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Der Ehrenpräsident der DUV, Harry Arndt, gibt einen Rückblick auf 20 Jahre DUV

Vor genau 20 Jahren, am 29. Dezember 1985, wurde die Deutsche Ultramarathon-Vereinigung (DUV) im Ausdauersportzentrum Rodenbach/Hanau (in meinem Haus und auf meine Einladung) von 20 ‚Pionieren’ der deutschen Ultramarathonbewegung der achtziger Jahre gegründet. An der Gründungsversammlung nahmen unter anderem teil: Die DUV-Ehrenmitglieder Werner Sonntag, Horst Preisler und Konrad Völkening; Dr. Karl Lennartz, Günter Hünerhoff, Waltraud Reisert, Bernd Evers, Heinz Klatt, Hans Martin Erdmann; Helmut Urbach, Dr. Bernd Holstiege, Dr. Heiner Gaebell, Gerd Boldhaus, Helmut Reitz, Peter Stephan, Hans Portz, Ingeborg Urbach, Franziska Lüttgen, Sigrid und Harry Arndt...

 

Mit der Gründung der DUV begann zugleich ein neues Kapitel in der deutschen Laufsportgeschichte. Denn die DUV erwies sich vom ersten Jahr ihres Bestehens an als die treibende und organisierende Kraft der deutschen Ultramarathonbewegung, die vor allem in den ersten 15 Jahren fast Jahr für Jahr dem Ultramarathonsport neue und entscheidende Impulse gab. Ich persönlich habe in der Zeit seit 1984/1985 die Entwicklung des Ultramarathonlaufes zu meiner ‚sportlichen Lebensaufgabe’ gemacht und den größten Teil meiner freien Zeit für den Aufbau der DUV und die Förderung des Ultramarathon, auch auf internationaler Ebene, eingesetzt. Auch deshalb liegt mir die weitere Entwicklung der DUV und der deutschen Ultramarathonbewegung (die gegenwärtig durch separatistische Bestrebungen einer Gruppe von Funktionären gestört wird) sehr am Herzen.

Die ‚Geschichte’ der DUV und der Entwicklung des Ultramarathonlaufes in Deutschland in den achtziger und neunziger Jahren liest sich wie eine durchgehende ‚Erfolgsgeschichte’:

Am 29. Dezember 1985 bei „null“ bzw. „zwanzig“ angefangen, wuchs die DUV bis 1987 auf 100 Mitglieder an, 1995 erreichte sie die 1.000-Marke und 2002 hatte sie rund 1.500 Mitglieder. Die DUV ist damit mit weitem Abstand die größte nationale Ultramarathon-Vereinigung der Welt und gleichzeitig auch die mitgliederstärkste Läufer-Organisation in Deutschland. Sie ist die kompetente und anerkannte Interessenvertretung und Fachorganisation der Ultramarathonläufer und –läuferinnen und der Ultramarathon-Lauforganisatoren in Deutschland. Auch eine Reihe von ausländischen Sportlern hat sich wegen der besonderen Serviceleistungen (Fachzeitschrift „Ultramarathon“, „DUV-Statistik-Jahrbuch“, Internationale Deutsche Meisterschaften) im Laufe der Jahre der DUV angeschlossen.

Die Gründe für diese erfolgreiche Entwicklung der Vereinigung sind vielfältig. Eine wichtige ideelle Grundlage des Erfolgs war das Leitmotiv „Gemeinsam sind wir stärker!“, denn dieses Motiv implizierte auch die Verpflichtung und das ständige Bestreben der DUV-Führung, die Interessen und Anliegen aller Mitglieder angemessen zu fördern (Breiten- und Leistungssport, Seniorensport, Straßen- und Bahnlauf sowie Landschaftslauf, 100 km und 50 km, 24 Stunden, 12 und 6 Stunden und auch 48 Stunden/6 Tage...).

Die Initialzündung und den „Großen Sprung nach vorn“ schaffte die DUV mit der sehr erfolgreichen Lösung des Hauptproblems des Ultramarathonlaufes der 70-er und 80-er Jahre, das sofort nach der Gründung der Vereinigung zielgerichtet in Angriff genommen wurde:

Zur Gründungszeit der DUV galt der Ultramarathonlauf einschließlich des 100 km-Laufes als eine zweifelhafte Randsporterscheinung einer kleinen Minderheit von nicht ernst zu nehmenden Außenseitern, die in der Sportöffentlichkeit und auch von den ‚eigenen’ Leichtathletik-Sportfunktionären belächelt und oft genug auch als ‚Spinner’ verspottet wurden. Die bislang existierenden 100 km-Läufe waren ausschließlich Volksläufe und wurden dementsprechend ebenfalls nicht als vollwertige Wettkämpfe angesehen.

