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Die Idee, auf (Fern)Wanderwegen zu laufen, ist schon etwas älter. Viele von uns tun das hin und wieder oder gar regelmäßig. Im Training. Alleine oder in kleinen Gruppen von Bekannten und Freunden. Manchmal wird sowas auch organisiert. Und eins dieser “Manchmals” war am Sonntag, 19. Oktober 2008.
Achim Linder, Laufladenbesitzer aus Kisslegg, dem baden-württembergischen Teil des Allgäus, organisiert übers Jahr viele Läufe, aber nur ab und an sind mal wirklich längere Strecken dabei. So 2006, als er den 62 km langen Zeppelinlauf von Kisslegg nach Friedrichshafen ins Leben rief. Oder eben jetzt, 2 ½ Jahre später, mit dem Jubiläumsweglauf. Weil der Jubiläumsweg 2008 zehn Jahre alt wurde, der Bodenseekreis feierte gar seinen 35. Jahrestag.
Der Jubiläumsweg ist ein Wanderweg, der auf 116 km Länge den Bodenseekreis umschließt. Er beginnt in Kressbronn und endet in Überlingen. Die kürzesten Verbindung zwischen den beiden Orten gibt der Routenplaner mit 44 km an. Der Untertitel des offiziellen Jubiläumslaufführers lautet “Der Bodenseekreis in 6 Etappen”. Und genau diese sechs Etappen machte sich Achim Linder für seinen Lauf zunutze. Er legte das Ziel in die Mitte, nach Markdorf. Und bot zwei Starts an, nämlich einen von Kressbronn aus und einen in Überlingen. Beide Strecken maßen 57 km (wo die zwei verbleibenden Kilometer “verloren gegangen sind”, entzieht sich meiner Kenntnis). Von Kressbronner Seite hatte man 550 Höhenmeter zu überwinden, von Überlinger Seite aus 1.200. Jede Seite war in je drei Teiletappen eingeteilt, die wiederum denen der offiziellen Wanderwegetappen entsprachen. Jeder Läufer konnte sich aussuchen, ob er eins, zwei oder drei Teilstücke laufen wollte.
Da der Lauf nicht als Wettkampf ausgeschrieben wurde, es keine Zeitnahme und auch keine Ergebnisliste gab, hatte man für die “Zwischenstartorte” sogar Startkorridore festgelegt, während den man den Lauf beginnen konnte. Denn diejenigen, die die ganze Strecke zurücklegen wollten, kamen ja nicht auf einmal in den Etappenorten an. Laut Ausschreibung gab es in der Mitte jeder Teiletappe eine Verpflegungsstelle, installiert von den örtlichen Lauftreffs. Tatsächlich waren aber sogar fast auf jedem Teilstück zwei Posten mit Getränken, Riegeln, Rosinenbrot, Obst, selbstgebackenem Kuchen etc. pp. vorhanden. Da wurde so manches eingeplane Päuschen zur etwas ausgedehnteren Pause. Es ging ja um nix als ums reine Vergnügen.
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| Pause.. mal sitzend.. |
.. mal in der Sonne stehend. |
Für magere 18 € Startgeld bekam man noch ein Funktionsshirt obendrauf – und das Startgeld wurde sogar komplett gespendet, die Kosten für den Lauf an sich trug Achim Linder zusammen mit seinen Sponsoren.
Für zusätzliche 5 € konnte man noch den Bustransfer nutzen, der zwischen allen Etappenorten und dann vor allem abends auch zu diesen (und damit zum Auto) zurück verkehrte. Der Bus transportierte auch die Gepäckstücke derer, die sich gerade auf der Strecke befanden.
Mein Mann wäre kein Pfälzer Bergläufer, wenn er sich nicht für die Überlinger Seite des Laufs entschieden hätte. Daher sind die Fotos auch nur auf dieser Strecke entstanden und meine Beschreibungen können sich auch nur auf diese Seite beziehen. Wen die Seite Kressbronn-Markdorf interessiert, der kann Klaus “Keule” Neumann befragen, der jedes Wochenende bei mindestens einem Marathon oder mehr anzutreffen ist. Nicht nur, daß er eh Marathons sammelt, er trainiert auch noch für den Transeuropalauf 2009.
