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 Im Deutschen Ärzteblatt erschien kürzlich folgender Artikel: Joggingschuhe belasten die Knie- und Hüftgelenke Seattle – Jogger tragen meist spezielle Laufschuhe, um den Fuß zu stabilisieren. Ihren Knie- und Hüftgelenken tun sie damit allerdings keinen Gefallen, wie US-Forscher jetzt herausgefunden haben.
Die Forscher baten daher 68 Männer und Frauen im Alter von 20 bis 50 zum Test. Alle waren erfahrene Läufer, die pro Woche mindestens 24 Kilometer absolvierten. Auf Anweisung der Wissenschaftler liefen sie nun, nach einer kurzen Aufwärmphase, in ihrem gewohnten Tempo auf einem Laufband.
Im ersten Durchgang trugen sie dabei gängige moderne Joggingschuhe, während sie im zweiten Durchgang barfuß liefen. Die Analysen der Forscher ergaben, dass die Hüft- und Kniegelenke der Probanden beim Laufen mit den speziellen Schuhen deutlich stärker belastet wurden als beim Barfußlaufen. Dafür verantwortlich sind ihrer Ansicht nach vor allem der erhöhte Fersenbereich und die zusätzlichen Verstärkungen der Sohle im Mittelfußbereich. Bemerkenswerterweise seien die ermittelten Belastungswerte sogar höher als jene, die in früheren Studien für das Laufen mit Stöckelschuhen ermittelt worden seien, kommentieren die Forscher ihre Ergebnisse. Ihre Vermutung: Durch die Stabilisierung des Fußes wird der Bewegungsablauf im Gegensatz zum Barfußlaufen derart verändert, dass andere Gelenke dadurch deutlich mehr belastet werden. Die Entwickler von Joggingschuhen sollten sich daher künftig mehr am Barfußlaufen orientieren, fordern Geoffrey Keenan von der University of Virginia in Charlottesville und seine Kollegen.
Kommentar: Müssen wir in Zukunft barfuß laufen, um Gelenkschädigungen durch Laufschuhe zu entgehen? In der Originalarbeit weisen die Autoren auf die Einschränkungen ihrer Untersuchungen hin: „Die Ergebnisse am Knie legen einen relativ größeren Druck an anatomischen Stellen nahe, die normalerweise für eine Osteoarthritis (Arthrose) anfällig sind, nämlich die mittleren und patellofemoralen Kompartimente. Es ist wichtig, auf die Einschränkungen dieser Ergebnisse und der gegenwärtig gebräuchlichen 3-dimensionalen Lauf-Analysen im Allgemeinen hinzuweisen, denn es werden allein resultierenden gemeinsame Drehmomente bewertet. Es ist unbekannt, in wie weit die beobachteten Zunahmen der Gelenkbelastungen durch die realen Einwirkkräfte der Dämpfung, die ein Schuh durch seine potenziell wertvolle Designeigenschaft zur Verfügung stellen könnte, ausglichen werden können.“ Im Klartext heißt das: Man hat zwar höhere Druckbelastungen an ganz bestimmten Regionen von Gelenken gemessen, aber dennoch kann sich die Dämpfung eines Laufschuhes insgesamt positiv auswirken – gerade auch für das Fußgewölbe. Ein weiterer Punkt bleibt unberücksichtigt. Kein einziger der Probanden hatte Kniegelenkbeschwerden. Ob eine höhere Druckbelastung tatsächlich zu einem vermehrten Auftreten einer Arthose führen kann, ist auch nicht bewiesen. Bei den Versuchspersonen handelte sich um „Freizeitläuferinnen und -läufer“, die mindestens 15 Meilen pro Woche liefen. Bei den Tests liefen sie mit einer Geschwindigkeit von 11-12 km/h.
American Academy of Physical Medicine and Rehabilitation The journal of injury, function and rehabilitation Volume 1, Issue 12, Pages 1058-1063 (December 2009) The Effect of Running Shoes on Lower Extremity Joint Torques D. Casey Kerrigan, MDa, Jason R. Franz, MSb, Geoffrey S. Keenan, MDc, Jay Dicharry, MPTd, Ugo Della Croce, PhDe, Robert P. Wilder, MDf
Foto: klicker/pixelio.de |