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Berichte / News

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Gert Mertens berichtet über "das Doppelrennen"

„Bist du verrückt?“ sagten einige zu mir. „50Km und dann 6 Tage später einen 6-Stundenlauf.“ Nein, verrückt bin ich nicht, aber ehrgeizig. Und ich kenne inzwischen meinen Körper ziemlich gut und weiß, dass er einiges verkraften kann.
Als Ziele hatte ich mir für Bottrop eine Zeit unter 3St.30‘ und für Troisdorf eine Distanz über 80Km gesetzt. Selbstverständlich nur bei guter Witterung, denn letztes Jahr hatten wir in Troisdorf während des ganzen Rennens Dauerregen und dann war über 80Km nicht drin.


In diesen beiden Rennen wollte ich mich als DUV-6-Stundencupsieger 2010 mal im DUV-Outfit zeigen und so ein Dankschön sagen für die Unterstützung, die ich in diesem Jahr vom DUV bekommen habe. Auch konnte ich mit zwei guten Resultaten vielleicht die Entscheidung im Marathon- und Ultracup 2011 forcieren.


Das Wetter in Bottrop war einfach fantastisch: Sonne und etwa 15°. Ich konnte also wie geplant im DUV-Singlet laufen und die Socken vom DUV-Sponsor Wrightsock austesten. Diese Socken versprachen trockene Füße und keine Blasenbildung wegen der doppellagigen Struktur. Wegen meiner Wettkampfschuhe hatte ich in meinen vorigen Rennen immer Blutblasen und das wollte ich jetzt absolut vermeiden, da ich 6 Tage später schon Troisdorf laufen wollte. Ich war gespannt, ob die Socken ihr Versprechen halten würden.


Von Anfang an ließ es sich locker laufen: 4‘ bis 4‘10“ pro Kilometer. Johan Watthy, mein Landsmann und Teamkollege im belgischen Nationalteam, der auch das Doppelrennen geplant hatte, begleitete mich in den ersten Kilometern. Dann ging er ein wenig runter vom Gas und so lief ich ganz allein auf Platz 4. Bernhard Munz und Ralf Preibisch verschwanden allmählich außer Sichtweite. Nur Jan-Hendrik Hans hatte ich noch vor mir, aber nach etwa einer halben Runde lief auch er von mir weg. Nun war ich alleine und konnte mich voll auf mein körperliches Gleichgewicht und die schöne Natur um mich herum konzentrieren. So lauf ich eigentlich am liebsten. Läufer, die mit einem IPod laufen, versteh ich wirklich nicht. Das lenkt ab vom Herzschlag, vom Atem, vom Rhythmus der Füße, von diesem schönen Gefühl unaufhaltsam und endlos laufen zu können.


Beim Rennen in Bottrop läuft man zwei Runden von 25Km. Die letzten 3,4Km werden jedes Mal hin und zurück gelaufen. Ein taktisch sehr interessantes Merkmal dieses Rennens. Man erhält so einen Überblick der Position der Gegner. Aber nicht nur das. Man kann die Gegner ins Gesicht schauen und so einschätzen in welcher körperlichen und mentalen Verfassung sie sind. Höchst interessant!


Wie erwartet hatte Ralf Preibisch inzwischen die Führung übernommen. Er war voll konzentriert und lief ganz kräftig. Sein Vorsprung betrug etwa 4 Minuten. Bernhard Munz folgte nach etwa einer halben Minute und er hatte deutliche Zeichen der Ermüdung im Gesicht. Er hatte zwar noch einen ziemlich großen Vorsprung, aber den konnte ich mir in den nächsten 25 Kilometern vielleicht noch schnappen. Jan-Hendrik Hans war kurz hinter ihm und würde ihn schnell überholen. Er lief noch ganz kräftig, aber auf 25Km kann allerhand passieren und er sah auch noch jung und unerfahren aus.


Hinter mir war nicht gleich jemand. Mit gut 3 Minuten Rückstand sah ich den ersten Verfolger. Und … er sah mich, sah mir ins Gesicht genauso wie ich es kurz zuvor bei den anderen gemacht hatte. Er war voll konzentriert und suchte nach Zeichen der Schwäche. Er war also auch auf der Jagd. Hiermit wurde ich Jäger und Beute zur gleichen Zeit. Mein Tempo blieb aber konstant, nur beim Trinken verlor ich mehr Zeit als in der ersten Runde. Wie erwartet holte ich Bernhard Munz nach etwa 41Km ein und konnte mich problemlos von ihm absetzen. Ralf Preibisch gewann das Rennen überlegen in 3St.16‘24“. Jan-Hendrik Hans hatte es am Ende schwierig, aber konnte aus meiner Reichweite bleiben. Ich musste ja auch noch ein wenig Reserven für Troisdorf sparen. Mein Verfolger, Jörg Heiner, lief genauso wie ich es ihm vom Gesicht abgelesen hatte eine schnelle zweite Runde. Mein Vorsprung war aber groß genug und ich beendete das Rennen als Dritter in 3St.25‘27“, eine persönliche Bestzeit.


Die Wrightsocks hielten ihr Versprechen: ich hatte keine Blasen. Meine Füße waren also unversehrt und startbereit für den 6-Stundenlauf in 6 Tagen. Die Beine waren es aber noch nicht!


6 Tage später lief ich die erste Runde in Troisdorf. Mein Ziel (+80Km) schien mir unerreichbar, weil meine Hamstrings sich noch nicht von der welligen Strecke in Bottrop erholt hatten. Die erste Stunde lief ich daher etwas langsamer in der Hoffnung so die Hamstrings zu entspannen. Es war aber vergebens. Da entschloss ich mir, die körperlichen Signale zu ignorieren und die mentale Kraft einzusetzen: Geist über Körper. Ich erhöhte das Tempo und jagte den Führenden nach. Wie lange der Körper durchhalten würde, war die große Frage. Als ich nach fast 4 Stunden von Rang 7 auf Rang 2 vorgerückt war und noch etwa 300m hinter dem führenden Jörg Hooss lag, bekam ich Krämpfe in den Hamstrings. Runter vom Gas also, extra trinken und Magnesium- und Salztabletten schlucken (danke Udo, Paul und Rik!). Johan Watthy lief an mir vorbei (er gewann das Rennen mit 81,698Km), aber zum Glück fand ich recht schnell ein akzeptables Tempo. Am Ende des Rennens holte ich sogar Jörg Hooss noch fast ein. Somit wurde ich wieder Dritter mit 80,709 Kilometern. Ich hatte mein zweites Ziel also erreicht und auch dieses Mal hatte ich keine einzige Blase an den Füßen. Die Wrightsocks sind wirklich Wundersocken. Sie werden mir noch viel Freude bereiten, wenn ich 2012 noch längere Distanzen laufen werde.
Das Endresultat meines Doppelrennens: 2 Podestplätze, eine persönliche Bestleistung und der Endsieg im Marathon- und Ultracup.
 