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| Klaus Neumann in Markdorf |
Sarah Hreczkun & Tom Wolter-Roessler nach 12 km |
Auf den bereitet sich auch Tom Wolter-Roessler vor, der zusammen mit seiner Freundin Sarah Hreczkun von Überlingen nach Markdorf laufen wollte. Die beiden gaben das Unterfangen in Owingen bei km 17 auf, weil Tom eine Erkältung ausbrütete. Carmen Hildebrand, die es beruflich in die Schweiz verschlagen hat, lief ebenfalls von Überlingen aus 57 km – erst zusammen mit Peter, dann alleine und am Ende noch knapp 10 km mit mir. So hatten wir mal wieder Zeit, ausführlich zu plaudern. Und da reisen (hier: laufend reisen) bildet, habe ich auch noch von Carmen gelernt, dass die possierlichen Tiere, die zwischen Heiligenberg und Markdorf unvermittelt auf einer Wiese auftauchten, nicht etwa einfache Lamas sonder vielmehr Alpakas waren.
Die Strecke war mit oranger Forstkreide gut markiert, ein Mountainbiker brachte unterwegs noch Zusatzmarkierungen an. Er hatte teilweise seine liebe Mühe und Not, mit den Läufern mitzukommmen. Es gab sogar Passagen, auf denen er sein Rad schieben oder, an Treppenstücken, gar tragen mußte. Die Spitze erreichte er erst am Ende, als die Strecke überwiegend asphaltiert oder zumindest gut ausgebaut war. Ansonsten war der Belag sehr gemischt, Waldwege, Feldwege, Trailstücke und gar einfach zu überquerende Wiesen bildeten den Untergrund, der das Herz jedes Landschaftsläufers höher schlagen läßt.
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| Alpakas |
Nesselwangen |
Entgegen des Zeppelinlaufs 2006, bei dem es fast pausenlos regnete, stand dieser Lauf unter dem besonderen Schutz von Petrus. Er schickte Kaiserwetter (nicht nur) ins Allgäu. Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein, sehr angenehme Temperaturen - Läuferherz, was willst Du mehr? Ok.. vielleicht noch den “versprochenen” Fernblick genießen. Aber eine Kröte muß man halt immer mal schlucken und diese hieß “Dunst”. Von oben war der Bodensee kaum zu sehen, geschweige denn die Bergketten auf der anderen Seite.
Start und Ziel lagen auf 400 m üNN, der höchste Punkt der Überlinger Seite war bei km 37 und lag bei etwas über 800 m. Der tiefste Punkt war bei km 23,7 erreicht: 396 m üNN. Man kann sich also sicher vorstellen, daß das Profil, will man auf 1.200 Höhenmeter kommen, sehr wellig war.

“Die Überlinger” wurden morgens um 9 h auf die Strecke geschickt, “die Kressbronner” erst um 9.30 h. Ende war für alle um 17 h. Als Ziel hatte Achim Linder das Bildungszentrum in Markdorf auserkoren, wo es eine große Sporthalle mit heißen Duschen für alle gab. Bei Regen hätten die Läufer dort auch alle locker Unterschlupf gefunden. So saßen lieber alle draußen in der wärmenden Herbstsonne und fröhnten der zweiten Trainingseinheit, dem Essen & Trinken.
Wie viele Läufer nun eigentlich tatsächlich Ultra gelaufen sind, kann man aufgrund der fehlenden Ergebnisliste nicht feststellen. Es waren aber einige und manche von ihnen waren zum ersten Mal überhaupt länger als Marathon unterwegs. Auch für ein Ultradebut eignet sich ein solcher Lauf ohne Streß und Zeitdruck hervorragend.
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| Anlauf auf Markdorf |
St. Maria am Stein lag auch an der Strecke |
(Gabi Gründling 10/2008)
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