facebook icon   twitter icon     

Es ist wieder Spartathlon-Zeit!

von Egon Theiner

Einmal im Jahr, im September, versammeln sich am Fuß der Akropolis Menschen, die sich freiwillig auf einen der brutalsten Wege der Sportgeschichte begeben. 246 Kilometer liegen vor ihnen, nonstop, ohne Schlaf, mit einem gnadenlosen Zeitlimit von 36 Stunden im Nacken. Sie laufen den Weg nach, den der Bote Pheidippides der Legende nach im Jahr 490 vor Christus zurücklegte, um die Spartaner um Hilfe im Kampf gegen die Perser zu bitten.

Seit 1983 versuchen Läuferinnen und Läufer aus aller Welt, diesen Lauf nachzuvollziehen, vorbei an Weinbergen und durch Olivenhaine, über die schroffen Hänge des Berges Parthenio, mitten in der Nacht, wenn Körper und Geist längst nach einer Ausrede suchen, um aufzuhören. Wer es schafft, wird am Fuß der Leonidas-Statue in Sparta mit einem Olivenkranz gekrönt und trinkt einen Schluck Wasser aus dem Fluss Evrotas, ein jahrzehntealtes Ritual, das jede und jeden Finisher erwartet. Nur rund die Hälfte aller Startenden erreicht dieses Ziel überhaupt.

Deutschland: Fokus auf Mascher-Aspensjö und Krah

Wer die deutsche Meldeliste für den Spartathlon 2026 liest, stößt fast zwangsläufig zuerst auf einen Namen. Norman Mascher-Aspensjö (Startnummer 3) bringt derzeit eine der bewegendsten Geschichten im deutschen Ultrasport mit. Er ist zweifacher Deutscher Meister im 24-Stunden-Lauf, 2024 mit 223,150 Kilometern, 2025 mit 243,247 Kilometern. Dazu kommt der Sieg beim Mauerweglauf in Berlin 2022 und ein neunter Platz beim Spartathlon 2024. Erst im August 2026 trat er beim Last Soul Ultra Backyard an und verdoppelte dort seine eigene Backyard-Bestleistung von 38 Runden, ehe er es in Runde 81, nach über 540 Kilometern, bleiben ließ. Mascher-Aspensjö steht dabei nicht nur als Athlet auf dieser Liste. Er hat auch die Leitung des deutschen Spartathlon-Büros bei der DUV übernommen.

Neben ihm fällt ein zweiter Name auf. Matthias Krah (Startnummer 111) st seit Juni 2026 amtierender Deutscher Meister im 24-Stunden-Lauf, wo er sich gemeinsam mit Katrin Ochs beim Burginsellauf in Delmenhorst krönte. Auch er wagt sich an diese Herausforderung des Ultrasports, nicht 24 Stunden im Kreis, sondern 246 Kilometer, na ja: geradeaus, von Athen nach Sparta, in die pure Ungewissheit einer Strecke, die sich nicht wiederholt.

Die 21 deurschen Gemeldeten beim Spartathlon 2026: Christiane Böhm (Startnummer 22), Michael Brandt (298), Claudia Bree (35), Ulf Buschmann (271), Ralf Gundermann (216), Klaus Haake (241), Marika Heinlein (140), Hans-Dieter Jancker (283), Eike Kleiner (21), Jürgen Klopfer (65), Matthias Krah (111), Jörn Künstner (84), Oliver Leu (284), Norman Mascher-Aspensjö (3), Tobias Mosebach (1), Julian Nassadil (278), Malte Sahling (64), Ralf Serby (24), Falk Sittner (274), Lore Steiner (28), Kirsten-Ralph Tolksdorf (2).

International: Der Rekordhalter kehrt zurück

International sticht ein Name mit Abstand am meisten heraus. Fotis Zisimopoulos (Startnummer 329) aus Griechenland gewann den Spartathlon viermal in Folge, von 2021 bis 2024, und stellte 2023 mit 19:55:09 Stunden einen Streckenrekord auf, der bis heute als einer der bedeutendsten Momente der Renngeschichte gilt. Er war der Erste, der die 20-Stunden-Marke unterbot, und beendete damit eine 39 Jahre alte Bestmarke von Yiannis Kouros, jener Ultralauflegende, mit der er sich nun den Rekord für die meisten Siege teilt. 2025 ließ Zisimopoulos den Spartathlon aus, um sich stattdessen auf die 24-Stunden-Weltmeisterschaft zu konzentrieren. Für 2026 steht er wieder auf der Meldeliste. Ein möglicher fünfter Sieg würde ihn endgültig an Kouros vorbeiziehen lassen, und man kann sich kaum ein stärkeres Bild vorstellen als einen Polizisten aus Athen, der zu Hause zu einer Legende wird.

Hier gehtt es zur Teilnehmerliste

Mitglied werden