanau-Rodenbach 8:41:44
8. Belau, Monika 1954 Harburger Sport-Club 8:42:18

Branka HajekDorothea FreyBarbara Mallmann
In der Altersklasse W 65 erreichten mit Marianne Dahl, TS Großburgwedel, und Sigrid Eichner vom 100 Marathon Club Deutschland zwei Teilnehmerinnen das Ziel.
Bei den Männern in der Alterklasse M70 war Franz Feller wieder erfolgreich, der als einziger Teilnehmer bei allen 22 Deutschen Meisterschaften teilgenommen hat und das Ziel erreichte.

Leider gab es später bei vielen vorn platzierten Läufern lange Gesichter. Die in den vorläufigen Ergebnislisten niedergeschriebenen Zeiten stimmten überhaupt nicht mit den selbstgestoppten und den von den Handzählern im Rundenprotokoll erfassten Zeiten überein. Bis zu einer Minute waren die schriftlich fixierten Zeiten langsamer. Jörg Hooß, Vizemeister des vergangenen Jahres, machte die  EDV-Abteilung frühzeitig darauf aufmerksam.
Dennoch wurde das Problem zunächst ignoriert und erst ab einer Laufzeit von 8:28 h abgestellt. Nach Beendigung der Veranstaltung wurden allen Läuferinnen und  Läufern, die unter 8:28 h geblieben waren, 35 Sekunden „gut geschrieben“, eine rein willkürlich festgelegte Zeitspanne. So sind die offiziellen Endzeiten nun immer noch langsamer als die tatsächlich erzielten.

Eine derartige Konfusion hatte es zuletzt 1992 bei den Deutschen Meisterschaften in Rheine gegeben, wo allerdings eine Stoppuhr zu spät angestellt worden war und so eine bessere Endzeit für die Läuferinnen und Läufer herauskam.

Besondere Bedeutung bekam die 35-Sekunden-Regelung bei der Mannschaftswertung. Weil nun nach den offiziellen Endzeiten Platz drei und vier den Besitzer wechselten, entschied sich der DLV trotz vorhandener Zeitdifferenz zur Vergabe von zwei Bronzemedaillen.

Die Mannschaftswertungen:

Männer

1. TV Jahn Kempten  23:54:03 - Dippacher, Matthias 7:29:23 - Miksch, Dr. Thomas  7:45:42 - Blumrich, Gerald  8:38:58
2. SG Neukirchen-Hülchrath  25:00:03 - Weis, Ralf  7:55:33 - Weigelt, Dr. Stefan  8:22:39 - Mirz, Thomas  8:41:51
3. LTF Marpingen  25:20:42  -
Hooß, Jörg  7:15:05 - Helferich, Gernot  8:06:02 - Wagner, Peter  9:59:35
3. Eichenkreuz Schwaikheim  25:21:06 - Sommer, Michael  6:56:17 - Höschele, Jochen  8:38:59 - Härle, Armin  9:45:50
5. TSV Kusterdingen  25:33:08 - Steißlinger, Ralf  7:54:20 - Baier, Andreas  8:20:23 - Hüttner, Steffen  9:18:25 
6. SSC Hanau-Rodenbach  26:08:12 - Hinze, Stefan  7:27:10 - Dudacy, Gerald  8:29:27 - Häusler, Franz  10:11:35
7. LG Nord Berlin  27:54:22 - Rymarcewicz, Axel  8:59:12 - Düring, Volker  9:20:23 - Stutzke, Jörg  9:34:47
8. TV Jahn Kempten 2 28:51:52 - Grotz, Norbert  9:04:29 - Guranti, Ulrich 9:52:58 - Marschall, Christoph  9:54:25

Frauen:

1. TV Jahn Kempten 27:57:04 - Schuhaj, Antje  8:28:58 - Guranti, Barbara 9:34:45 - Philipp, Simone 9:53:21

Insgesamt wurde diese Suche nach der verlorenen Zeit jedoch ziemlich gelassen aufgenommen. Es überwog doch eindeutig der positive Gesamteindruck der Veranstaltung, der natürlich maßgeblich durch Michael Sommer als den herausragenden Athleten und durch die junge Branka Hajek geprägt wurde.

Ein weiterer Bericht aus DUV-Sicht folgt.

Dr. Stefan Hinze, DUV Präsident 04/2008

Fotos von Gero "Slowy" Mensel


 

 

 

 

 

 

 
 
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