Der DUV stellte sich hier deshalb zunächst die fundamentale Aufgabe, den Ultramarathonlauf aus diesem Stadium der Unterbewertung und Nichtanerkennung herauszuführen und zu einer offiziellen Wettkampfdisziplin aufzubauen.

Als erstes wurde von mir eine DUV-Wettkampfordnung und das zukünftige DUV-Wettkampf- und Meisterschaftsprogramm ausgearbeitet. Die Kern- und Schlüsseldisziplin war dabei der 100 km-Lauf. Alle Kraft und Energie wurde zunächst dafür eingesetzt, offizielle Deutsche Meisterschaften des DLV im 100 km-Lauf einzuführen. Das war die schwierigste Aufgabe, weil diese Entscheidung nicht im Zuständigkeitsbereich der DUV, sondern des Deutschen Leichtathletik-Verbandes lag und deshalb hierzu die Zustimmung zunächst der DLV-Landessportwarte, des DLV-Präsidiums und des DLV-Verbandsrates und vor allem aber der Mehrheitsbeschluss der Delegierten des DLV-Verbandtages erreicht werden mussten. Durch einheitliches Handeln und geschicktes taktisches Argumentieren, aber auch durch die Unterstützung des damaligen DLV-Sportwartes Otto Klappert, wurde dieses fundamentale Ziel dennoch in relativ kurzer Zeit erreicht, und schon am 31. Oktober 1987 konnten die 1. offiziellen Deutschen Meisterschaften im 100 km-Lauf in Rodenbach/Hanau mit großem Erfolg durchgeführt werden: Mit über 400 Meldungen, 7 Läufern unter 7:00 Stunden, 75 Finishern unter 8:00 und 200 Finishern unter 9:00 Stunden war die erste DM 100 km die bis dahin leistungsstärkste 100 km-Lauf-Veranstaltung auf der ganzen Welt geworden.

Mit dieser erfolgreichen Premiere der offiziellen Deutschen 100 km-Meisterschaften und der Einführung von offiziellen DLV-Bestenlisten im 100 km-Lauf auf Bundes-, Landes- und Kreisebene gleich im nächsten Jahr 1988 wurde der 100 km-Lauf aus dem ‚sportideologischen Abseits’ herausgeführt und als eine ganz normale Leichtathletik-Disziplin etabliert, wie der Marathon-Lauf, das Straßen-Gehen oder der 10.000 m-Bahnlauf im Stadion.

Hier muss noch angefügt werden, dass dieser Prozess der ‚Aufklärung’ und des Bewusstseinswandels in der Sportöffentlichkeit nachhaltig unterstützt wurde durch das journalistische und schriftstellerische Wirken unseres Gründungsmitglieds Werner Sonntag, der ja vor allem wegen dieser seiner Verdienste später zum DUV-Ehrenmitglied ernannt wurde.

So wurde neben dem rein sportlichen Erfolg der 1. offiziellen 100 km-Lauf-Meisterschaften gleichzeitig auch unter sportsoziologischem und –psychologischem Aspekt der Weg frei gemacht für eine Anerkennung der übrigen Ultramarathon-Disziplinen, die sich jetzt um den ‚Kristallisationskern 100 km-Lauf’ herum ebenfalls Schritt für Schritt entwickeln konnten.

Die zweite wichtige Ultramarathon-Disziplin nach dem 100 km-Lauf ist der 24-Stunden-Lauf. Folgerichtig führte die DUV als nächsten Schritt im Jahre 1989 die „Int. Deutschen Meisterschaften der DUV im 24-Stunden-Lauf“ ein und im selben Jahr auch gleich noch die „Int. Deutschen Meisterschaften der DUV im 100 km-Bahnlauf“. Die erfolgreichen Premieren fanden in Mörlenbach/Odenwald (Organisator Peter Stephan) und in Ronneburg/Hanau (Organisator Harry Arndt) statt. Mit den seit 1989 jährlich durchgeführten DUV-Meisterschaften im 24-Stunden-Lauf wurden gleichzeitig die Voraussetzungen geschaffen für die Bildung einer schlagkräftigen deutschen Nationalmannschaft und ihr stets erfolgreiches Abschneiden bei der 1992 eingeführten „IAU 24 Hours European Challenge under the patronage of EAA“.

