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wm1-kMichael Irrgang, 9.12.2014

Letzten Sonntag war Florian in Taiwan zeitweise auf Kurs, den 27 Jahre alten deutschen Rekord im 24h-Lauf zu knacken. Doch kurz vor Ende zerplatzte der Traum: Vor Erschöpfung und Muskelschmerzen musste er sein Rennen abbrechen. Er ist dennoch fast 254 km gelaufen, stellt damit einen neuen deutschen Rekord im 24h-Lauf auf der Bahn auf und übernimmt die Führung in der Jahresbestenliste!

 

Die Ergebnisse der 4 Topläufer des Laufes in Soochow:

1 HARA, Yoshikazu (Japan) 285.366 (neuer Asienrekord)
2 CUDIN, Ivan (Italien) 255.499
3 REUS, Florian 253.899
4 SEKIYA, Ryoichi (Japan) 241.099

Viele Leser verfolgten das Rennen im DUV-Forum oder auf Facebook und fieberten mit ihm. Seine Freundin und Betreuerin vor Ort Nicole Euring schrieb manchmal kurze Situationsberichte oder postete Fotos von der Strecke. Ich versuchte so gut es ging die Ergebnisse zu analysieren und Prognosen zu wagen. Das war allerdings recht schwierig, weil die Teilnehmer - völlig untypisch - größere Tempowechsel einlegten. Allerdings deuteten sich schon früh sehr gute Ergebnisse an. Nach 17 Stunden etwa erreichte Florian die 200km-Marke und war zu der Zeit 10 km hinter Yoshikazu und 7 km vor Ivan Cudin. Gemäß der im Internet zu lesenden Zwischenzeiten lief er in den Stunden 17 und 18 exakt 24 km! Hätte er dieses Tempo ansatzweise gehalten, wäre eine Leistung im Bereich von 280km möglich gewesen! In der 19. Stunde war er mit einem Tempo von 5:10 min/km unterwegs und die Sensation nahm ihren Lauf. Wie sich später herausstellte, stimmte das nicht: Er lief etwa weiterhin ein Tempo von 5:20 min/km. Aber das wussten die Beobachter und ich zu diesem Zeitpunkt nicht! Doch Flo wurde unerwartet deutlich langsamer. Auf Facebook postete Nicole etwa nach 21:15h Laufzeit: „Ist grad sehr hart für Flo, aber er will den Rekord brechen.“ Der Abstand zum Führenden, der deutlich unter einem 5er Schnitt rannte, verdoppelte sich plötzlich! Auf Facebook fragte Thomas7: „Panik! Steht nur der Rundenzähler oder ist Flo was zugestoßen?“ Ja und nein. Er war ausgestiegen, aber ihm war nichts passiert – nur das übliche halt. Er selbst schrieb dazu kurz nach dem Rennen: „Leider kam irgendwann der absolute Hammer und ich hab es einfach nicht mehr ausgehalten vor Erschöpfung und muskulärer Schmerzen, so dass ich nicht mehr in der Lage war zu laufen.“ Schade, schade, schade! Ein dramatischer Lauf nahm so ein überraschendes Ende. Er ist dann aber noch einmal zurückgekommen, um in der fantastischen Stimmung am Universitätsgelände von Soolchow das Ende auf der Strecke zu erleben. Er schrieb dazu: „Ivan, Sekiya und ich sind ungefähr die letzten 45 Minuten gemeinsam marschiert und haben demensprechend nach den Restmetern an derselben Stelle der Bahn das Rennen beendet. Unglaublich was hier für eine Begeisterung für den Lauf herrscht. So haben wir eine halbe Stunde lang T-Shirts, Zettel und Handyhüllen unterschrieben (nach bzw. der Siegerehrung ging es noch weiter) und uns mit den Einheimischen fotografieren lassen.“

WM im 24-Stunden-Lauf - Beschreibung folgtWM im 24-Stunden-Lauf - Beschreibung folgtWM im 24-Stunden-Lauf - Beschreibung folgtWM im 24-Stunden-Lauf - Beschreibung folgt

Dieses Rennen muss stimmungsmäßig unvergleichlich gewesen sein! Hoffentlich wird er nach dem verdienten Erholungsurlaub noch einen Bericht mit weiteren Fotos auf seine Homepage stellen. Heute hat er ein Bild von sich auf Facebook veröffentlicht, welches ihn beim Treppenabstieg zeigt und welches vermuten lässt, dass Nicole und Florian sich nicht viele Dinge in Taiwan anschauen, bei denen man viel laufen und treppensteigen muss. So haben sie mehr Zeit, die Ereignisse der letzten Woche Revue passieren zu lassen.

