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Die Behandlung des Shin-Splint-Syndroms.

01/2006

Im folgenden kurzen Artikel soll das in einem Beitrag im Sportmedizinforum genannte Problem allgemeiner erörtert werden. Ein Läufer klagte über Schmerzen im linken unteren Schienbein während des Lauftrainings. Vorausgegangen waren einige anstrengende Wanderungen.

Was schmerzt?

Die Schmerzen im Bereich des vorderen Unterschenkels sind meist gut zu lokalisieren. Es handelt sich hierbei fast immer um einen schmerzhaften Bereich entlang der knöchernen Kante des Unterschenkelknochens. Von dieser Kante entspringt ein Muskel, der maßgeblich die Bewegung des Fußes beeinflusst.

 

Der Fußhebermuskel (M.tibialis anterior) ist aber nicht nur dem Namen nach für das Heben der Fußspitze verantwortlich. Auch beim Aufsetzen des Fußes auf den Boden ist er kontrahiert. Durch eine gemeinsame Anspannung dieses und anderer Muskeln wird eine Stabilität in den Sprunggelenken beim Aufsetzen und der sich anschließenden Abrollbewegung erreicht.

Überlastungssyndrom

Das vordere Schienbeinkanten-Syndrom (fachsprachlich als Shin-Splint-Syndrom bezeichnet) tritt häufig bei Laufanfängern auf, wenn die Trainingsumfänge oder die Trainingsintensitäten zu hoch sind oder es zu einer schnellen Steigerung ohne die notwendigen regenerativen Pausen kommt. Hin und wieder tritt der Schienbeinschmerz auch bei erfahrenen und gut trainierten Läufern auf. Ursache hierfür ist meist eine ungewohnte Belastung und damit Überlastung oder die Vernachlässigung der notwendigen Regenerationspausen. Im vorliegenden Fall könnte die Wanderung maßgeblich für die Schmerzsymptomatik verantwortlich sein. Durch den wechselnden Untergrund und die zum Laufen leicht unterschiedliche Abrollbewegung des Fußes kommt es zu einer Überlastung der muskulären und bindegewebigen Strukturen des Muskelansatzes. Diese Strukturen reagieren mit einer belastungsbedingten Entzündungsreaktion. Damit versucht der Körper strukturelle Veränderungen im Sinne einer Funktionsanpassung herbeizuführen. Die Entzündungsreaktion wird durch Schmerzen deutlich spürbar, wobei es durchaus unterschiedliche Empfindungsqualitäten des Schmerzes gibt. So kann der Schienbeinschmerz als dumpf und ziehend oder auch als stechend empfunden werden. Die schmerzhaften Entzündungsherde entlang der vorderen Schienbeinkante sind durch Betasten deutlich zu lokalisieren.

Chronifizierung

Leider neigt dieses Syndrom zur Chronifizierung. Die akute Entzündung geht über in einen unterschwelligen Prozess, vergleichbar mit einem Schwelbrand. Durch eine zu frühe Wiederaufnahme des Lauftrainings wird das Gewebe belastet und kann nicht vollständig ausheilen. Die Folge ist ein hin und wieder auftretender Schienbeinschmerz entlang der vorderen Schienbeinkante. Darum sollte das vorrangige Ziel der Behandlung die vollständige Wiederherstellung der Strukturen sein.

Was ist zu tun ?

Um eine möglichst störungsfreie Heilung herbeizuführen ist es unbedingt notwendig, Trainingsumfang und Intensität stark zu reduzieren. Ebenso kann das Lauftraining unterbrochen werden und anstelle dessen können Ausgleichssportarten wie Ergometertraining oder Schwimmen ausgeführt werden. Damit wird der überlastete und sichregenerierende Muskelansatz geschont.

Möglichkeiten der Behandlung

Starke Schmerzen während der Belastung sollte man nicht tolerieren. Auch lohnt es sich nicht, den Laufstil auf Krampf zu verändern. Gerade bei der Bewertung des Laufstils scheiden sich die Laufgeister. Es gibt keinen richtigen und auch keinen falschen Laufstil. In verschiedenen Büchern wird der Vorfußlauf als der richtige Stil bezeichnet. Leider entwickeln sehr viele Vorfußläufer einen Fersensporn. Gerade bei Sprintern ist der Vorfußlauf notwendig, da die Bodenkontaktzeit nur sehr kurz ist. Auch die zu laufende Strecke ist kurz. Wichtig hierbei ist aber, dass auch Sprinter eine Abrollbewegung ausführen, wobei diese ohne Bodenkontakt erfolgt. Ist die Bewegung fast vollständig, erfolgt der Abdruck über den Ballen, nun auch mit Bodenkontakt. Eine Abrollbewegung ist auch funktionell notwendig, um die notwendigen Muskelketten zu aktivieren und dadurch zu starke Stoßbelastungen abzufangen.

