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Vom Kraichgau in den Schwarzwald: Fidelitas Nachlauf in Karlsruhe

Soll ich oder soll ich nicht? Soll ich oder soll ich nicht? Es gab viele gute Gründe, nicht beim Finama zu laufen: mein linkes Bein ist dank Behandlung auf dem Wege der Besserung aber eben noch lange nicht voll funktionsfähig, 80 km wollen erst mal gelaufen sein, vor allem, wenn man seit Ende April hatte kein vernünftiges Training mehr absolviert und notgedrungen einige „Nullwochen“ hatte, die hartnäckige Erkältung, die ich mir dank durchfeuchteter Wech-selkleidung im Ziel beim unfreiwillig-freiwillig gelaufenen LGT alpin Marathon eingefangen hat-te, war gerade erst am Abklingen, zwei Tage vorher endete der Versuch einer langen Radaus-fahrt in den Schwarzwald schon nach etwas mehr als einer Stunde völlig fertig bei meinen El-tern auf der Terrasse …. Es gab aber auch einen Grund, zu starten: meine Neugierde, ob ich noch lange laufen kann, was meine Gebeine dazu sagen.

Letztlich zögerte ich die Entscheidung bis kurz vor knapp hinaus. Gemütlich auf der Terrasse sitzend meinte Jochen um halb drei Mittags, dass ich so langsam packen sollte, wenn ich pünktlich um 17 Uhr in Karlsruhe an der Startlinie stehen wolle. Also gut. Gerade noch recht-zeitig 30 min vor dem Startschuss erreichte ich den Nachmeldetisch. Die vielen bekannten und freundlich grüßenden Gesichter, die ich auf dem kurzen Weg dorthin „links liegen lassen“ musste haben es mir hoffentlich nicht allzu übel genommen, aber ich musste mich beeilen.

Kurz vor dem Start entdeckte ich Ulrike Steeger. He klasse, die kommt von so weit hier her zum Finama. Ich freute mich sehr, sie zu sehen und wir liefen die ersten Kilometer zusammen, um ein wenig zu quatschen. Irgendwo an der Strecke taucht dann bestimmt auch Udo auf, der sie (wie Jochen mich) mit dem Rad begleitet.

Irgendwie hatte ich mich im Vorfeld weder richtig mit dem Lauf noch mit den äußeren Bedin-gungen auseinandergesetzt, denn bereits nach wenigen Metern war mir viel zu warm. Zum Glück hatte ich Jochen in den Rucksack Jacke, Mütze und Handschuhe für die Nacht gepackt – Nicole, es ist Sommer! Und so hoch geht es in den Ausläufern des Schwarzwaldes dann auch nicht! Egal, da musste ich nun schwitzend durch.

Kilometrierung Fehlzanzeige. Ich sah jedenfalls keine und hatte damit keine Ahnung, wie schnell ich lief. Irgendwann entdeckte ich eine 10 auf dem Boden. Ob die wohl zum Finama gehört? Es könnte sein, denn dann wäre ich einen 5er Schnitt gelaufen – das Tempo hatte ich auch so eingeschätzt. Bei km 18 begannen endlich die Steigungen. Von nun an sollte es viel hoch und auch viel wieder runter gehen, der Finama führt durch den Kraichgau und die Aus-läufer des Schwarzwaldes. Die meisten Orte kenne ich entweder von Volks- und Trainingsläu-fen oder von Radausfahrten. An manchen Stellen wäre es fast näher gewesen, nach Hause zu rennen, als wieder zurück nach Karlsruhe. Ich fühlte mich wohl, sah immer wieder an den Ver-pflegungen oder den Staffelwechselstellen Menschen, die ich von anderen Läufen in der Ge-gend kannte und Jochen kündigte mir vom Rad aus die nächste Steigung an „da kommt jetzt hinter der Kurve ein steiler Anstieg“ oder so ähnlich. Im Nachhinein beichtete er mir, dass er eigentlich skeptisch ob meines Starts in Karlsruhe gewesen sei. Er hatte sich vor allem wegen dieser gerade erst überstandenen Erkältung arge Sorgen gemacht und befürchtet, dass ich nach 50 km oder so einfach nicht mehr konnte. Davon ließ er sich auf der Strecke allerdings nichts anmerken; er war wie immer optimistisch und positiv gestimmt.

In Langensteinbach ertönte von einem Fest das Rennsteiglied. Ich sang ein wenig vor mich hin, was zum Glück für meine Mitmenschen aber wegen einer heftigen Steigung am Ortsende schnell ein Ende hatte. War es nur die Steigung oder wurde ich müde? Als es oben auf der Höhe fast flach war und die Sonne sehr schön am Horizont unter ging, wusste ich, dass ich gerade ein Tief hatte. „Hilfe, ich komme ja gar nicht mehr vorwärts“, ging es mir durch den Kopf. Tiefs gehen vorbei und es kommen wieder Hochs. Schade nur, dass ich die Sonnen-untergangsstimmung nicht mehr genießen konnte. Zu allem Überfluss frischte der Wind noch mehr auf, als er es ohnehin schon den ganzen Abend tat. Natürlich kam er von vorne. Was auch sonst.

Auf den letzten 25 km lief es wieder richtig gut, ich überholte viele Läufer und kam gut durch die Nacht. An welcher Stelle des Rennens ich lag wusste ich nicht. Die Helfer riefen mir alle möglichen Varianten zu. Aufgrund der Staffelläufer und Marathonis ist es schwierig, die jewei-ligen Positionen richtig einzuschätzen. Zumal in der Dunkelheit. 2 km vorm Ziel überholte mich einer dieser vielen Grünhemden aus Bretten und meinte, ich würde führen, er wisse es genau. Ja dann, ja dann könnte ich ja aus reiner Freude noch ein klein wenig endspurten. Selbster-nannte Witzbolde hatten einen halben Baum samt Gestrüpp über den Weg gelegt, damit man in der dunklen Nacht auch schön darüber stolpern kann. Ich sah ihn gerade noch rechtzeitig und kletterte über das Hindernis. Nach einem Zielspurt direkt in Petra Martons Arme blieb meine Uhr nach 7:11 h stehen, die offizielle Zeit war nicht nur bei mir eine Minute langsamer. Komisch, aber egal. Der kurze Weg zum Auto fiel mir nach dem Lauf irgendwie sehr viel schwerer als davor. Dementsprechend lange dauerte es. Als ich endlich meine Sporttasche hatte, erfreute ich meine müden Beine mit einer eiskalten Dusche und versäumte deshalb meine eigene Siegerehrung. Den ursprünglichen Plan, am Sonntag nach kurzer Schlafpause noch eine Rad-RTF zu fahren, hatte ich schon unterwegs beerdigt. Stattdessen verbrachte ich den verbleibenden Tag auf der Liege im Garten und nichts und niemand konnte mich zu einer sportlichen Aktivität überreden. Ach so, die letzten Erkältungsreste hatte ich auf den 80 km verloren. Die Probleme am linken Bein leider nicht, aber der Zustand war danach auch nicht anders als vorher. Also auch an dieser Stelle alles in Ordnung. Und ich war froh, doch noch lange Strecken laufen zu können. Wäre auch schade, denn auf meiner persönlichen Lauf-wunschliste stehen noch einige dieser herrlichen Feld-, Wald- und Hügelläufe.
 

Nicole Benning

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