werbung text  MDW Banner2018 156x60fcerunningSeentrail gtrc 156x60 2

Sonnenschein in Berlin sorgt für neue Bestzeiten
XXXII. Internat. 100km-Lauf Grünheide/Kienbaum

Michael Irrgang, 27.3.2012
Bilder von Michael Irrgang und Harry Schlegel

Der Veranstaltungsname verrät bereits: Dieser 100km-Lauf hat Tradition! Auch wenn er nicht schon immer im Bundesleistungszentrum in Berlin-Kienbaum auf der vielen Läufern wohlvertrauten 5km-Runde und noch viel seltener bei herrlichem Sonnenschein stattgefunden hat.


Dieses Jahr gingen 55 Läufer und Läuferinnen an den Start über die 100km-Distanz, der zeitgleich mit dem über 50 km pünktlich um 6:30 Uhr nach ein paar Grußworten des Hauptorganisators Gerd Schlarbaum erfolgte. Im Feld befanden sich zahlreiche 24h-Stundenlaufexperten, die den Lauf zum „Formtest auf der Unterdistanzstrecke“ oder einfach so als Trainingseinheit für zukünftige Wettbewerbe nutzten. Die meisten von ihnen hatte ich seit der Weltmeisterschaft in Brive vor 2 Jahren nicht mehr gesehen und so war die Wiedersehensfreude groß.


Leider konnte ich aufgrund einer Krankheit nicht selbst laufen, sondern beschränkte mich darauf, Simone Durry, die angetreten war, eine neue Bestzeit aufzustellen, zu betreuen.


Da es noch ein bisschen frisch war, wanderten Grit Seidel und ich einmal die gesamte Strecke ab, um zu sehen, wie sich das Feld sortiert und um die Läuferinnen und Läufer anzufeuern. Als erstes stürmte uns einem Führungsfahrzeug folgend Johannes Haßlinger aus Nienburg entgegen. Der letztjährige Zweite über 100km lief ein einsames Rennen und siegte souverän über 50 km. Anschließend folgte eine Gruppe um Margitta Schneider und Heike Pawzik, die von dem Angebot Gebrauch gemacht hatten, bereits eine Stunde eher zu starten, da das 12-Stunden-Zeitlimit für viele langsamere Läufer, die Freude an dieser Distanz haben, doch recht knapp sind. Nach weiteren 50km-Läufern kam Oliver Leu, der von Anfang an couragiert rannte, dann ein Verfolgerduo und schließlich folgte eine schnatternde Männergruppe, wie man es sonst nur von einem Rudel Frauen in Lauftreffs erwartet hätte! Darunter waren die beiden Berliner Jan Prochaska, der erst eine Woche zuvor einen fabelhaften 6-Stundenlauf hingelegt hatte und eigentlich langsam laufen wollte und Michael Vanicek, der trotz kürzlich erfahrener Nachwuchsfreuden gut vorbereitet war und eigentlich schnell laufen sollte, aber die Geschichten, die sie mit Ralf Weis, der nach langer verletzungsbedingter Laufabstinenz ein gutes Comeback feierte und Kai Horschig, der extra vom weitest entfernten Ort von Berlin, aus Lörrach bei Basel, angereist war, austauschten, fesselten die Zweckgemeinschaft zusammen. Erst etwa nach 20 km lösten sich „Vanni“ und Sven Eppelsheimer aus der Gruppe und machten sich auf die Jagd um Platz zwei, der etwa 9 Minuten und 2 Plätze vor ihnen lag. Unerreichbar weit weg schien Oliver. Bei km 50 hatte er eine 3:40 und 15 Minuten Vorsprung stehen, aber auch auf der zweiten Hälfte lief er nur wenig langsamer werdend zu einem ungefährdeten Sieg in neuer persönlicher Bestzeit von 7:29:41.


Auch im Frauenrennen fiel etwa bei km 20 eine Vorentscheidung. Bis zu diesem Zeitpunkt waren Simone Durry, Petra Neumann und Lokalmatadorin Annett Bahlcke, die an diesem sonnigen Tag auch die einzigen Finisherinnen werden sollten, gleichauf. Dann löste sich Simone und konnte ihren Vorsprung kontinuierlich ausbauen, während sich Petra und Annett ein spannendes Kopf- an Kopf-Rennen lieferten. Beide liefen gemeinsam bei km 95 über die Zeitmessmatte und hatten ihre Ziele Spartathlonquali und neue PB längst erreicht. Dennoch legte Petra noch einen tollen Endspurt hin und erreichte in 9:18 als Zweite das Ziel. Simone lief ein perfektes Rennen, unbeirrt von Sonne und Konkurrenz spulte sie Runde um Runde ab. Ab km 60 bekam sie leichte Probleme und investierte jede Runde ein bisschen Zeit in Dehnübungen. Am Ende konnte sie sich dann mächtig über eine Zeit von unter 9 Stunden freuen. Sie hatte ihre alte Bestzeit um genau 40 Minuten verbessert!


