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Laufberichte

Gert Mertens berichtet über "das Doppelrennen"

„Bist du verrückt?“ sagten einige zu mir. „50Km und dann 6 Tage später einen 6-Stundenlauf.“ Nein, verrückt bin ich nicht, aber ehrgeizig. Und ich kenne inzwischen meinen Körper ziemlich gut und weiß, dass er einiges verkraften kann.
Als Ziele hatte ich mir für Bottrop eine Zeit unter 3St.30‘ und für Troisdorf eine Distanz über 80Km gesetzt. Selbstverständlich nur bei guter Witterung, denn letztes Jahr hatten wir in Troisdorf während des ganzen Rennens Dauerregen und dann war über 80Km nicht drin.


In diesen beiden Rennen wollte ich mich als DUV-6-Stundencupsieger 2010 mal im DUV-Outfit zeigen und so ein Dankschön sagen für die Unterstützung, die ich in diesem Jahr vom DUV bekommen habe. Auch konnte ich mit zwei guten Resultaten vielleicht die Entscheidung im Marathon- und Ultracup 2011 forcieren.


Das Wetter in Bottrop war einfach fantastisch: Sonne und etwa 15°. Ich konnte also wie geplant im DUV-Singlet laufen und die Socken vom DUV-Sponsor Wrightsock austesten. Diese Socken versprachen trockene Füße und keine Blasenbildung wegen der doppellagigen Struktur. Wegen meiner Wettkampfschuhe hatte ich in meinen vorigen Rennen immer Blutblasen und das wollte ich jetzt absolut vermeiden, da ich 6 Tage später schon Troisdorf laufen wollte. Ich war gespannt, ob die Socken ihr Versprechen halten würden.


Von Anfang an ließ es sich locker laufen: 4‘ bis 4‘10“ pro Kilometer. Johan Watthy, mein Landsmann und Teamkollege im belgischen Nationalteam, der auch das Doppelrennen geplant hatte, begleitete mich in den ersten Kilometern. Dann ging er ein wenig runter vom Gas und so lief ich ganz allein auf Platz 4. Bernhard Munz und Ralf Preibisch verschwanden allmählich außer Sichtweite. Nur Jan-Hendrik Hans hatte ich noch vor mir, aber nach etwa einer halben Runde lief auch er von mir weg. Nun war ich alleine und konnte mich voll auf mein körperliches Gleichgewicht und die schöne Natur um mich herum konzentrieren. So lauf ich eigentlich am liebsten. Läufer, die mit einem IPod laufen, versteh ich wirklich nicht. Das lenkt ab vom Herzschlag, vom Atem, vom Rhythmus der Füße, von diesem schönen Gefühl unaufhaltsam und endlos laufen zu können.


Beim Rennen in Bottrop läuft man zwei Runden von 25Km. Die letzten 3,4Km werden jedes Mal hin und zurück gelaufen. Ein taktisch sehr interessantes Merkmal dieses Rennens. Man erhält so einen Überblick der Position der Gegner. Aber nicht nur das. Man kann die Gegner ins Gesicht schauen und so einschätzen in welcher körperlichen und mentalen Verfassung sie sind. Höchst interessant!


Wie erwartet hatte Ralf Preibisch inzwischen die Führung übernommen. Er war voll konzentriert und lief ganz kräftig. Sein Vorsprung betrug etwa 4 Minuten. Bernhard Munz folgte nach etwa einer halben Minute und er hatte deutliche Zeichen der Ermüdung im Gesicht. Er hatte zwar noch einen ziemlich großen Vorsprung, aber den konnte ich mir in den nächsten 25 Kilometern vielleicht noch schnappen. Jan-Hendrik Hans war kurz hinter ihm und würde ihn schnell überholen. Er lief noch ganz kräftig, aber auf 25Km kann allerhand passieren und er sah auch noch jung und unerfahren aus.