2011 wurde trotz einiger Rückschläge also doch noch ein Superjahr!
 

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Nein, 100 Meilen laufe ich bestimmt nicht. 100 km sind weit genug, alles andere überlasse ich den echten und harten Ultraläufern. Für so ein Kurzstreckenrennerle wie mich ist das nichts.

Aufgrund der ausgeprägten Liebe zu meiner Heimat meldete ich mich dennoch 2010 für den KuSuH 100 Meilen Trail in Oberderdingen an, um mich dann im Sommer doch anders zu ent-scheiden und im Herbst statt 100 Meilen 42,2 km zu rennen. Beides schien mir wenig ratsam. Die 100 Meilen habe ich dennoch begleitet, denn Jochen lief und ich schaute zu. Hm. Irgend-wie ließ mich das nicht los. Ein 100 Meilenlauf auf unseren Trails, auf unseren Wegen, durch unseren Wald (und natürlich weit darüber hinaus, denn so weit kommen wir im Training dann doch nicht).

Als mich die Einladung für den 2. Kusuh erreichte, überließ ich eine Teilnahme dem Schicksal. Ich ließ mich auf die Warteliste setzen, um noch etwas länger Zeit zu haben, über meine Pla-nungen für den Herbst 2011 nachzudenken. Insgeheim hoffte ich, dass der Kelch an mir vorü-ber geht – oder doch nicht? Als im späten Frühjahr ein Platz frei wurde, war es mir lieber, einer anderen Wartelistenläuferin den Vortritt zu geben, noch einmal drückte ich mich vor der Ent-scheidung, wohl wissend, dass das nicht mehr lange möglich sein wird. Nach den 100 km von Theillay erreichte mich eine Email von Höfles, ich solle mir doch endlich einen Ruck geben. Also, ich rückte und stand auf der Startliste. Ich dachte mir, dieses Jahr ist eh alles anders als geplant, dann laufe ich nun auch noch 100 Meilen. Wann wenn nicht jetzt, auch wenn Jochen ernsthafte Bedenken äußerte und mir noch mal alle menschenmöglichen Probleme bei einem 100 Meilenlauf aufzählte.

Je näher der Tag kam, desto mehr freute ich mich auf den Lauf. Mein Gefühlszustand wech-selte zwischen Gelassenheit und Nervosität, wobei glaube ich, die Gelassenheit dominierte. Wir wollten zusammen laufen und hofften darauf, dass sich dies auch in die Realität umsetzen lässt, denn 100 Meilen sind lang. Das hatte ich schon vor dem Start verinnerlicht. Auch ohne die vielen guten Ratschläge aus meiner ultralaufenden Umgebung.

Morgens um 8 Uhr wurden wir in Oberderdingen auf die lange Reise geschickt. Mit der Strecke hatte ich mich ausgiebig beschäftigt, ich wusste also, was mich erwartet. Unzählige schöne Trails, Feld-, Wald- und Wiesenwege, steile Anstiege und ebensolche Abstiege. In der Summe mehr als 3.200 Höhenmeter. Dass Wolfgang Höfle dieses Jahr noch ein paar besondere Schmankerl wie vollkommen wegelose Anstiege, eine Bachdurchquerung, Abstiege durchs Dornengestrüpp oder üble Kartoffelacker eingebaut hatte, nur um 10 Meter Asphalt zu vermei-den, gefiel mir persönlich nicht, aber da musste ich nun durch. Er kann ja nichts dafür, dass hier unsere Vorstellungen vom Laufen sehr weit auseinander liegen. Er meidet Asphalt konse-quent und ich laufe gerne auf befestigtem Untergrund.

Ich lief von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation und machte mir keine Gedanken, wie weit der Weg jeweils noch ist. Im Großen und Ganzen genoss ich die Lauferei, von ein paar Problemchen mal abgesehen. Leider waren wir nach 12 Stunden noch nicht ganz so weit wie gedacht und mussten unsere Lampen früher herauskramen als gewünscht. Es war ein wenig zäh, bis wir Knittlingen erreichten – endlich über 100 km! Ich zog mich für die weitere Nacht etwas wärmer an und packte noch zusätzliche Ersatzbatterien ein. Dann liefen wir weiter durch die Dunkelheit. Mit der Markierung der Strecke hatte ich keine Probleme, allerdings war ich an jeder Ecke voll konzentriert und lief nie (nur ein Mal und das war dann auch gleich falsch) ohne eine Markierung zu sehen weiter. Meistens blieb ich stehen, suchte so lange die Markierung, bis ich mir ganz sicher war.

Wir kamen weiter sehr gut voran und ich war wirklich glücklich darüber, mich für den Kusuh entschieden zu haben. Bekanntlich soll man den Tag ja nie vor dem Abend loben bzw. 100 Meilen nicht vor dem Ziel. Etwa ab km 130 konnte ich nichts mehr essen! Mein Magen war wie zugeschnürt und mir war schlecht. Ich mag diese ganzen Sachen an den Verpflegungen (egal wie schön sie angerichtet sind) ja sowieso beim Laufen nicht, esse daher fast nur Gels, und auf die war bisher immer Verlass. Ok, 100 Meilen sind eben anders. Ich hätte nie gedacht, dass ich irgendwann keine Gels mehr essen kann. Es kam wie es kommen musste, der Akku war leer, völlig leer. Mir war schlecht, ich lief Schlangenlinien und konnte kaum mehr die Beine heben. Ich dachte immer, „Nicole, Du musst essen, dann läuft es wieder“, aber der Gedanke ans Esssen verursachte nur einen Würgereiz. Ich verfiel in einen wunderbaren Martina Hausmann-Schritt und hatte dabei die Worte von Klaus im Ohr, dass ich mich immer weiter bewegen muss, egal wie langsam ich bin, egal wie sehr ich leide.