Vermutlich sind an diesem Wochenende noch weitere Bestzeiten gefallen, denn nach einem trainingsoptimalen Winter und guten Wettkampfbedingungen, war die Gelegenheit günstig.


Bei dieser Veranstaltung lief übrigens Christel Kunze in 9:09:53 h als erste deutsche Frau in dieser Altersklasse 50 km und damit einen deutschen AK-Rekord. Glückwunsch!


Wer übrigens meint, meine Trainingstipps seien etwas hart, sollte sich einmal die Zwischenzeiten von 24h-Nationalteammitglied Patrick Hösl etwas genauer anschauen: Nachdem er die ersten 50 km in 4:50h ausgesprochen langsam lief, folgte das erste 5 km-Intervall in 20:21 min! Nur unwesentlich langsamer wurden dann die folgenden 5km-Intervalle bei km 70 und 90 absolviert, dazwischen 15km mittelschnelles Tempo! Zur Nachahmung empfohlen, meinte er dazu.


Der Tag wurde dann durch eine schöne Siegerehrung abgeschlossen, an der leider, aber verständlicher Weise nicht mehr alle Teilnehmer anwesend waren. Schön war, dass alle Teilnehmer eine Rose bekamen; auch die, die nicht finishen konnten. „Das nächste Mal klappt es bestimmt“, versicherte Gerd Schlarbaum ihnen zuversichtlich und sprach damit sicherlich auch die an, die zwar gefinished, aber ihre persönlichen Ziele dennoch nicht erreicht haben.
Einziger Kritikpunkt aus meiner Sicht war die Platzierung der Versorgungsstellen. Dort, wo früher der Start und die Versorgung war, war diesmal nur die Versorgung. Start, aktuelle Zwischenzeiten, Ergebnislisten, die Wasserstelle und der wieder einmal gut gelaunte und bestens informierte Streckensprecher Ecky Broy, der den 100km-Lauf in Kienbaum übrigens 1992 in 7:47 gewonnen hatte, gab es etwa auf der Höhe, wo die Startnummernausgabe ist. Diese Aufteilung hatte zwei Nachteile: Erstens kriegte man als Betreuer in der Verpflegungszone von der Stimmung und den Zwischenzeiten kaum etwas mit, weil natürlich sich alle Leute im Start-Ziel-Bereich aufhielten und zweitens war der Abstand zwischen Versorgung- und Wasserstelle mit 3,5km ziemlich lang. Besser wäre die Versorgung ebenfalls im Zielbereich zu positionieren und die Wasserstelle irgendwo in der Mitte der Strecke.

Ansonsten Kompliment an das Orgateam! Die viele Routine steht manchmal der Herzlichkeit im Wege, nicht jedoch in Berlin! Und so lohnt sich ein Wochenende im März in der Bundeshauptstadt sicherlich auch zukünftig.
 

24h-Laufexperten unter sich: Jan Prochaska, Ralf Weis und Kai Horschig

Simone Durry, Michael Irrgang, Oliver Leu

  • Keine Kommentare gefunden
Kommentar hinzufügen
mitglied werden
duv statistik
duv forum

Das aktuelle Foto

 fdzu aktuelles foto kl

Ihr seid jede Woche irgendwo laufend unteerwegs - los, her mit euren Fotos, lasst andere eure Erlebnisse mit erleben!

Hast du ein Bild / Bilder, das / die hier oder in der (in Arbeit befindlichen) Galerie erscheinen sollen? Dann bitte per Email an aldo.bergmann@d-u-v.org

Die jüngsten Kommentare

Gast - Andreas
Hallo zusammen:

Super Bestenliste, vielen Dank dafür!! Leider kann man hier nur bis Platz 30'000 ...
Gast - Ingo Schulze
Ich wünsche der neuen Führung eine glückliche Hand bei ihrer Präsidiumsarbeit. Sie treten, das sei e...
Gast - carsten mattejiet
Unvergessen die zeit die ich mit fiese in den Kasseler bergen 1995 verbringen konnte. 10 Marathons i...
Mitglied werden
Kontaktformular