Hinter mir war nicht gleich jemand. Mit gut 3 Minuten Rückstand sah ich den ersten Verfolger. Und … er sah mich, sah mir ins Gesicht genauso wie ich es kurz zuvor bei den anderen gemacht hatte. Er war voll konzentriert und suchte nach Zeichen der Schwäche. Er war also auch auf der Jagd. Hiermit wurde ich Jäger und Beute zur gleichen Zeit. Mein Tempo blieb aber konstant, nur beim Trinken verlor ich mehr Zeit als in der ersten Runde. Wie erwartet holte ich Bernhard Munz nach etwa 41Km ein und konnte mich problemlos von ihm absetzen. Ralf Preibisch gewann das Rennen überlegen in 3St.16‘24“. Jan-Hendrik Hans hatte es am Ende schwierig, aber konnte aus meiner Reichweite bleiben. Ich musste ja auch noch ein wenig Reserven für Troisdorf sparen. Mein Verfolger, Jörg Heiner, lief genauso wie ich es ihm vom Gesicht abgelesen hatte eine schnelle zweite Runde. Mein Vorsprung war aber groß genug und ich beendete das Rennen als Dritter in 3St.25‘27“, eine persönliche Bestzeit.


Die Wrightsocks hielten ihr Versprechen: ich hatte keine Blasen. Meine Füße waren also unversehrt und startbereit für den 6-Stundenlauf in 6 Tagen. Die Beine waren es aber noch nicht!


6 Tage später lief ich die erste Runde in Troisdorf. Mein Ziel (+80Km) schien mir unerreichbar, weil meine Hamstrings sich noch nicht von der welligen Strecke in Bottrop erholt hatten. Die erste Stunde lief ich daher etwas langsamer in der Hoffnung so die Hamstrings zu entspannen. Es war aber vergebens. Da entschloss ich mir, die körperlichen Signale zu ignorieren und die mentale Kraft einzusetzen: Geist über Körper. Ich erhöhte das Tempo und jagte den Führenden nach. Wie lange der Körper durchhalten würde, war die große Frage. Als ich nach fast 4 Stunden von Rang 7 auf Rang 2 vorgerückt war und noch etwa 300m hinter dem führenden Jörg Hooss lag, bekam ich Krämpfe in den Hamstrings. Runter vom Gas also, extra trinken und Magnesium- und Salztabletten schlucken (danke Udo, Paul und Rik!). Johan Watthy lief an mir vorbei (er gewann das Rennen mit 81,698Km), aber zum Glück fand ich recht schnell ein akzeptables Tempo. Am Ende des Rennens holte ich sogar Jörg Hooss noch fast ein. Somit wurde ich wieder Dritter mit 80,709 Kilometern. Ich hatte mein zweites Ziel also erreicht und auch dieses Mal hatte ich keine einzige Blase an den Füßen. Die Wrightsocks sind wirklich Wundersocken. Sie werden mir noch viel Freude bereiten, wenn ich 2012 noch längere Distanzen laufen werde.
Das Endresultat meines Doppelrennens: 2 Podestplätze, eine persönliche Bestleistung und der Endsieg im Marathon- und Ultracup.
 

2011 wurde trotz einiger Rückschläge also doch noch ein Superjahr!
 

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Nein, 100 Meilen laufe ich bestimmt nicht. 100 km sind weit genug, alles andere überlasse ich den echten und harten Ultraläufern. Für so ein Kurzstreckenrennerle wie mich ist das nichts.

Aufgrund der ausgeprägten Liebe zu meiner Heimat meldete ich mich dennoch 2010 für den KuSuH 100 Meilen Trail in Oberderdingen an, um mich dann im Sommer doch anders zu ent-scheiden und im Herbst statt 100 Meilen 42,2 km zu rennen. Beides schien mir wenig ratsam. Die 100 Meilen habe ich dennoch begleitet, denn Jochen lief und ich schaute zu. Hm. Irgend-wie ließ mich das nicht los. Ein 100 Meilenlauf auf unseren Trails, auf unseren Wegen, durch unseren Wald (und natürlich weit darüber hinaus, denn so weit kommen wir im Training dann doch nicht).

