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Julia Fatton war am vergangenen Wochenende mal wieder trailig unterwegs, hier ist ihr Bericht vom Trail Verbier - St. Bernard, der über 110 km 6.900 Höhenmeter addierte:
Läuferlüge Komfortbereich
Chris hatte schon vor langer Zeit angekündigt, dass er 3 Wochen nach seinem ersten 6-Tage-Lauf den Trail Verbier - St. Bernard laufen will. Lass ihn nur reden dachte ich mir, das wird er sich bald noch anders überlegen. Weit gefehlt - er tat es wirklich.
Dieser Mann ist mein Sargnagel! Natürlich bin ich freiwillig gelaufen, aber ohne ihn wäre ich niemals auf die Idee gekommen, nachdem mich die Frühjahrssaison schon einige Körner gekostet hat.
Start war samstags um 05:00 Uhr in Verbier. Es war erstaunlich mild auf 1.500 Metern Höhe. Alles sah nach einem reinen Hitzelauf aus. Im Startblock dachte ich mir noch: "Das soll ein Genusslauf werden, heute will nich nicht leiden, ich laufe mit angezogener Handbremse, immer schön im Komfortbereich, bis zum Ende". Naja, man darf ja mal träumen........
Ohne Vorspiel ging es gleich den Berg hinauf. Beim Aufstieg zum Croix de Coeur gab es als Belohnung für das frühe Aufstehen einen tollen Sonnenaufgang. Das Panorama war genial: schneebedeckte Berge, saftige Wiesen, blauer Himmel - Heidi liess grüssen.
Bald schon brannte uns die Sonne so richtig aufs Fell. Bis La Fouly (km 50) war ich quietschvergnügt und erfreute mich an der Landschaft und der Ferienstimmung. Beim Aufstieg zum Col Fenêtre braute sich jedoch ein Unwetter zusammen das uns lehren sollte, dass die mitzutragende, obligatorische Kleidung nicht nur reine Schikane ist. Regen, Wind, Gewitter - volles Programm.
Recht häufig mussten wir Gebirgsbäche durchlaufen und Schneefelder überqueren - ganz sinnlos der Versuch trockenen Fusses davon zu kommen.
Nach dem Pass Grand St. Bernard folgte bald ein weiterer Aufstieg zum Col des Chevaux, aber was wirklich spektakulär war war der Abstieg. Von oben erblickte ich ein riesiges Schneefeld das mir regelrecht Angst einflösste und ich mich ernsthaft fragte, wie ich dieses lebend überwinden könnte. Dort angekommen zögerte ich jedoch keine Sekunde und tat es wie die meisten meiner Vorgänger, die schone eine Loipe, bzw. eine Bob-Bahn "präpariert" hatten. Also auf den Bobbes gesetzt (jetzt wissen wir auch warum der so heisst) und mit vollem Karacho die ca. 300 Meter bergab geflitzt. Ich hatte einen Riesenspass und fühlte mich wie André Lange & Co., nur dass ab und zu Steine durch die Schneedecke fast durchlugten bremste ein bisschen meine Freude sowie mein Tempo.
Mit Gefrierbrand am Hintern und sehr erheitert durch diese vergnügliche Passage machte ich mich wieder an die Arbeit: laufen.
Spätestens in Bourg St. Pierre endete für mich der Komfortbreich ohne dass ich jemals das Tempo verschärft hätte - im Gegenteil sogar. Mein Gott war ich naiv!
Der Aufstieg zum Col de Mille zog sich wie Kaugummi. Dann beim Abstieg nach Lourtier lief ich auf Chris auf, was ihm solche Angst einjagte, dass er direkt Vollgas gab und mir bis ins Ziel noch gute 50 Minuten abnehmen sollte. Vor 2 Wochen hat er mich noch geheiratet und jetzt ergreift er schon die Flucht vor mir. Was hab ich nur falsch gemacht??? Er fürchtete ein starkes Finish meinerseits, völlig unbegründet jedoch, ich war beim letzten Aufstieg nach La Chaux so entkräftet, dass ich fast rückwärts den Berg hinunter fiel (1.100 HM auf 5 km zu bewältigen).
Mir war übel von den vielen süssen Riegeln und Gels allein der Gedanke daran verursachte mir Würgereiz.
Spätestens beim letzten Abstieg nach Verbier musste ich Gebrauch von meiner Stirnlampe machen. Leider musste ich erkennen, dass diese fast museumsreif geworden ist. Gerade erst vor 10 Jahren war das Ding noch der letzte Schrei....ich verstand die Welt nicht mehr. Angesichts des "Flutlichts" mancher Konkurrenten bin ich regelrecht vor Neid erblasst. Wie konnte der technische Fortschritt nur dergestalt unbemerkt an mir vorüber ziehen? Etwas demoralisiert von meiner Funzel auf diesem schwierigen Abstieg musste ich mich noch mehrmals auf den Hosenboden setzen, getröstet allein von dem Gedanken, dass dieser Schrecken bald ein Ende hat.
Verbier bei Nacht - ich erreiche das Ziel und werde mit einem quietschrosa Finisher T-Shirt und einem Teller Spaghetti belohnt.
Ich bereue nichts - sehr schön war das! (Danke Chris)
Julia Fatton, 07.07.2010
Ergänzend ist noch hinzuzufügen, dass Uli Calmbach den Lauf als Sieger beendete, Julia 2. Frau und 19. gesamt wurde und Chris als 13. gesamt und 1. seiner Altersklasse wurde. Alle Ergebnisse findet Ihr dann demnächst in unserer Statistikdatenbank.
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