Eine Vorreiterrolle übernahm die DUV, als sie schon im Jahr 1990 die ersten gesamtdeutschen Meisterschaften im 24-Stunden-Lauf veranstaltete (Elze, Organisator Jochen Sieper) und somit einen wichtigen Beitrag zur Integration der Ultramarathonläufer und –läuferinnen aus der ehemaligen DDR leistete.

Schon 1987, unmittelbar nach der erfolgreichen Durchführung der ersten DM 100 km, hatte ich den ‚DUV-Perspektivplan’, der in der Fachzeitschrift ‚Leichtathletik’ unter dem Titel ‚Die aktuellen Aufgaben und Ziele der deutschen Ultramarathonbewegung’ erschien, zur weiteren Entwicklung des Ultramarathonlaufes in Deutschland ausgearbeitet und dem DLV (Prof. Steinbach, Heinrich Clausen) als Verhandlungsbasis vorgelegt. Als die nächsten Aufgaben sollten u.a. Deutsche Senioren-Meisterschaften und flächendeckende Landes- bzw. Regionalmeisterschaften im 100 km-Lauf eingeführt und internationale Einsätze einer 100 km-Nationalmannschaft realisiert werden.

So ging der erste, noch von der DUV organisierte und betreute Einsatz von deutschen Athletinnen und Athleten im DLV-Nationaltrikot beim 100 km-Welt-Cup 1988 in Santander/ESP und die Aufstellung und Entsendung der ersten offiziellen DLV-Nationalmannschaft zum 100 km-Welt-Cup 1989 in Paris auf diese Initiative der DUV zurück. Schon von ihren ersten internationalen Einsätzen kehrte die DLV-Auswahl mit dem ersten WC-Meistertitel und weiteren Medaillen zurück. Die Erfolgsserie der deutschen Ultramarathonläufer und –läuferinnen, die 1988/1989 beim IAU 100 km-Welt-Cup und 1992/1993 bei der IAU 24 Hours European Challenge begann, wurde Jahr für Jahr bis 2005 fortgesetzt.

Die Einführung der 100 km-Landesmeisterschaften begann ebenfall schon 1988, und zwar in Hessen (mit Unterstützung des HLV-Sportwartes Werner Palmer) und in Berlin; 1989 folgten Bayern und danach weitere Landesverbände. Die ersten 100 km-Regionalmeisterschaften des Süddeutschen Leichtathletik-Verbandes fanden 1991 in Rodenbach/Hanau statt; 1993 wurden die Westdeutschen und 1995 die Norddeutschen 100 km-Lauf-Meisterschaften eingeführt.

Die Interessen der Senioren spielten im Wettkampfprogramm der DUV von Anfang an eine erstrangige Rolle. Auf ständiges Drängen der DUV führte der Deutsche Leichtathletik-Verband im Jahre 1991 auch die „Deutschen Senioren-Meisterschaften im 100 km-Lauf“ ein, und die DUV selbst zog dann gleich im nächsten Jahr mit der Etablierung der „Int. Deutschen Senioren-Meisterschaften der DUV im 24-Stunden-Lauf“ nach. Bei den anderen DUV-Meisterschaften wurden die Seniorenmeisterschaften gleich von Anfang an mit ausgetragen - immer den Altersklassen-Regelungen der Europa- und Weltmeisterschaften der Senioren (EVAA, WMA) folgend.

Bei der Suche nach weiteren mittel- und langfristigen Entwicklungs- und Wachstumsmöglichkeiten für den Ultramarathonlauf und die DUV kam ich zu der Erkenntnis, dass das unerschöpfliche ‚Lager’ der Marathonläufer die wichtigste ‚Reservequelle’ für den Ultramarathonlauf darstellt. Wir initiierten deshalb 1995 als erstes Land der Erde nationale 50 km-Meisterschaften. Die ersten „Int. Deutschen Meisterschaften der DUV im 50 km-Ultramarathon“, ausgetragen auf der schnellen DM-Strecke in Rodenbach/Hanau, wurden mit über 550 Finishern (sowie 2 Jahresweltbestleistungen, einem Europa-Rekord, zwei deutschen Rekorden und 10 DUV-Altersklassen-Rekorden) auf Anhieb zur größten deutschen Ultramarathon-Straßenlaufveranstaltung überhaupt. Dem deutschen Beispiel folgten die Slowakei, Russland, Italien und andere Länder und 2004/2005 organisierte die IAU ihre „IAU 50 km Trophy“ im internationalen Maßstab.