Als mich die Einladung für den 2. Kusuh erreichte, überließ ich eine Teilnahme dem Schicksal. Ich ließ mich auf die Warteliste setzen, um noch etwas länger Zeit zu haben, über meine Pla-nungen für den Herbst 2011 nachzudenken. Insgeheim hoffte ich, dass der Kelch an mir vorü-ber geht – oder doch nicht? Als im späten Frühjahr ein Platz frei wurde, war es mir lieber, einer anderen Wartelistenläuferin den Vortritt zu geben, noch einmal drückte ich mich vor der Ent-scheidung, wohl wissend, dass das nicht mehr lange möglich sein wird. Nach den 100 km von Theillay erreichte mich eine Email von Höfles, ich solle mir doch endlich einen Ruck geben. Also, ich rückte und stand auf der Startliste. Ich dachte mir, dieses Jahr ist eh alles anders als geplant, dann laufe ich nun auch noch 100 Meilen. Wann wenn nicht jetzt, auch wenn Jochen ernsthafte Bedenken äußerte und mir noch mal alle menschenmöglichen Probleme bei einem 100 Meilenlauf aufzählte.

Je näher der Tag kam, desto mehr freute ich mich auf den Lauf. Mein Gefühlszustand wech-selte zwischen Gelassenheit und Nervosität, wobei glaube ich, die Gelassenheit dominierte. Wir wollten zusammen laufen und hofften darauf, dass sich dies auch in die Realität umsetzen lässt, denn 100 Meilen sind lang. Das hatte ich schon vor dem Start verinnerlicht. Auch ohne die vielen guten Ratschläge aus meiner ultralaufenden Umgebung.

Morgens um 8 Uhr wurden wir in Oberderdingen auf die lange Reise geschickt. Mit der Strecke hatte ich mich ausgiebig beschäftigt, ich wusste also, was mich erwartet. Unzählige schöne Trails, Feld-, Wald- und Wiesenwege, steile Anstiege und ebensolche Abstiege. In der Summe mehr als 3.200 Höhenmeter. Dass Wolfgang Höfle dieses Jahr noch ein paar besondere Schmankerl wie vollkommen wegelose Anstiege, eine Bachdurchquerung, Abstiege durchs Dornengestrüpp oder üble Kartoffelacker eingebaut hatte, nur um 10 Meter Asphalt zu vermei-den, gefiel mir persönlich nicht, aber da musste ich nun durch. Er kann ja nichts dafür, dass hier unsere Vorstellungen vom Laufen sehr weit auseinander liegen. Er meidet Asphalt konse-quent und ich laufe gerne auf befestigtem Untergrund.

Ich lief von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation und machte mir keine Gedanken, wie weit der Weg jeweils noch ist. Im Großen und Ganzen genoss ich die Lauferei, von ein paar Problemchen mal abgesehen. Leider waren wir nach 12 Stunden noch nicht ganz so weit wie gedacht und mussten unsere Lampen früher herauskramen als gewünscht. Es war ein wenig zäh, bis wir Knittlingen erreichten – endlich über 100 km! Ich zog mich für die weitere Nacht etwas wärmer an und packte noch zusätzliche Ersatzbatterien ein. Dann liefen wir weiter durch die Dunkelheit. Mit der Markierung der Strecke hatte ich keine Probleme, allerdings war ich an jeder Ecke voll konzentriert und lief nie (nur ein Mal und das war dann auch gleich falsch) ohne eine Markierung zu sehen weiter. Meistens blieb ich stehen, suchte so lange die Markierung, bis ich mir ganz sicher war.

Wir kamen weiter sehr gut voran und ich war wirklich glücklich darüber, mich für den Kusuh entschieden zu haben. Bekanntlich soll man den Tag ja nie vor dem Abend loben bzw. 100 Meilen nicht vor dem Ziel. Etwa ab km 130 konnte ich nichts mehr essen! Mein Magen war wie zugeschnürt und mir war schlecht. Ich mag diese ganzen Sachen an den Verpflegungen (egal wie schön sie angerichtet sind) ja sowieso beim Laufen nicht, esse daher fast nur Gels, und auf die war bisher immer Verlass. Ok, 100 Meilen sind eben anders. Ich hätte nie gedacht, dass ich irgendwann keine Gels mehr essen kann. Es kam wie es kommen musste, der Akku war leer, völlig leer. Mir war schlecht, ich lief Schlangenlinien und konnte kaum mehr die Beine heben. Ich dachte immer, „Nicole, Du musst essen, dann läuft es wieder“, aber der Gedanke ans Esssen verursachte nur einen Würgereiz. Ich verfiel in einen wunderbaren Martina Hausmann-Schritt und hatte dabei die Worte von Klaus im Ohr, dass ich mich immer weiter bewegen muss, egal wie langsam ich bin, egal wie sehr ich leide.

