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Der herzbedingte Zwischenfall im Sport Print E-mail
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EKG. Bild: Michael-Buehrke/pixelio.deEine gute Übersicht mit der Zusammenfassung neuerer Untersuchungsergebnisse zum Thema „plötzlicher Herztod“ bei Sportlern ist Anfang Juni 2006 im Deutschen Ärtzeblatt erschienen. Der Begriff „plötzlicher Herztod“ beschreibt einen unerwarteten - durch eine Herz-Kreislauf bedingte Störung - Bewußtseinsverlust mit dem Eintritt des Todes innerhalb einer Stunde. Regelmäßig erscheinen Berichte von plötzlich verstorbenen Läufern oder anderen Sportlern, dabei konnte eine in den USA veröffentlichte Studie aus dem Jahre 2005 mittlerweile belegen, dass bei Marathonläufern ein plötzlicher Herztod während des Laufes seltener eintritt als in der nicht sport treibenden Bevölkerung. Der plötzliche Herztod in der Allgemeinbevölkerung kommt bei circa ein bis zwei Todesfällen pro 1000 Einwohnern pro Jahr vor.

Plötzliche Todesfälle im Sport, vor allem bei scheinbar gesunden jüngeren Sportlern, beruhen fast immer auf einer organischen kardialen Grundkrankheit, sind also nicht Ursache des Sportes. Im Alter von über 35 Jahren steht die Herzkranzgefäßerkrankung (Verkalkung der Herzkranzgefäße) für einen herzbedingten Zwischenfall im Vordergrund.

Folgende Faktoren begünstigen das Auftreten eines plötzlichen Todes beim Sport:
  • vorbestehende Grundkrankheit des Herzens, insbesondere Anomalien des Herzens
  • Alter über 40 Jahre; ein Gipfel liegt zwischen 40 und 50 Jahren
  • Neubeginn einer sportlichen Aktivität, besonders nach längerer Pause, mit plötzlichem und sehr intensivem Beginn.

Bei jüngeren Sportlern sind folgende Erkrankungen ursächlich:

  • Veränderungen des Herzmuskels z.B. durch eine genetisch bedingte Verdickung (Hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie – HOCM)
  • Anfallsartig auftretende Herzrhythmusstörungen (z. B. so genannte Präexzitationssyndrom wie das WPW-Syndrom)
  • Durch äußere Einflusse bedingte Herzrhythmusstörungen (z.B. durch bestimmte Antibiotika oder Allergiemittel, Drogen, Hitze, Kälte und Luftverschmutzung)
  • Herzmuskelentzündungen, die jedoch wesentlich seltener sind als bislang angenommen (durch Viren oder - noch seltener durch Borrelien)
  • Stumpfe Brustverletzungen (beim Laufen allerdings nicht anzutreffen)

Diagnostik:

Ein Kollaps oder eine Synkope bei jugendlichen Sportlern muss immer sorgfältig abgeklärt werden. Die Untersuchung von Leistungssportlern wie auch von Breiten- oder älteren Sportlern basiert auf einer Befragung, klinischem Untersuchungsbefund und einer apparativen Diagnostik. Speziell der Frage, ob in der Familie des Betroffenen unklare Bewußtseinverluste aufgetreten sind, kommt dabei eine ganz besondere Bedeutung zu.

Warnsymptome können sein:

  • Ungewöhnliches Herzklopfen mit Pulsunregelmäßigkeiten oder Herzrasen
  • Schwindelgefühl während des Laufens, Kollapszustände
  • Schmerzen oder Engegefühl in der Brust oder Schulter
  • Brennen hinter dem Brustbein bis zum Hals, auch Druck im Halsbereich
  • Druck, Völlegefühl oder Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Unwohlsein
  • Luftnot in Ruhe oder bei geringer Anstrengung

Zu den apparativen Untersuchungen zählt heute obligat ein Ruhe-EKG; ein Belastungs-EKG und eine Ultraschalluntersuchungs des Herzens sind wünschenswert.

Ruhe-EKG und Belastungs-EKG setzen gute Kenntnisse voraus, um gerade anfallsartig auftretende Herzrhythmusstörungen erkennen zu können. Trainingsbedingte Normvarianten im EKG müssen abgegrenzt werden. Das Belastungs-EKG muss leitliniengerecht erfolgen und interpretiert werden. Häufigster Fehler beim Belastungs-EKG ist die unzureichende Ausbelastung von Sporttreibenden. Bei einigen Hochleistungssportlern mit einer koronaren Herzkrankheit sind Durchblutungsstörungen des Herzmuskels erst ab 250 Watt zu beobachten. Es ist zu beachten, dass ein normales Belastungs-EKG keine hundertprozentige Sicherheit zum Ausschluss einer koronaren Herzkrankheit gibt.

Eine Herzultraschalluntersuchung ist bei entsprechendem Verdacht, wie etwa bei HOCM oder Herzklappenfehlern, durchzuführen. Nicht jeder Kardiologe ist mit sportbedingten Herzveränderungen vertraut und nicht jeder Sportarzt mit den spezifischen kardialen Fragestellungen. Die Zusammenarbeit zwischen „kardiologisch versiertem Sportarzt“, oder „sportmedizinisch geschulten Kardiologen“ ist daher bei speziellen Fragestellungen erforderlich.

Quellen:

Löllgen, Herbert; Gerke, Roger; Steinberg, Thomas:
Der kardiale Zwischenfall im Sport
Dtsch Arztebl 2006; 103(23): A 1617–22.

Dieter Kleinmann; LaufnebenwirkungenLaufnebenwirkungen
Vom Ermüdungsbruch zum plötzlichen Herztod:
Was können Sie dagegen tun?

Deutscher Ärzte-Verlag Köln 2009
2. überarbeitete Auflage
ISBN 978-3-7691-0592-6
16, 5 x 23,8 cm, broschiert
XII+372 Seiten, mit 99 Abbildungen in 130 Einzeldarstellungen
und 56 Tabellen
D € 39,95 / A € 41,10Kleinmann: Laufnebenwirkungen. Deutscher Ärzte-Verlag, Köln.

 
 
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