Mit dieser 50 km-‚Brückendisziplin’ vom Marathon zum Ultramarathon wurden viele Langläufer und auch Triathleten für den Ultramarathonlauf gewonnen, und die Einführung der 50 km-Meisterschaft erwies sich auch als eine geeignete Maßnahme zur „Talentfindung“ für die DLV-100 km-Nationalmannschaft.

In den neunziger Jahren entwickelte sich der Landschaftslauf zum teilnehmerstärksten Ultramarathon-Laufbereich. Den Interessen der Ultramarathonläufer und –läuferinnen folgend, nahm die DUV 1998 auch den Landschaftslauf in ihr Meisterschaftsprogramm auf, und an den ersten „Int. Deutschen Meisterschaften der DUV im Cross- und Landschaftslauf“ in Schwäbisch Gmünd (Organisator Erich Wenzel) nahmen 533 Finisher und 30 Vereins-Mannschaften teil.

Neben dem Meisterschafts- und Wettkampfprogramm und seiner kontinuierlichen Entwicklung und Anpassung an die realen Entwicklungstendenzen spielten bei der ideellen Förderung des Ultramarathonlaufes in Deutschland die beiden periodischen Publikationen der DUV – die DUV-Fachzeitschrift „Ultramarathon“ und das Statistikwerk „DUV-Statistik-Jahrbuch“ - eine hervorragende Rolle. Durch ihre Berichte und Beiträge aus der gesamten Ultramarathon-Szene und durch die regelmäßige Veröffentlichung der nationalen und internationalen Rekord- und Bestenlisten, Dokumentationen zu allen nationalen und internationalen Meisterschaften, aber auch zum Landschaftslauf, sorgten „Ultramarathon“ und „DUV-Statistik-Jahrbuch“ für eine komplexe publizistische Darstellung und ‚Veredelung’ der sportlichen Ultramarathon-Ereignisse auf der ‚geistig-mentalen’ Ebene und konnten so einem fundamentalen Bedürfnis der Ultramarathonläufer und –läuferinnen gerecht werden. Während das „DUV-Statistik-Jahrbuch“ 1991 von mir begründet und unter Mitarbeit von Heinz Klatt und Detlef Wegner sowie der IAU-Statistiker Andy Milroy (GBR) und Gerard Stenger (FRA) herausgegeben wurde, haben sich Udo Lohrengel und Birgit Lennartz durch die Weiterentwicklung und Verbesserung des DUV-Organs „Ultramarathon“ Verdienste erworben. So wurden im Laufe der neunziger Jahre „Ultramarathon“ zur führenden Ultramarathon-Fachzeitschrift und das „DUV-Statistik-Jahrbuch“ (mit IAU-Statistiken) zum führenden Ultramarathon-Statistikwerk der Welt ausgebaut.

Mit dieser komplexen Arbeit der DUV, die alle Bereiche, Ebenen und Aspekte des Ultramarathonlaufes berücksichtigte und integrierte, wurden optimale Bedingungen und Voraussetzungen für die Entwicklung und Förderung des Ultramarathonsports in Deutschland geschaffen. Auf dieser Grundlage konnten dann auch die hervorragenden Erfolge der deutschen Ultramarathon-Nationalmannschaften des DLV errungen werden. So konnte sich Deutschland gleich von Anfang an, als 1988 der IAU-100 km-Welt-Cup unter dem Patronat der IAAF und 1992 die IAU-100 km-Europa-Meisterschaft und die IAU 24 Hours European Challenge unter dem Patronat der EAA eingeführt wurden, in der Welt- und Europaspitze etablieren. Von 1988 bis 2005 wurden von den Athletinnen und Athleten der DLV-Ultramarathon-Nationalmannschaften bei den Welt- und Europa-Meisterschaften mehr als 50 Medaillen gewonnen; die DLV-Nationalteammitglieder waren fast durchweg Mitglieder der DUV, wobei sich Michael Sommer im 100 km-Lauf und Jens Lukas im 24-Stunden-Lauf die größten Verdienste erwarben. Mit dieser Erfolgsbilanz gehört Deutschland zusammen mit Russland und Frankreich zu den drei erfolgreichsten Ultramarathon-Nationen der Welt.

Lesen Sie im nachfolgenden Beitrag von Harry Arndt: „Gemeinsam sind wir stärker!“ - Aufruf zur Einheit der deutschen Ultramarathonbewegung

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