Irgendwann hatte Jochen genug von dem Geschlurfe und zwang mir ein Gel auf – es kostete Überwindung, aber es blieb in meinem Magen drin! Juhu! Und wenige Minuten später lief ich wieder. Oder was man nach 150 km eben noch so laufen nennen mag. Der Weg ins Ziel dau-erte dann auch nicht mehr so lange, nach 21 h 56 min waren wir da! Richtig freuen konnte ich mich erstmal nicht darüber, ich war einfach nur froh, dass ich nicht mehr weiterlaufen musste und dass ich endlich den ganzen Dreck von mir runterwaschen konnte. Mich überfiel eine blei-erne Müdigkeit, die ich bis dahin nicht gespürt hatte. Die volle Konzentration und das Ziel, 100 Meilen zu laufen, hatten mich abgelenkt. „Wolfgang, also das brauch ich kein zweites Mal“, was dieser schelmisch lachend zur Kenntnis nahm und meinte, dass er nichts anderes erwartet hätte. Mit ein wenig Abstand sieht die Sache ganz anders aus. Wiederholung nicht ausge-schlossen – wenn ich mir auf der Karte anschaue, wo wir überall herumgelaufen sind, bin ich unglaublich stolz und froh darüber, den Kusuh gefinisht zu haben. Mal abgesehen von den tollen Stimmungen und Erlebnissen auf der Strecke. Was wir in der Nacht im Wald alles gese-hen und gehört haben! Was diese possierliche Siebenschläferfamilie wohl über uns gedacht hat? Besser ich weiß es nicht. Sie würden jedenfalls bestimmt nicht freiwillig 100 Meilen laufen. Aber das habe ich ja auch einmal gesagt.
 

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Tobias Hegmann erzählt:

Der Churfrankentrail73km mit 1800 Höhenmeternist so etwas wie mein Heimlauf. Einige Teile der Strecke kommen mir noch sehr bekannt vor. Hier haben mich meine Eltern vor langer Zeit zu langen Wanderungen mitgenommen. Der Lauf ist also auch ein bisschen Kindheitserinnerung für mich. Aber auch für alle anderen ist das ein wirklich schöner Wettkampf. Die Strecke wurde dieses Jahr noch mal verbessertnoch mehr Trails, weniger Teer. Also freute ich mich als Titelverteidiger schon sehr und hatte mir auch einiges vorgenommen. Obwohl die Strecke diesmal etwa einen Kilometer länger war wollte ich unter 6 Stunden bleiben (letztes Jahr 6:02 Std).


Der Lauf wird auch als Staffel angeboten, für 2er und 5er Teams. Für die Ultras hat das den Vorteil, dass man immer wieder Zwischenziele hat, an denen auch immer ordentlich was los ist. Start war in Miltenberg am Main, Ziel in Sulzbach am Main. Zu sehen gibt es einiges: Die schöne Altstadt von Miltenberg, das Kloster Engelburg, die Clingenburg, den Galgenberg und natürlich jede Menge Natur und Trails. Die beiden ersten Abschnitte bin ich diesmal noch etwas vorsichtiger angegangen, da ich meinen Einbruch vom letzten Jahr noch vor Augen hatte. Nach 14 Kilometern übernahm ich dann die Führung und konnte gleich einen kleinen Vorsprung herauslaufen. Auf dem dritten Abschnitt folgt der längste Anstieg und nach 29 Kilometern kam endlich die erste Staffel von hinten, die 15 Minuten nach uns gestartet war. Bald war das nächste Etappenziel auf der Clingenburg erreicht, dann wieder ganz runter und über die Mechenharder Treppen, quer durch den Wald, wieder nach oben. Hier ging es mir letztes Jahr schon ziemlich schlecht, diesmal konnte ich sehr flott durchlaufen, hatte so auf der 4. Etappe 7 Minuten herausgelaufen und war damit klar auf Kurs zum neuen Streckenrekord. Zusätzliche Motivation bekam ich dann durch einen Staffelläufer, der zwar zu mir aufschließen konnte, aber nicht vorbeikam. Dann schaffte ich es sogar noch eine Zweierstaffel die mich schon am frühen Morgen abgehängt hatte, wieder einzuholen. Inzwischen war es schon recht heiß geworden, aber hier im Wald bekam man gar nicht so viel davon mit. Jetzt noch einen Kilometer bergab nach Sulzbach. Hier konnte ich meine Tochter im Babyjogger noch in Empfang nehmen und nach 5:56:52 Stunden war mein 2. Sieg perfekt.
 

