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Medizinische Sicht: „Völlig absurd“
 
Notärztin Christiane Özay-Wolff warnt vor gesundheitlichen Risiken
Rhein-Zeitung Nr. 230 vom 05.10.2009

KREISSTADT. Gebeugte Gestalten, die sich mehr gehend als laufend vorwärts bewegten, Gesichter, die innerhalb weniger Stunden um Jahre gealtert schienen: Auch das war die Deutsche Meister-Schaft im 100-Kilometer-Lauf. Wer sich lang genug an der Strecke aufhielt, konnte beobachten, wie sich der Laufstil der Athleten von Runde zu Runde „weiterentwickelte":
Was anfangs noch ganz flüssig aussah, ließ sich auf den letzten Kilometern des Rennens manchmal nur noch als „eiernd" oder „hopsend" bezeichnen. Beim bloßen Gedanken daran, was das Herz eines Extremläufers höher hüpfen lässt, schlägt so mancher Mediziner die Hände über dem Kopf zusammen.
„Wahnsinn, irre, verrückt" - mit diesen drei Worten fasste Dr. Christiane Özay-Wolff, diensthabende Notärztin an der Rennstrecke, ihren persönlichen Eindruck zusammen. „Aus medizinischer Sicht ist das völlig absurd", meinte sie.
Die gesundheitlichen Risiken des Ultramarathons gleichen denen des gewöhnlichen Marathonlaufs. Doch während wunde Brustwarzen, Fußpilz und Blasenbildung eher lästig als wirklich schädlich sind, sind Probleme im Bewegungsapparat (etwa Hüft- oder Achillessehnen-Beschwerden), Elektrolytstörungen oder Dehydrierung weitaus ernster zu nehmen. Gerade bei älteren Läufern kann es zudem zu einer Überlastung des Herz-Kreislauf-Systems kommen.
Bei der DM in der Kreisstadt mussten die drei DRK-Einsatzwagen am Samstag ein ums andere Mal zu Hilfseinsätzen ausrücken. Hitzschlaggefahr herrschte glücklicherweise keine: Bei Temperaturen unter 20 Grad war die Sonne nur ein seltener Gast. (peo)
Dieser Artikel erschien in der Rhein-Zeitung anlässlich der 23. Deutschen Meisterschaften im 100 Kilometer Lauf in Ahrweiler. Die Sichtweise der Notärztin zeugt von einer Unerfahrenheit in Sachen Ultramarathonlauf. Vermutlich waren die Meisterschaften der erste Wettkampf dieser Art, den sie beobachtet hat. Die Aussage, unser Sport sei aus medizinischer Sicht als "völlig absurd" zu bezeichnen,  ist jedoch unüberlegt und falsch. Hier möchte ich eindeutig widersprechen.
Es sei darauf hingewiesen, dass Verschleißerscheinungen des Bewegungsapparates (z. B. Arthrosen) bei sportlich Inaktiven viel häufiger eintreten als bei Ausdauersportlern. In Ahrweiler habe ich auch keinen älteren Läufer gesehen, der Probleme mit dem Herz-Kreislaufsystem bekommen hätte. Völlig unwahr ist die Behauptung, der DRK-Einsatzwagen sei "ein ums andere Mal zu Hilfseinsätzen" ausgerückt. Tatsächlich gab es einen Fall, bei dem ein Läufer relativ kurz vor dem Zieleinlauf einen Kollaps erlitt und medizinisch mit Infusionen versorgt werden musste. Ansonsten sind mir keine relevanten medizinischen Probleme aufgefallen.
Selbstverständlich wird unser Sport von Außenstehenden unter gesundheitlichen Aspekten immer wieder kritisch betrachtet werden, aber dennoch halte ich es für eine medizinische, aber auch eine journalistische Pflicht, eine angemessene Recherche zu betreiben, bevor man über ein Thema berichtet und vor allem eine unötige Dramatisierung zu unterlassen.
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