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Drei statt sechs: Deutschland mit dezimiertem Team zur 100 km-WM

Von André Collet und Egon Theiner

Am 20. September wird im spanischen Ames, in der Provinz A Coruña, die 33. IAU-100-km-Weltmeisterschaft ausgetragen. Sie ist kombiniert mit der WMA-100-km-Weltmeisterschaft und wird vom Ayuntamiento de Ames gemeinsam mit der Real Federación Española de Atletismo organisiert. Deutschland ist mit einem WM-Team von nur drei Athleten vertreten, insgesamt nehmen 249 Athletinnen und Athleten aus 44 Nationen an den Titelkämpfen teil; sie werden sich auf einem flachen 5 km-Rundkurs mit einem Wendepunkt duellieren. Die Wetterbedingungen werden aller Voraussicht nach am Morgen gut sein, und im Laufe des Tages sollte es warm werden.

Das deutsche Team

Felix Weber vom SportTrend Ultralaufteam Braunschweig qualifizierte sich 2025 bei der 100-km-DM in Grünheide mit 6:41:30 Stunden. Weber ist kein Unbekannter. Er hält seit dem 27. Mai 2023 den deutschen Rekord im 24-Stunden-Lauf mit 278,312 Kilometern, aufgestellt in Braunschweig, wo er den 36 Jahre alten Rekord von Wolfgang Schwerk um über zwei Kilometer verbesserte. Zusätzlich hält er auch den deutschen 100-Meilen-Rekord mit 12:35:01 Stunden, gelaufen 2023 beim Taubertal 100. Martin Müller von Hamburg Running qualifizierte sich 2026 in Recanati mit 6:59:08 Stunden. Für ihn ist Ames erst der zweite internationale Einsatz nach seinem Debüt 2024 in Bangalore.Stephan Fruhmann von der LG Passau qualifizierte sich 2025 bei derselben 100-km-DM in Grünheide wie Weber, mit 6:54:34 Stunden. Für ihn ist Ames das internationale Debüt.

Felix Weber 100km WM 2026Martin Müller 100km WM 2026Stefan Fruhmann 100km WM 2026

v.l. Felix Weber, Martin Müller, Stefan Fruhmann

Ursprünglich sollte das deutsche Team sechs Athleten umfassen. Am Ende sind es nur drei geworden, denn gleich drei erfahrene Läufer mussten kurzfristig absagen. Max Kirschbaum plagten nach seinem 100-km-Rennen am 30. Mai 2026 in Amsterdam, das er in 6:53 Stunden beendete, Beschwerden an einer Fußsehne. Alexander Bock konnte nach einer Kollision mit einem Motorroller während des Trainings und den daraus resultierenden Beschwerden sein Training nicht fortsetzen. Johannes Arens konnte seine letzte Qualifikationsmöglichkeit am 30. Mai in Amsterdam nicht nutzen und musste das Rennen vorzeitig beenden. Das ist ein herber Verlust von drei erfahrenen Athleten, und es erklärt auch, warum sowohl Bock als auch Kirschbaum vergangenes Wochenende bei der 100-km-DM in Berlin fehlten. Somit sind die Medaillenchancen Deutschlands sowohl im Einzel wie auch im Team sehr überschaubar.

Bei den Männern: Weltmeister gegen Weltrekordhalter

Bei den Männern bahnt sich in Ames ein besonderes Duell an. Jumpei Yamaguchi aus Japan ist amtierender Weltmeister. Er gewann den Titel 2024 in Bengaluru mit 6:12:17 Stunden und steht auch in Ames wieder am Start. Sein größter Gegner dürfte aber ein anderer sein: Aleksandr Sorokin aus Litauen, der aktuelle 100-km-Weltrekordhalter. Der heute 44-Jährige stellte seinen Rekord am 14. Mai 2023 in seiner Heimatstadt Vilnius mit 6:05:35 Stunden auf, gut sieben Minuten schneller als Yamaguchis Weltmeisterzeit. Sorokin hält daneben eine ganze Reihe weiterer Welt- und Europarekorde, von der 100-Meilen-Distanz über den 12- bis zum 24-Stunden-Lauf. Ames wird zeigen, ob der Titel oder der Rekord die größere Währung ist. Ein weiterer starker Name im Männerfeld ist Elov Olsson aus Schweden, drittschnellster 100-Meilen-Läufer aller Zeiten, hinter Sorokin selbst und dem Amerikaner Zach Bitter. Nicht ausgeschlossen ist aber, dass sich vergleichsweise neue Namen in das Rampenlicht laufen.

Bei den Frauen: Die aktuelle 24-Stunden-Weltrekordhalterin

Die stärkste Frau im Feld ist Sarah Webster aus Großbritannien. Die 46-Jährige lief im Oktober 2025 in Albi einen neuen 24-Stunden-Weltrekord mit 278,622 Kilometern und verbesserte damit den bisherigen Rekord von Japans Miho Nakata um mehr als acht Kilometer. Über 100 km bringt Webster zudem die schnellste Zeit im gesamten Starterfeld mit: 7:03:40 Stunden, aufgestellt 2023 in Craigavon. Das ist die fünftschnellste Zeit der Geschichte über diese Distanz, und keine der vier schnelleren Läuferinnen aller Zeiten – Tomoe Abe (6:33:11, Weltrekord aus dem Jahr 2000), Marie-Ange Brumelot (6:56:54, nicht IAU-zertifiziert), Norimi Sakurai (7:00:27) und Ann Trason (7:00:48) – steht in Ames am Start. Miho Nakata aus Japan bleibt trotz des verlorenen 24-h-Weltrekords eine der stärksten Konkurrentinnen im Feld. Sie hält eine persönliche 100-km-Bestzeit von 7:19:12 Stunden.

Wo liegt Ames?

Ames ist eine vergleichsweise kleine Gemeinde im äußersten Nordwesten Spaniens, in der Autonomen Region Galicien, mit rund 33.300 Einwohnerinnen und Einwohnern. Sie liegt nur rund 71 Kilometer von der Provinzhauptstadt A Coruña entfernt, aber noch deutlich näher an Santiago de Compostela, dem berühmten Zielort des Jakobswegs. Die Provinz A Coruña selbst zählt gut 1,1 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner und bildet den nordwestlichen Zipfel der Iberischen Halbinsel. Sie ist geprägt von einer stark zerklüfteten Atlantikküste mit tief ins Land reichenden Buchten, den sogenannten Rías. Die Region ist damit landschaftlich und klimatisch ein deutlicher Kontrast zu den mediterranen Bildern, die man mit Spanien sonst oft verbindet. Sie ist feucht, grün und hügelig, mit Höhenzügen bis 800 Metern.

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