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Göttliche Bäume und teuflische Hunde


Wenn man den Namen Amsterdam hört, kommen einem gleich Bilder von Booten voller Touristen auf den Amsterdamer Gräben, aber an einen Wald denkt man da nicht. Aber doch gibt es so ein prächtiges Stückchen Natur unweit von Amsterdam. Im sogenannten Amsterdamer Wald organisiert das niederländische Sri Chinmoy Team jährlich einige Ultraläufe. Im Juni lief ich da in warmen Verhältnissen eine gute Zeit bei einem 50K Rennen. “Werde ich das auch heute schaffen? Oder werde ich wie vor drei Wochen bei der WM 100K in Winschoten einbrechen?” Diese Fragen gehen mir durch den Kopf vor dem Start vom Self Transcendence 6Stundenlauf. Dank der kühlen Nacht ist die Temperatur noch angenehm, aber es soll ein wolkenloser Tag werden. Zum Glück ist die Strecke ziemlich schattenreich (75% unter den Bäumen) und die Stücke in der Sonne sind immer eher kurz. Das gibt mir Vertrauen. Ich will meine Runden (1678m) in 7’30” laufen, damit ich etwa 80K schaffe. Der Streckenrekord steht bei 79K. Wenn ich am Ende also ein wenig langsamer werde, müsste es zum Streckenrekord noch reichen. Es sei denn, dass ich wie in Winschoten nach 50K einbreche. Es gibt aber einige wichtige Unterschiede: die Temperatur wird vermutlich 2 Grad niedriger sein, die Luftfeuchtigkeit ist weniger, es gibt mehr Schatten und keinen Wind. Mein Fuß (Bänderriss) hat 3 Wochen extra Zeit zur Heilung gehabt und … die sommerliche Wärme hält schon eine Woche an, also mein Körper hat sich schon ein wenig anpassen können.

Nach dem Startpfiff übernehme ich gleich die Führung. Zwei Runden später weiß ich, dass ich ein Stück schneller laufen kann als geplant: unter 7’15” die Runde statt 7’30”. Selbstmord? Vielleicht, aber wenn man eine Spitzenleistung erbringen will und man fühlt, dass es locker läuft, muss man etwas riskieren. Wenn’s dann nicht klappt, hat man’s wenigstens versucht.
Nach mehr als 4 Stunden drehe ich immer noch wie eine Schweizer Uhr meine Runden.Könnte es sein, dass ich endliche mal das “Perfekte Rennen” (für mich wäre das der doppelte Marathon in 6 Stunden) laufe? Nein, bei dieser Temperatur ist das unmöglich, aber ein Resultat über 83K ist durchaus möglich. Ich bin wie unermüdlich. Kurz danach wird der Traum wie eine Glaskugel von einem unvorsichtigen Hundebesitzer zerschmettert. Er schmeißt gerade vor meiner Passage einen Stock ins Wasser, dem drei Hunde hinterherstürmen. Die ersten zwei rasen an mir entlang, aber der dritte prallt voll auf mein linkes Bein. Weil der rechte Fuß noch nicht völlig ausgeheilt ist, knicke ich ihn um. Ich schreie auf wegen der Schmerzen. Weg ist der Traum vom perfekten Rennen. Ich heule vor Wut und Enttäuschung. Laufen geht nicht mehr. Ich drücke mit der Hand auf der Schmerzensstelle und versuche die Muskulatur zu lockern. Inzwischen fluche und brülle ich einige Male laut. Das Adrenalin, das dabei freigesetzt wird, lindert die Schmerzen und die Muskulatur lockert sich wieder ein wenig. Ich fange wieder langsam zu laufen an und entschließe mich zu versuchen extra Adrenalin freizusetzen. In den nächsten zehn Minuten laufe ich wie ein Verrückter durch den Park: ich rufe, brülle, beiße die Zähne zusammen, stöhne und versuche richtig böse zu werden. Was die anderen Leute im Park in dem Moment wohl über mich gedacht haben. Aber das ist mir Wurst. Ich will mein Rennen retten! Und es funktioniert. Die Schmerzen verschwinden allmählich und ich kann wieder richtig laufen. Zwar nicht mehr so schnell wie zuvor, aber immerhin. Die Stabilität des Fußes ist geringer und dadurch lassen die Kurven und einige ungerade Stellen sich schwieriger laufen. Ich kompensiere mit links, aber dadurch verkrampft in der letzten Stunde die Muskulatur links. Ich bekomme es aber schnell im Griff und weiter geht’s. 82K ist immer noch möglich. Wenn dann kurz vor der letzten halben Stunde wieder ein Hund auf mich springt, bekomme ich wegen der unerwarteten Ausweichbewegung erneut einen Krampf. Verdammt, wieder stehe ich still. Aber auch diesen Krampf bekomme ich im Griff und die letzten Runden kann ich sogar wieder etwas schneller laufen. Unter 7’15”!