Am Sonntag, 30.11. war DUV-Förderstützpunkttag in Würzburg und ich konnte etwas mehr von seiner Form und seinen Zielen für Taiwan erfahren.

Am Mittwoch, 3.12. Sportlerehrung in Würzburg: Er wird zum Sportler der Stadt geehrt. Als erster Leichtathlet überhaupt tritt er die Nachfolge von Thomas Lurz und Dirk Nowitzki an. Siehe den Artikel in der Mainpost  (http://www.mainpost.de/regional/wuerzburg/Ultramarathonlaeufer-Florian-Reus-ist-Sportler-des-Jahres;art735,8469863).

Donnerstag/Freitag Anreise.

Samstag 9 Uhr Ortszeit Start. Das dramatische Rennen beginnt.

Sein Fazit kurz nach dem Lauf aus Facebook kopiert:  „Zwischendurch hat es wirklich sensationell gut ausgesehen und ich war total überzeugt, es wirklich zu schaffen. … Klar ist es etwas schade, dass das Wunder nicht wahr geworden ist, doch ich hab mir wirklich alles abverlangt. … Und eines weiß ich nach diesem Wochenende: Ich werde den Rekord unter anderen Vorzeichen noch brechen! Ich bin zufrieden und freue mich einfach nur, dass jetzt Winterpause ist - es war ein geniales Jahr!“

Mein Fazit dazu: Wie viele andere habe ich den Samstag mit Rechnen und Daumendrücken verbracht. Die Rahmenbedingungen waren mir ja bekannt und so fragte ich mich schon im Vorfeld, wie er das Rennen taktisch angehen will. Bis zur 17. Stunde dachte ich noch couragiert und mutig und hatte, ehrlich gesagt, einen langsameren Start erwartet. Dann die (gedachte) Beschleunigung – der entscheidende taktische Moment. Einerseits macht er das ja öfter, dass er zur Lockerung der Muskulatur nachts ein paar Stunden schneller läuft, andererseits dachte ich mir schon, dass er jetzt davon überzeugt ist, dieses Tempo die letzten 5 Stunden halten und den Rekord schon heute angreifen zu können. Diese falsche Information löste bei allen die den Lauf im Internet verfolgt hatten, diverse Diskussionen und Spekulationen aus – doch alles falsch. Florian ist recht konstant gelaufen und wurde im Laufe des Rennens, wie die meisten 24h-Läufer, immer ein wenig langsamer: In den Stunden 16 und 17 lief er je 11,6 km, dann zwei Stunden 11,2 km und schließlich in den Stunden 20 und 21 nur noch 10,8km pro Stunde. Nach 21 Stunden hatte er 244,4 km auf dem Zähler, aber die Kraft war zu Ende! Schade.

Er hat trotz der ungünstigen Rahmenbedingungen den deutschen Rekord angegriffen und das alleine schon verdient Respekt. Er weiß, dass er den Rekord laufen kann und weiß jetzt auch wie. Letztes Wochenende hat es noch nicht geklappt, aber demnächst – vielleicht schon bei der WM in Turin. Und die letzte Stunde muss wohl auch ein historisches Ereignis gewesen sein: Drei echte Champions wandern gemeinsam vielumjubelt durch das Stadion, während ein weiterer Asienrekord läuft.

tabelle

Bemerkenswert und sehr bewegend auch der Facebook-Eintrag von Laura Schwerk am Tag danach:

„Lieber Flo, was ein Rennen! Ich habe gestern mit Tobias und Papa Schwerk alles gespannt bis zum Schuss mitverfolgt! Großes Kino! Ich soll auch ganz herzliche Glückwünsche von Wolfgang ausrichten! Wenn es einer schaffen kann, seinen Deutschen Rekord zu brechen, dann bist du das und er würde es dir von Herzen gönnen. Zitat Wolfgang Schwerk: "Rekorde sind da, um sie zu brechen" In diesem Sinne, erhol dich gut, genieße deinen grandiosen Jahresabschluss und nochmal unseren herzlichen Glückwunsch zum neuen Deutschen Bahnrekord über 24h!!! Hast du dir sowas von verdient.“

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