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training-for-ultra-runningBuchbesprechung
Training for Ultra Running 
von Andy Milroy
ISBN 9781780913247

Andy Milroy ist einer der grossen Alten des Ultrasports, vor allem als Statistiker hat er der weltweiten Ultragemeinde wertvolle Dienste erwiesen.
Sein neues Buch enthält ein Füllhorn von Konzepten und konkreten Trainingsprogrammen von Spitzenathleten, überwiegend aus dem angelsächsischen Sprachraum, aber Programme und weitere Trainingsdetails von YannisKouros (24h-Weltrekordler), TakahiroSunada (100km 6:13) und Giorgio Calcaterra (mehrfacher 100km-Weltmeister der letzten Jahre) sind enthalten.
Den Schwerpunkt legt Andy allerdings doch auf Athleten der 70er und 80er Jahre, dem „goldenen Zeitalter des Ultralaufens“ lt. Autor. Es ist schon so, dass damals bis heute z.T. unerreichte Leistungen erzielt wurden und auf jeden Fall ist ein Rückblick auf die von den Spitzenathleten damals praktizierten Trainingsprogrammen lohnend.

Andy hat sein Buch als akribische Sammlung von Daten und Fakten angelegt. Er bewertet auch sehr stark unterschiedliche Trainingsansätze seiner Spitzenathleten in der Regel nicht. Wie viele andere ist er der Meinung, dass man als Ultraläufer für sich selbst herausfinden muss, was leistungssteigernd wirkt und was nicht bzw. was zu Verletzungsanfälligkeit führt. Bereits für Novizen hält der Autor allerdings schon erhebliche Wochenumfänge für nötig: 100 km für den Standard-Marathon, 130 km für 50 Meilen (also für Distanzen zwischen 60 und 90 km) und 160 km für alles darüber hinaus. Das wird am Beispiel von Hilary Walker (jetziges IAU Executive Council-Mitglied) illustriert, aber im gleichen Kapitel durch die Ausführungen von Bruce Fordyce (mehrfacher Comrades-Sieger) relativiert: er spricht sich dafür aus, sowohl bei den Rennen als auch der Anzahl und Länge der „Long runs“ sehr selektiv vorzugehen.

Bernd Heinrich (mit 6:38 mal US-Rekordhalter über 100km) sagt klipp und klar, dass es im Ultramarathonbereich keine wissenschaftlich gestützten Trainingskonzepte gibt, im Gegensatz zum Sprint- und Mittelstreckenbereich, wo man die trainierbaren Leistungs-begrenzenden Faktoren sehr gut kennt. Weiterhin sagt er, dass sein empirisches Training so spezifisch war, dass er zum Zeitpunkt seiner 100km-Höchstform niemals einen 2:25-Marathon hätte laufen können, bei einer PB von 2:22. Und diese Aussage wird gekontert vom Beispiel TakahiroSunadas,der offenbar durch sein 100km-Training und –Rennen keine Einbussen seiner Marathon-Renngeschwindigkeit erleiden musste. Giorgio Calcaterra und der Brite Cavin Woodward sind bzw. waren mit ihrer häufigen Wettkampfteilnahme Gegenbeispiele zu Bruce Fordyce’s sorgfältiger und stark beschränkter Auswahl von Rennen im Trainingsaufbau. Im Kapitel zum 100km-Training wagt der Auto eine Bewertung: um für längere Zeit erfolgreich zu sein, sollten sich Eliteläufer auf 2- 3 Ultrarennen im Jahr beschränken. Es dauert erwiesenermassen Wochen, bis man sich von einem 100km-Wettkampf wieder ausreichend erholt hat. Und Andy bietet gleich noch eine Erklärung an, weswegen sich die Finisherzeiten des London-Brighton-Laufs immer weiter verschlechtert haben: zu grosse Auswahl und damit zu häufige Teilnahme an Ultraläufen, London-Brighton damit nur noch einer unter vielen und nicht mehr das Hauptziel einer Saisonplanung.

Zum Training für 24h-Läufe wird ausser einer ganzen Reihe bei uns weniger bekannter britischer Ultraläufer auch YannisKouros und seine Trainingsmethoden beleuchtet. Kouros ist physisch enorm stark(eher eine Ringer- als die typische Läuferstatur) und hat offenbar gezielt an den Punkten gearbeitet, die für ihn die grössten Leistungssprünge ermöglichten: Armmuskeln, um die Laufbewegung zu unterstützen, Stabilisierungsmuskulatur des Oberkörpers, um auch bei Erschöpfung noch stilistisch sauber (und ökonomisch) laufen zu können, beim Laufen nicht primär benutzte Beinmuskeln, um Überlastungsverletzungen der eigentlichen Laufmuskulatur zu vermeiden etc.

Es gibt weitere Kapitel zu Mehrtages- und Etappenläufen, Ultratrails und ein spezifisch auf Frauen ausgelegtes. Insgesamt steckt eine Ultra-Arbeit in diesem Buch, diese Informationen zu sammeln und in eine gewisse Ordnung zu bringen. Das macht das Lesen allerdings etwas mühsam, zudem es Englisch ist und alle Laufgeschwindigkeiten in Minuten pro Meile angegeben sind. In vielen Kapiteln geht es auch um die Beschreibung spezifischer Rennen, erzielter Leistungen und Zwischenzeiten etc. und nicht nur ums Training, was aber meist mindestens so interessant wie die vorgestellten Trainingsprogramme ist. Wenn auch ein paar Beispiele von Athleten aus dem Mittelfeld vorkommen, ganz überwiegend zeichnet Andy Milroy Training und Wettkämpfe von Top-Ultras nach.

Mein Fazit: eine Pflichtlektüre für Trainer im Ultralaufbereich, die mit einer Grundkenntnis von Trainingsprinzipien ausgestattet die teilweise komplett konträren Trainingsprogramme besser einordnen können und auf jeden Fall eine interessante Lektüre für alle, die sich über die spärlich gesäten deutschen Ratgeber hinaus auch mal Anregungen für ihre Ultra-Trainingsgestaltung holen möchten.

Norbert Madry

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