Mein Endspurt sorgt für ein Endresultat von 81,791K. Den Streckenrekord habe ich um fast 3K verbessert und meinen persönlichen Rekord um 69m. Damit bin ich sehr zufrieden. Bei kälteren Temperaturen und ohne Hunde ist noch viel mehr drin. Wer weiß, vielleicht schaffe ich meine Traumdistanz in Zukunft doch noch.


Ich muss mich bei den Helfern, Zuschauern und Laufkollegen bedanken. Ohne deren Ermutigungen wäre meine Leistung wahrscheinlich nicht möglich gewesen.
Gert Mertens
 

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Kai Horschig berichtet von seinem Urlaub

Da unser Jahresurlaub dieses Jahr nach Canada führen sollte habe ich mal ganz unverbindlich im DUV- Terminplan nachgeschaut ob nicht zufällig ein für mich interessanter Lauf in der Nähe eines unserer Reiseziele stattfindet. Relativ kurzfristig habe ich mich dann für den 24-Stundenlauf in Cleveland entschieden. Cleveland liegt im US Bundesstaat Ohio am Lake Erie, was nicht weit von Canada entfernt ist.


Im Rahmen dieses Laufes wurden die US Meisterschaften durchgeführt. Als Anreiz für die US Teilnehmer mit Lizenz winkten 1500, 1000, und 500 US Dollar für die jeweils ersten drei Männer und Frauen. Zusätzlich sind die jeweils ersten zwei für die WM im kommenden Jahr qualifiziert.


Nach der Anreise am Donnerstag konnte ich mich am Freitag noch etwas ausruhen und noch diverse Verpflegung einkaufen. Start war dann am Samstagmorgen um 09.00 nachdem zuvor jeder Starter und die Funktion seines in der Startnummer integrierten Messchip überprüft wurde. Vor dem Start wurde noch durch eine Teilnehmerrin die Nationalhymne gesungen.
Zu Beginn war es noch recht kühl was sich aber im Laufe des Tages als die Sonne herauskahm schnell änderte und ich mich regelmässig mit Wasser abkühlen musste.


Die Laufstrecke von ca. 1.4 km führte durch einen öffentlichen Park am See entlang. Viele Einheimische nutzten das schöne Wetter um den Tag beim Grillen und Spielen hier zu verbringen. So hatte man immer was zu sehen und konnte sich ablenken.
Für mich lief das Rennen relativ problemlos. Nur die relativ kalte Nacht und plötzlich starker Gegenwind am Seeufer machten mir etwas zu schaffen. Verpflegt habe ich mich während des gesamten Laufes ausschliesslich vom meinem mitgebrachten Gel. Am offiziellen Verpflegungstisch gab es unter anderen Sandwich und Pizza, was auch in grossen Mengen verzehrt wurde, aber nicht unbedingt den Bedürfnissen meines Läufermagens entsprach.


Den Wettkampf beendete ich auf dem dritten Platz mit 234,256 km. Mit dieser Leistung bin ich aufgrund einer recht kurzen Vorbereitung sehr zufrieden. Nach dem Lauf gab es für alle Teilnehmer und Betreuer einen gemeinsamen Brunch bis anschliessend die Siegerehrung durchgeführt wurde.
 

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