Irgendwann hatte Jochen genug von dem Geschlurfe und zwang mir ein Gel auf – es kostete Überwindung, aber es blieb in meinem Magen drin! Juhu! Und wenige Minuten später lief ich wieder. Oder was man nach 150 km eben noch so laufen nennen mag. Der Weg ins Ziel dau-erte dann auch nicht mehr so lange, nach 21 h 56 min waren wir da! Richtig freuen konnte ich mich erstmal nicht darüber, ich war einfach nur froh, dass ich nicht mehr weiterlaufen musste und dass ich endlich den ganzen Dreck von mir runterwaschen konnte. Mich überfiel eine blei-erne Müdigkeit, die ich bis dahin nicht gespürt hatte. Die volle Konzentration und das Ziel, 100 Meilen zu laufen, hatten mich abgelenkt. „Wolfgang, also das brauch ich kein zweites Mal“, was dieser schelmisch lachend zur Kenntnis nahm und meinte, dass er nichts anderes erwartet hätte. Mit ein wenig Abstand sieht die Sache ganz anders aus. Wiederholung nicht ausge-schlossen – wenn ich mir auf der Karte anschaue, wo wir überall herumgelaufen sind, bin ich unglaublich stolz und froh darüber, den Kusuh gefinisht zu haben. Mal abgesehen von den tollen Stimmungen und Erlebnissen auf der Strecke. Was wir in der Nacht im Wald alles gese-hen und gehört haben! Was diese possierliche Siebenschläferfamilie wohl über uns gedacht hat? Besser ich weiß es nicht. Sie würden jedenfalls bestimmt nicht freiwillig 100 Meilen laufen. Aber das habe ich ja auch einmal gesagt.
 

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Tobias Hegmann erzählt:

Der Churfrankentrail73km mit 1800 Höhenmeternist so etwas wie mein Heimlauf. Einige Teile der Strecke kommen mir noch sehr bekannt vor. Hier haben mich meine Eltern vor langer Zeit zu langen Wanderungen mitgenommen. Der Lauf ist also auch ein bisschen Kindheitserinnerung für mich. Aber auch für alle anderen ist das ein wirklich schöner Wettkampf. Die Strecke wurde dieses Jahr noch mal verbessertnoch mehr Trails, weniger Teer. Also freute ich mich als Titelverteidiger schon sehr und hatte mir auch einiges vorgenommen. Obwohl die Strecke diesmal etwa einen Kilometer länger war wollte ich unter 6 Stunden bleiben (letztes Jahr 6:02 Std).


Der Lauf wird auch als Staffel angeboten, für 2er und 5er Teams. Für die Ultras hat das den Vorteil, dass man immer wieder Zwischenziele hat, an denen auch immer ordentlich was los ist. Start war in Miltenberg am Main, Ziel in Sulzbach am Main. Zu sehen gibt es einiges: Die schöne Altstadt von Miltenberg, das Kloster Engelburg, die Clingenburg, den Galgenberg und natürlich jede Menge Natur und Trails. Die beiden ersten Abschnitte bin ich diesmal noch etwas vorsichtiger angegangen, da ich meinen Einbruch vom letzten Jahr noch vor Augen hatte. Nach 14 Kilometern übernahm ich dann die Führung und konnte gleich einen kleinen Vorsprung herauslaufen. Auf dem dritten Abschnitt folgt der längste Anstieg und nach 29 Kilometern kam endlich die erste Staffel von hinten, die 15 Minuten nach uns gestartet war. Bald war das nächste Etappenziel auf der Clingenburg erreicht, dann wieder ganz runter und über die Mechenharder Treppen, quer durch den Wald, wieder nach oben. Hier ging es mir letztes Jahr schon ziemlich schlecht, diesmal konnte ich sehr flott durchlaufen, hatte so auf der 4. Etappe 7 Minuten herausgelaufen und war damit klar auf Kurs zum neuen Streckenrekord. Zusätzliche Motivation bekam ich dann durch einen Staffelläufer, der zwar zu mir aufschließen konnte, aber nicht vorbeikam. Dann schaffte ich es sogar noch eine Zweierstaffel die mich schon am frühen Morgen abgehängt hatte, wieder einzuholen. Inzwischen war es schon recht heiß geworden, aber hier im Wald bekam man gar nicht so viel davon mit. Jetzt noch einen Kilometer bergab nach Sulzbach. Hier konnte ich meine Tochter im Babyjogger noch in Empfang nehmen und nach 5:56:52 Stunden war mein 2. Sieg perfekt.
 

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Göttliche Bäume und teuflische Hunde


Wenn man den Namen Amsterdam hört, kommen einem gleich Bilder von Booten voller Touristen auf den Amsterdamer Gräben, aber an einen Wald denkt man da nicht. Aber doch gibt es so ein prächtiges Stückchen Natur unweit von Amsterdam. Im sogenannten Amsterdamer Wald organisiert das niederländische Sri Chinmoy Team jährlich einige Ultraläufe. Im Juni lief ich da in warmen Verhältnissen eine gute Zeit bei einem 50K Rennen. “Werde ich das auch heute schaffen? Oder werde ich wie vor drei Wochen bei der WM 100K in Winschoten einbrechen?” Diese Fragen gehen mir durch den Kopf vor dem Start vom Self Transcendence 6Stundenlauf. Dank der kühlen Nacht ist die Temperatur noch angenehm, aber es soll ein wolkenloser Tag werden. Zum Glück ist die Strecke ziemlich schattenreich (75% unter den Bäumen) und die Stücke in der Sonne sind immer eher kurz. Das gibt mir Vertrauen. Ich will meine Runden (1678m) in 7’30” laufen, damit ich etwa 80K schaffe. Der Streckenrekord steht bei 79K. Wenn ich am Ende also ein wenig langsamer werde, müsste es zum Streckenrekord noch reichen. Es sei denn, dass ich wie in Winschoten nach 50K einbreche. Es gibt aber einige wichtige Unterschiede: die Temperatur wird vermutlich 2 Grad niedriger sein, die Luftfeuchtigkeit ist weniger, es gibt mehr Schatten und keinen Wind. Mein Fuß (Bänderriss) hat 3 Wochen extra Zeit zur Heilung gehabt und … die sommerliche Wärme hält schon eine Woche an, also mein Körper hat sich schon ein wenig anpassen können.

Nach dem Startpfiff übernehme ich gleich die Führung. Zwei Runden später weiß ich, dass ich ein Stück schneller laufen kann als geplant: unter 7’15” die Runde statt 7’30”. Selbstmord? Vielleicht, aber wenn man eine Spitzenleistung erbringen will und man fühlt, dass es locker läuft, muss man etwas riskieren. Wenn’s dann nicht klappt, hat man’s wenigstens versucht.
Nach mehr als 4 Stunden drehe ich immer noch wie eine Schweizer Uhr meine Runden.Könnte es sein, dass ich endliche mal das “Perfekte Rennen” (für mich wäre das der doppelte Marathon in 6 Stunden) laufe? Nein, bei dieser Temperatur ist das unmöglich, aber ein Resultat über 83K ist durchaus möglich. Ich bin wie unermüdlich. Kurz danach wird der Traum wie eine Glaskugel von einem unvorsichtigen Hundebesitzer zerschmettert. Er schmeißt gerade vor meiner Passage einen Stock ins Wasser, dem drei Hunde hinterherstürmen. Die ersten zwei rasen an mir entlang, aber der dritte prallt voll auf mein linkes Bein. Weil der rechte Fuß noch nicht völlig ausgeheilt ist, knicke ich ihn um. Ich schreie auf wegen der Schmerzen. Weg ist der Traum vom perfekten Rennen. Ich heule vor Wut und Enttäuschung. Laufen geht nicht mehr. Ich drücke mit der Hand auf der Schmerzensstelle und versuche die Muskulatur zu lockern. Inzwischen fluche und brülle ich einige Male laut. Das Adrenalin, das dabei freigesetzt wird, lindert die Schmerzen und die Muskulatur lockert sich wieder ein wenig. Ich fange wieder langsam zu laufen an und entschließe mich zu versuchen extra Adrenalin freizusetzen. In den nächsten zehn Minuten laufe ich wie ein Verrückter durch den Park: ich rufe, brülle, beiße die Zähne zusammen, stöhne und versuche richtig böse zu werden. Was die anderen Leute im Park in dem Moment wohl über mich gedacht haben. Aber das ist mir Wurst. Ich will mein Rennen retten! Und es funktioniert. Die Schmerzen verschwinden allmählich und ich kann wieder richtig laufen. Zwar nicht mehr so schnell wie zuvor, aber immerhin. Die Stabilität des Fußes ist geringer und dadurch lassen die Kurven und einige ungerade Stellen sich schwieriger laufen. Ich kompensiere mit links, aber dadurch verkrampft in der letzten Stunde die Muskulatur links. Ich bekomme es aber schnell im Griff und weiter geht’s. 82K ist immer noch möglich. Wenn dann kurz vor der letzten halben Stunde wieder ein Hund auf mich springt, bekomme ich wegen der unerwarteten Ausweichbewegung erneut einen Krampf. Verdammt, wieder stehe ich still. Aber auch diesen Krampf bekomme ich im Griff und die letzten Runden kann ich sogar wieder etwas schneller laufen. Unter 7’15”!

Mein Endspurt sorgt für ein Endresultat von 81,791K. Den Streckenrekord habe ich um fast 3K verbessert und meinen persönlichen Rekord um 69m. Damit bin ich sehr zufrieden. Bei kälteren Temperaturen und ohne Hunde ist noch viel mehr drin. Wer weiß, vielleicht schaffe ich meine Traumdistanz in Zukunft doch noch.


Ich muss mich bei den Helfern, Zuschauern und Laufkollegen bedanken. Ohne deren Ermutigungen wäre meine Leistung wahrscheinlich nicht möglich gewesen.
Gert Mertens
 

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Kai Horschig berichtet von seinem Urlaub

Da unser Jahresurlaub dieses Jahr nach Canada führen sollte habe ich mal ganz unverbindlich im DUV- Terminplan nachgeschaut ob nicht zufällig ein für mich interessanter Lauf in der Nähe eines unserer Reiseziele stattfindet. Relativ kurzfristig habe ich mich dann für den 24-Stundenlauf in Cleveland entschieden. Cleveland liegt im US Bundesstaat Ohio am Lake Erie, was nicht weit von Canada entfernt ist.


Im Rahmen dieses Laufes wurden die US Meisterschaften durchgeführt. Als Anreiz für die US Teilnehmer mit Lizenz winkten 1500, 1000, und 500 US Dollar für die jeweils ersten drei Männer und Frauen. Zusätzlich sind die jeweils ersten zwei für die WM im kommenden Jahr qualifiziert.


Nach der Anreise am Donnerstag konnte ich mich am Freitag noch etwas ausruhen und noch diverse Verpflegung einkaufen. Start war dann am Samstagmorgen um 09.00 nachdem zuvor jeder Starter und die Funktion seines in der Startnummer integrierten Messchip überprüft wurde. Vor dem Start wurde noch durch eine Teilnehmerrin die Nationalhymne gesungen.
Zu Beginn war es noch recht kühl was sich aber im Laufe des Tages als die Sonne herauskahm schnell änderte und ich mich regelmässig mit Wasser abkühlen musste.


Die Laufstrecke von ca. 1.4 km führte durch einen öffentlichen Park am See entlang. Viele Einheimische nutzten das schöne Wetter um den Tag beim Grillen und Spielen hier zu verbringen. So hatte man immer was zu sehen und konnte sich ablenken.
Für mich lief das Rennen relativ problemlos. Nur die relativ kalte Nacht und plötzlich starker Gegenwind am Seeufer machten mir etwas zu schaffen. Verpflegt habe ich mich während des gesamten Laufes ausschliesslich vom meinem mitgebrachten Gel. Am offiziellen Verpflegungstisch gab es unter anderen Sandwich und Pizza, was auch in grossen Mengen verzehrt wurde, aber nicht unbedingt den Bedürfnissen meines Läufermagens entsprach.


Den Wettkampf beendete ich auf dem dritten Platz mit 234,256 km. Mit dieser Leistung bin ich aufgrund einer recht kurzen Vorbereitung sehr zufrieden. Nach dem Lauf gab es für alle Teilnehmer und Betreuer einen gemeinsamen Brunch bis anschliessend die Siegerehrung durchgeführt wurde.
 

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Tobias Hegmann war als Sieger des Rodgauer 50ers zum Finale der IAU 50 km-Trophy ins niederländische Assen eingeladen. Hier ist sein Bericht:

Der Muskelkater ist weg, gestern bin ich wieder meine erste kleine Runde gelaufen, da wird es auch Zeit, endlich mal den Bericht zu schreiben.
Nach 5 Tagen Kurzurlaub an der Nordsee fuhren wir Freitag früh los nach Assen. Nachdem wir ins Hotel eingezogen waren und die Strecke mal abgegangen waren, folgte schon der erste offizielle Teil: Auf dem Marktplatz (der gar nicht so einfach zu finden war) wurden die Athleten vorgestellt und interviewt. Ein sehr unterhaltsamer Auftakt. Ich wurde fast vergessen, aber als Letzter durfte ich dann doch noch meine Prognose für das Rennen abgeben: Neue PB, so um die 3:07 Std. Danach versuchte ich verzweifelt am Technical Meeting teilzunehmen, was aber wegen falscher Infos nicht gelang. Immerhin bekam ich später noch meine Startnummer (4) und die Infos auf Papier.
Am Samstag morgen wurde es schon ordentlich warm. Kurzfristig wurde dann noch das Garminverbot aufgehoben und so konnte es um 10 Uhr gut gerüstet los gehen. Vorne machten die Schwarzen gleich ordentlich Dampf und dahinter bildete sich bald eine größere Gruppe. Das Tempo passte super, die Kilometer knapp über 3:40min. Ich hielt mich mitten in der Gruppe auf und fühlte mich sehr gut. Die erste 5 Kilometerrunde hatten wir nach 19:15min geschafft. Unsere Gruppe bestand noch aus etwa 7 Läufern. Vorne machte vor allem Grazys Vitautas (LTU) das Tempo und bald waren wir nur noch zu viert: Vitautas, Russel Maddams (GBR), Julian Rendall (GBR) und ich. So liefen wir ein sehr gleichmäßiges Tempo bis zur Halbzeit. Die nächsten Runden in 18:32, 18:24, 18:23, 18:25. Dann verlor Vitautas den Anschluss und wir liefen als Trio weiter. Die Strecke war sehr flach, größtenteils aus Asphalt, aber doch insgesamt etwa 1,5 Kilometer Waldwege und Kopfsteinpflaster pro Runde. Besonders das Kopfstein fängt dann irgendwann an weh zu tun. Die nächsten beiden Runden waren mit 18:45 und 18:49 etwas langsamer, aber wir nahmen immer noch Kurs auf eine Zeit zwischen 3:05 und 3:06Std. Maddams beschleunigte etwas und setzte sich jetzt nach vorne ab. Bisher waren wir nur am überholen gewesen und hatten uns auf die Plätze 9-11 vorgearbeitet. Zusammen mit Rendall lief ich bei km 40 nochmal durchs Stadion (Runde in 19:05), dann musste ich abreißen lassen. Jetzt wurden die letzten 10km zur Qual. Ich versuchte mich zu motivieren, die Marathonmarke passierte ich noch in 2:38:05 min. Ich hätte die letzten beiden Runden nur unter 20min laufen müssen, dann wäre noch eine neue Bestzeit heraus gekommen. Aber bei mir war Feierabend. 20:59min für die neunte. Ans Aussteigen dachte ich nicht eine Sekunde, aber die Motivation war weg. Ich musste mal, die Beine schmerzten, die Sonne brannte herunter, ich wurde von Läufern überholt, die ich vor einiger Zeit überrundet hatte. Alles Sachen die nicht wirklich Spaß machen. Auf der letzten Runde musste ich dann auch noch zwei Plätze abgeben, Vitautas war plötzlich wieder da und Ben Nephew (USA) zog auch vorbei. Zwei Damen kam auch noch von hinten, allerdings hatte ich die auch schon mal überrundet. 24:31min für die letzten 5 km. Ok, da war noch etwa 1 Minute Pinkelpause dabei. Trotzdem lauf ich normalerweise im lockeren Training mit Babyjogger schneller. Als ich endlich das Stadion erreichte war ich schon frustriert, aber auch erleichtert, dass es endlich um war. 3:15Std. Gerade noch vor Emma Gooderham (GBR, 3:17:30Std), der ersten Frau.
Das ist ja keine wirklich schlechte Zeit für 50km, aber ich hatte mir halt wesentlich mehr vorgenommen.
Mittlerweile bin ich einfach froh, dass ich die Qualifikation zu so einem hochkarätigem Rennen geschafft habe und dabei sein durfte. Und Platz 13 kann sich sehen lassen. Vielleicht schaffe ich es nächstes Jahr wieder ins Finale, dass dann in Italien statt finden wird. Und dort wird dann alles noch ein bisschen besser.


Die ersten 20:
1. Eliot Kiplagat Biwott KEN 2:54:53
2. Pieter Vermeesch BEL 2:57:23
3. Kaito Iwayama JPN 2:59:12
4. John Wachira KEN 3:02:33
5. Eliya Mogoboya RSA 3:03:55
6. Russel Maddams GBR 3:05:24
7. Paul Fernandez England 3:09:18
8. Julian Rendall GBR 3:09:54
9. Ralf Preibisch NED 3:10:55
10. Claude Moshiywa RSA 3:11:12
11. Ben Nephew USA 3:13:21
12. Grazys Vitautas LTU 3:14:39
13. Tobias Hegmann GER 3:15:01
14. Walter Sartor ITA 3:16:19
15. Emma Gooderham GBR 3:17:30
16. Francis Ingles FRA 3:18:20
17. Joshua Ferenc USA 3:20:00
18. Martin Veenhuizen Tynaarlo 3:21:21
19. Bernard Roelen Utrecht 3:21:38
20. Alfred Roelen Hillegom 3:22:52
 

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Elke Musial gewann die 100 km in Leipzig. Hier sind ihre Eindrücke:

Kurzfristige Entscheidung -100km Auensee
Am 13.08.11 fand am Auensee in Leipzig der traditionelle 100km Lauf statt. Die Entscheidung, zu laufen, fiel sehr spät, da ich wieder mal oder immer noch Rückenprobleme hatte. Jeden Tag schaute ich aufs Wetter. Ich hoffte auf kühle Temperaturen, aber zum Wochenende sollte es wärmer werden. Egal, ich entschied mich für den Lauf. Bis zum Thüringen Ultra hatte ich gut trainiert und hoffte, dass mein Körper in den 5 Wochen nicht alles vergessen hatte, da ich nur sehr eingeschränkt gelaufen bin in dieser Zeit. Ich sollte es spüren.


Morgens zeitig aufstehen, aber ich war wach, da sich der Kopf mit dem Lauf beschäftigt hat. Ich frühstückte dann mit Antje Krause, ebenfalls Ultraläuferin, die bei uns schlief und schon ging es los. Kaum dass wir im Auto saßen, tröpfelte es vom Himmel. Klasse! Aber das war noch nichts, denn als wir aus dem Auto ausstiegen goss es in Strömen. Sofort begann die Überlegung, was man wohl anzieht und bei mir gab es den Moment, wo ich meine Anmeldung bereits bereute. Bis zur letzten Minute standen wir unter dem Dach, dann schnell zur Startlinie und schon ging es los.

Plötzlich war der Regen egal und störte auch nicht. Fast wünschte ich, dass es so bleibt, denn kaum dass der Himmel aufriss, wurde es feuchtwarm, so dass man nicht wirklich Luft bekam. Die Wege waren matschig und aufgeweicht. Es strengte an. Positiv war die Ablenkung, die man hatte, wenn man auf die Beine vom Vordermann schaute und beobachtete, wie die Beine mit jedem Schritt dreckiger wurden. Anfangs lief alles gut – 2 Runden konnte ich mit Hans Albert rennen, aber er liefnur“ 50km und so musste ich sehr auf mein Tempo achten. Danach lief Antje eine ganze Weile vor mir. Alles war rund und leicht, aber ich fragte mich schon da, was nach km 50 passiert, wenn viele aufhören dürfen, die Strecke leerer ist und ich höchstwahrscheinlich alleine laufen muss.

Der Hammer kam dann auch. Ich rutschte in ein Tief und die Wärme quälte mich. Ich beneidete die Leute, die schon fertig waren, lächeln fiel mir schwerer und ich beschloss in dem Moment, keinen 100er mehr zu laufen. Das war wohl ein Fehler, aber man bekommt den Kopf nicht leer. Ich versuchte, all das Schöne zu sehen – den Graureiher im Auensee, die dicken Schnecken mit großem Haus auf dem Weg, die lieben Leute am Rand, die auf mich warteten, mein Glückssteinchen in der Tasche.... Es half nichts. Ich wünschte nur noch anzukommen. Man läuft in Runde 7 und denkt: „Klasse, schon über die Hälfte!“ Gleichzeitig setzt die Rechnung ein: „Oh Gott, noch 40km!“

Man sagt sich: „Okay, wenn du in der nächsten Runde an gleicher Stelle bist, wird es sicher besser.....“ Es wurde aber nicht besser. Die Füße taten weh und ich hatte schon ewig das Gefühl, dass ein Stein im Schuh war. Also zog ich die Schuhe und die Socken aus, da der Schmerz unerträglich war. Leider war es kein Steinchen. Der Zeh war blau. Socken, Schuhe wieder anziehen und Zähne zusammen beißen. „ Es sind ja nur noch 24 km.“ Ich laufe weiter alleine und der Radfahrer fährt mit gleichmäßigem, surrenden Geräusch, vor mir her.


Antje motivierte mich und meinte, dass ich die Norm 8:35h noch schaffen kann, aber ich glaube, ich wollte es nicht hören. Ich sah es ja auch auf meiner Uhr, aber ich hätte eben ein klitzekleines bisschen schneller laufen müssen auf den letzten 2 Runden. Zu spät, vorbei... Zieleinlauf...Endspurt (es war also noch ein wenig Kraft übrig)....1.Frau mit recht großem Abstand zur Konkurrenz....8:37,04h..... nicht wirklich Freude, nur Erleichterung... geschafft, durchgelaufen, nicht dem Wunsch nachgegangen unterwegs aufzuhören.... liebe Glückwünsche von allen Seiten....einfach nur duschen gehen, sich berieseln lassen, tut gut, aber hilft nicht , die Gedanken wegzuspülen....Massagezelt.... mit Freunden reden, aber irgendwie geht es mir nicht gut. Der Kreislauf streikt, denn meine Versorgung beim Laufen war nicht optimal.

Wir fahren erst mal nach Hause, … hinlegen, Beine hoch, sehr angenehm. Zur Siegerehrung geht es mir wieder besser und schon ist die Energie wieder da, um noch zum Geburtstag zu gehen.


Die Nacht bietet nicht viel Schlaf. Jede Bewegung schmerzt und es meldet sich der Hunger. Ich stehe zeitig auf, esse etwas und lese. Die 2 Minuten, die mir für die WM-Norm fehlen gehen nicht aus meinem Kopf, aber es ist nicht mehr zu ändern.
Somit danke ich allen, die mich im Vorfeld motiviert haben, die mich an der Strecke unterstützten, manchmal auch mit weniger passenden Bemerkungen (Sascha :-))))))) und dem LC Auensee, der den Lauf wieder super organisiert und betreut hat.
 

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Drei der vier deutschen Teilnehmer an der Trail-WM in Connemara/IRL gehörten unserer Fördergruppe an. Wir veröffentlichen deshalb an dieser Stelle die Erlebnisberichte von Tobias Hegmann, René Strosny und Sascha Velten. Die Fotos hat Angela Ngamkam beigesteuert. Eine Bericht unseres Sportwarts Wolfgang Olbrich, der als Betreuer mit in Irland war, findet Ihr dann in der ULTRAMARATHON 3/2011

Tobias Hegmann

Wo soll ich anfangen mit dem Schreiben? Es waren 4 Tage mit so vielen Eindrücken. Den Donnerstag verbrachten wir noch größtenteils im Flugzeug und im Auto. Jetzt lernte ich auch Stefan, Markus und Sascha persönlich kennen. Am Freitag wurden Verpflegungspunkte erkundet, wir schauten uns einen kleinen Teil der Strecke an (den einfachsten, wie sich später herausstellte.) und joggten noch eine gemütliche Runde.  Am Abend gab es dann den ersten offiziellen Teil: Die Eröffnungsfeier und die Pasta Party. Alle Nationen in ihren Nationaltrikots, Fernsehkameras, Radiointerviews. Das sind Erfahrungen die man als Hobbyläufer nicht oft geboten bekommt. Zurück in der Unterkunft hatten wir dann unsere letzte Besprechung: Wer braucht wann welche Verpflegung, mit Trinkrucksack oder ohne? Regenjacke mitnehmen? Dann ging es ins Bett, immerhin gab es um 5:00 Uhr Frühstück. 40 Minuten später fuhren wir los Richtung Kylemore Abbey, dem Startpunkt.

Um 7:00 Uhr ging es dann endlich los. Die ersten 5 Kilometer flach, vorne ist das Tempo gleich wahnsinnig hoch. Da ja GPS Uhren verboten sind, bin ich auf mein Gefühl angewiesen und lasse es locker angehen. „Bei km 50 fängt das Rennen an!“, so war die Taktik von unserer Teamleitung vorgegeben. Nach 18:50 min kommt das 5km Schild. Direkt danach geht es zum ersten Mal auf den Diamond Hill. 300hm auf 3 Kilometern. Überholen kann man hier schlecht, aber da kann ich schon nicht überziehen. Bergab lässt es sich ganz gut laufen, aber ich sehe schon die ersten Stürze. Unten angekommen geht es in die Verpflegungszone. Hier bekomme ich meinen Trinkrucksack, dann gehts direkt wieder hoch. Dieser Berg gefällt mir, so kann es weiter gehen. Nach der zweiten Runde haben wir 18 Kilometer und jetzt kommt der erste richtige Trail. Leicht bergab über eine Wiese mit Matsch und Wasser. Nach knapp 70 Kilometern müssen wir da wieder hoch, aber bis jetzt habe ich Spaß. Sascha, Marcus und ich sind hier fast zeitgleich. Nach einiger Zeit gehts wieder auf befestigten Wegen, dann plötzlich über die Leitplanke, über einen Zaun und ab in den Matsch. Es ist rutschig und sehr tief. Die Wiese steht komplett unter Wasser, über mehrere Gräben muss ich springen. Hier zieht es mir auch gleich ein paar mal die Beine weg. Einmal versinke ich auch komplett im Sumpf. Nach ein paar Kilometern Schotterweg bin ich bei Wolfgang und VP2. Die Verpflegung mit Gels, Gelchips, Trinkflasche und Traubenzucker im Vorbeirennen klappt perfekt. Momentan hab ich die anderen etwas abgehängt und laufe mein Tempo. Der Schnitt ist auf 5:10min/km gesunken. Im Vorfeld waren wir uns einig, dass wir wohl so 5,5 – 6 Stunden unterwegs sein würden. Naja, mal sehen wie ich den großen Berg hochkomme und ob noch mehr Moore zu durchqueren sind. Jetzt kommt der längste befestigte Abschnitt. ungefähr 3 Kilometer immer leicht bergan. Dann steht ein Soldat da und schickt uns quer in die Landschaft. Ein Weg oder Pfad ist nirgends zu sehen, nur ein paar Fähnchen, die den Weg zeigen. Also renne ich von Fahne zu Fahne und versinke bald wieder bis zu den Knöcheln im Matsch. Einerseits bin ich froh, als ich höher hinauskomme, da der Boden fester wird, andererseits wird es dadurch nicht leichter. Von „TrailRUNNING“ kann ich schon lange nicht mehr sprechen, mal gehe ich, mal klettere ich. Teilweise bin ich auf allen Vieren unterwegs. 700 m ist der Gipfel gerade mal hoch. Klingt irgendwie nach Spessart, sieht aber aus wie Alpen. „Schaut euch den Berg auf dem Hinweg gut an, damit ihr auf dem Rückweg wisst, wo ihr angreifen könnt.“ Bisher habe ich nichts gefunden wo ich angreifen könnte, wenn ich mich bergab nicht überschlage und abstürze bin ich froh. Oben hat Marcus wieder aufgeschlossen, er hat aber etwas Probleme mit Krämpfen. Meine Waden zucken teilweise auch recht heftig, ein Problem, dass ich sonst gar nicht kenne. Auch in diese Richtung geht es direkt nach unten. Wenn man es laufen lässt, wird man so schnell, dass man stürzt. Ich bin nur damit beschäftigt, mich irgendwie auf den Beinen zu halten. Meistens klappt es, manchmal nicht. 5-6 Stürze, dann bin ich unten. Mittlerweile steht auch das Knie auf. Bei Kilometer 40 erreiche ich nach 3:52 Std die 3. Verpflegung. Stefan und Angela nehmen meinen Rucksack entgegen und geben mir eine Flasche und Gels. Über Feld- und Wiesentrails geht es jetzt leicht wellig bis zum Wendepunkt bei 44. Ich lasse es betont locker angehen und nutzte diesen einfachen Abschnitt zum erholen, ich weiß ja jetzt was mir noch bevorsteht. Hier kann man auch sehen wer vor und hinter einem ist. Jede menge Franzosen und Italiener kommen mir entgegen. Ich habe etwa 7 Minuten Rückstand und liege auf Platz 14. Perfekt! Marcus ist knapp hinter mir. Als Dritter kommt René. Sascha hat einige Probleme und schon ziemlich Rückstand. Bei Kilometer 48 bekomme ich meinen gefüllten Rucksack wieder und meine nur: Ich darf nicht an diesen Berg denken!“ Aber es hilft nichts, ich muss wieder hoch. Einige Plätze verliere ich. Ich quäle mich nach oben und stürze nach unten. Mehrmals rutsche ich auf dem Hintern nach unten. Dann kommt wieder der Sumpf. Zweimal springe ich mitten in einen Bach hinein. Auf dem Hinweg hab ich es noch drüber geschafft, aber die Kraft hat doch schon ganz schön nachgelassen. Aber es fühlt sich gar nicht so schlecht an, als ich bis zum Bauch im Wasser stehe. Nur rauskommen ist schwierig. Ich freue mich auf die letzte Verpflegung bei km 60. Endlich komme ich wieder auf den befestigten Weg. Der zieht sich jetzt vielleicht! Für die 10 km vom Fuße des Benbaun,über den Gipfel bis zur Verpflegung brauche ich 1:40 Std. Statt den Rucksack wie geplant für die letzten 10km abzugeben, lasse ich ihn auffüllen. Sicher ist sicher. Ich esse mein letztes Gel, eins mehr wäre nicht schlecht gewesen. Bis ins Ziel brauche ich noch mal über eine Stunde. Ich bin schon ziemlich platt. Durch den Sumpf geht bei mir nicht mehr viel, die 3 Kilometer Schotter kann ich noch mal etwas zulegen, verliere trotzdem 2 Plätze. Ein Holländer überholt mich, darf doch nicht wahr sein! Zum Schluss noch mal über die Sumpfwiesen, dann geht es endlich ins Ziel. Nach 7:27:11 Stunden hab ich es bei meinem Nationalmannschaftsdebüt auf Platz 22 geschafft. Das war mein heftigster Wettkampf, den ich bisher gemacht habe. Wenn ich gewusst hätte, was genau mich erwartet, wäre ich noch ein bisschen langsamer angegangen. Ich denke Platz 15 wäre nicht unrealistisch gewesen, bei optimaler Renneinteilung. Aber die Strecke haben wir wohl alle ein bisschen unterschätzt.

Aber insgesamt bin ich nicht unzufrieden, es war auf jeden Fall eine tolle Erfahrung, hier dabei sein zu dürfen. Wir waren ein tolles Team, der Wettkampf und die Vorbereitung wurde sowohl von den Läufern als auch von den Betreuern sehr ernst genommen (danke für die super Unterstützung!), aber der Spaß kam trotzdem nicht zu kurz. Auch wenn wir die Medaille mit der Mannschaft doch noch recht deutlich verpasst haben, hatten wir uns das Feiern am Abend verdient.

Trailrunning ist ein Sport für den ganzen Körper, zumindest hatte ich am ganzen Körper Muskelkater In den Beinen, in den Schultern, Armen, Rücken….
 
 
 
 

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Vom Kraichgau in den Schwarzwald: Fidelitas Nachlauf in Karlsruhe

Soll ich oder soll ich nicht? Soll ich oder soll ich nicht? Es gab viele gute Gründe, nicht beim Finama zu laufen: mein linkes Bein ist dank Behandlung auf dem Wege der Besserung aber eben noch lange nicht voll funktionsfähig, 80 km wollen erst mal gelaufen sein, vor allem, wenn man seit Ende April hatte kein vernünftiges Training mehr absolviert und notgedrungen einige „Nullwochen“ hatte, die hartnäckige Erkältung, die ich mir dank durchfeuchteter Wech-selkleidung im Ziel beim unfreiwillig-freiwillig gelaufenen LGT alpin Marathon eingefangen hat-te, war gerade erst am Abklingen, zwei Tage vorher endete der Versuch einer langen Radaus-fahrt in den Schwarzwald schon nach etwas mehr als einer Stunde völlig fertig bei meinen El-tern auf der Terrasse …. Es gab aber auch einen Grund, zu starten: meine Neugierde, ob ich noch lange laufen kann, was meine Gebeine dazu sagen.

Letztlich zögerte ich die Entscheidung bis kurz vor knapp hinaus. Gemütlich auf der Terrasse sitzend meinte Jochen um halb drei Mittags, dass ich so langsam packen sollte, wenn ich pünktlich um 17 Uhr in Karlsruhe an der Startlinie stehen wolle. Also gut. Gerade noch recht-zeitig 30 min vor dem Startschuss erreichte ich den Nachmeldetisch. Die vielen bekannten und freundlich grüßenden Gesichter, die ich auf dem kurzen Weg dorthin „links liegen lassen“ musste haben es mir hoffentlich nicht allzu übel genommen, aber ich musste mich beeilen.

Kurz vor dem Start entdeckte ich Ulrike Steeger. He klasse, die kommt von so weit hier her zum Finama. Ich freute mich sehr, sie zu sehen und wir liefen die ersten Kilometer zusammen, um ein wenig zu quatschen. Irgendwo an der Strecke taucht dann bestimmt auch Udo auf, der sie (wie Jochen mich) mit dem Rad begleitet.

Irgendwie hatte ich mich im Vorfeld weder richtig mit dem Lauf noch mit den äußeren Bedin-gungen auseinandergesetzt, denn bereits nach wenigen Metern war mir viel zu warm. Zum Glück hatte ich Jochen in den Rucksack Jacke, Mütze und Handschuhe für die Nacht gepackt – Nicole, es ist Sommer! Und so hoch geht es in den Ausläufern des Schwarzwaldes dann auch nicht! Egal, da musste ich nun schwitzend durch.

Kilometrierung Fehlzanzeige. Ich sah jedenfalls keine und hatte damit keine Ahnung, wie schnell ich lief. Irgendwann entdeckte ich eine 10 auf dem Boden. Ob die wohl zum Finama gehört? Es könnte sein, denn dann wäre ich einen 5er Schnitt gelaufen – das Tempo hatte ich auch so eingeschätzt. Bei km 18 begannen endlich die Steigungen. Von nun an sollte es viel hoch und auch viel wieder runter gehen, der Finama führt durch den Kraichgau und die Aus-läufer des Schwarzwaldes. Die meisten Orte kenne ich entweder von Volks- und Trainingsläu-fen oder von Radausfahrten. An manchen Stellen wäre es fast näher gewesen, nach Hause zu rennen, als wieder zurück nach Karlsruhe. Ich fühlte mich wohl, sah immer wieder an den Ver-pflegungen oder den Staffelwechselstellen Menschen, die ich von anderen Läufen in der Ge-gend kannte und Jochen kündigte mir vom Rad aus die nächste Steigung an „da kommt jetzt hinter der Kurve ein steiler Anstieg“ oder so ähnlich. Im Nachhinein beichtete er mir, dass er eigentlich skeptisch ob meines Starts in Karlsruhe gewesen sei. Er hatte sich vor allem wegen dieser gerade erst überstandenen Erkältung arge Sorgen gemacht und befürchtet, dass ich nach 50 km oder so einfach nicht mehr konnte. Davon ließ er sich auf der Strecke allerdings nichts anmerken; er war wie immer optimistisch und positiv gestimmt.

In Langensteinbach ertönte von einem Fest das Rennsteiglied. Ich sang ein wenig vor mich hin, was zum Glück für meine Mitmenschen aber wegen einer heftigen Steigung am Ortsende schnell ein Ende hatte. War es nur die Steigung oder wurde ich müde? Als es oben auf der Höhe fast flach war und die Sonne sehr schön am Horizont unter ging, wusste ich, dass ich gerade ein Tief hatte. „Hilfe, ich komme ja gar nicht mehr vorwärts“, ging es mir durch den Kopf. Tiefs gehen vorbei und es kommen wieder Hochs. Schade nur, dass ich die Sonnen-untergangsstimmung nicht mehr genießen konnte. Zu allem Überfluss frischte der Wind noch mehr auf, als er es ohnehin schon den ganzen Abend tat. Natürlich kam er von vorne. Was auch sonst.

Auf den letzten 25 km lief es wieder richtig gut, ich überholte viele Läufer und kam gut durch die Nacht. An welcher Stelle des Rennens ich lag wusste ich nicht. Die Helfer riefen mir alle möglichen Varianten zu. Aufgrund der Staffelläufer und Marathonis ist es schwierig, die jewei-ligen Positionen richtig einzuschätzen. Zumal in der Dunkelheit. 2 km vorm Ziel überholte mich einer dieser vielen Grünhemden aus Bretten und meinte, ich würde führen, er wisse es genau. Ja dann, ja dann könnte ich ja aus reiner Freude noch ein klein wenig endspurten. Selbster-nannte Witzbolde hatten einen halben Baum samt Gestrüpp über den Weg gelegt, damit man in der dunklen Nacht auch schön darüber stolpern kann. Ich sah ihn gerade noch rechtzeitig und kletterte über das Hindernis. Nach einem Zielspurt direkt in Petra Martons Arme blieb meine Uhr nach 7:11 h stehen, die offizielle Zeit war nicht nur bei mir eine Minute langsamer. Komisch, aber egal. Der kurze Weg zum Auto fiel mir nach dem Lauf irgendwie sehr viel schwerer als davor. Dementsprechend lange dauerte es. Als ich endlich meine Sporttasche hatte, erfreute ich meine müden Beine mit einer eiskalten Dusche und versäumte deshalb meine eigene Siegerehrung. Den ursprünglichen Plan, am Sonntag nach kurzer Schlafpause noch eine Rad-RTF zu fahren, hatte ich schon unterwegs beerdigt. Stattdessen verbrachte ich den verbleibenden Tag auf der Liege im Garten und nichts und niemand konnte mich zu einer sportlichen Aktivität überreden. Ach so, die letzten Erkältungsreste hatte ich auf den 80 km verloren. Die Probleme am linken Bein leider nicht, aber der Zustand war danach auch nicht anders als vorher. Also auch an dieser Stelle alles in Ordnung. Und ich war froh, doch noch lange Strecken laufen zu können. Wäre auch schade, denn auf meiner persönlichen Lauf-wunschliste stehen noch einige dieser herrlichen Feld-, Wald- und Hügelläufe.
 

Nicole Benning

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