Treten die Schmerzen zu Beginn oder während des Trainings auf, sollte man das Laufen abbrechen. Eine Pause von wenigen Tagen sollte eingelegt werden. In dieser Zeit kommt es zur akuten Entzündungsreaktion. Entzündungen sind nur dann schlecht, wenn sie überschießen oder nicht ausheilen. Physiologisch handelt es sich um einen reparierenden Prozess.

Damit wird auch klar, dass Maßnahmen, die die Reaktion abschwächen,eher schaden als nutzen. Jedoch sollte diese Akutphase nach spätestens einer Woche beendet sein und eine langsam wiedereinsetzendes Training sollte keine Schmerzen hervorrufen. Leider ist das nur sehr selten der Fall. Durch die schlechte Versorgung der Struktur bricht der Körper die Entzündung ab, obwohl es noch nicht zur vollständigen Wiederherstellung gekommen ist.

Chronische Schmerzen

Sollte das Training zu wiederauftretenden Schmerzen führen, muss man in die physiotherapeutische Trickkiste greifen. Dazu muss der körpererfahrene Ultraläufer nicht gleich einen Sportphysiotherapeuten aufsuchen. In einem Forum konnte ich unlängst lesen: „Luxusbehandlung Krankengymnastik“ !

Ziel der Eigenbehandlung ist es, die Entzündungsreaktion aus der chronischen Phase wieder in eine akute Phase zu überführen. Das mag auf den ersten Blick als Paradoxon erscheinen, hat aber einen physiologischen Hintergrund. Der Körper wird durch die manuell herbeigeführte Entzündung gezwungen, das noch nicht vollständig ausgeheilte Gewebe weiter zu reparieren. Nur in der akuten Phase der Entzündung findet der Heilungsprozess statt, in der chronischen Phase tut es nur weh.

Eine Massagetechnik und Eis

Durch gezielte Massagetechniken kann eine Entzündung erzwungen werden. Es gibt viele verschiedene Techniken und auch der Einsatz von Hilfsmitteln und Elektrotherapie ist möglich. Und natürlich haben die verschiedenen Techniken auch alle Namen und jeder Therapeut hat die „Beste Methode“ zur Hand.

Wichtig ist das Ergebnis und die Tatsache, dass jeder die Möglichkeit hat, sich selbst zu behandeln. Leider hat die Selbstbehandlung einen entscheidenden Nachteil: Ein zu erwartender Schmerz wird durch die Selbstbehandlung noch deutlicher als sonst wahrgenommen.

Zur Durchführung:

Die schmerzenden Stellen können durch Betasten der Schienbeinkante aufgesucht werden. Diese Stellen werden dann mit der Daumenkuppe punktuell in einer kreisenden Bewegung massiert. Dabei bleibt der Daumen immer auf der Stelle, er wandert nicht weiter. Der Druck sollte stark und ein deutlicher Schmerz spürbar sein. Die Schmerzintensität sollte sich innerhalb der eigenen Schmerztoleranzgrenzen bewegen. Nach 1-2 Minuten kann man feststellen, dass sich unter dem Daumen eine Art Schwellung bildet. Nun kann der nächste Schmerzpunkt behandelt werden. Durch die punktuelle Massage wird eine Entzündungsreaktion in der Knochenhaut hervorgerufen, diese geht mit einer punktuellen Schwellung einher.

Die behandelte Stelle fühlt sich am Folgetag auch weich und teigig an.

Es kann auch schon während der Behandlung zu einer deutlichen Schmerzreduzierung kommen. Spätestens nach Beendigung der punktuellen Massage sollte der Schmerz nur noch bei Berührung der Stelle eintreten. In den folgenden zwei Tagen wird sich der Berührungsschmerz sehr stark verringern.

Bei vielen Patienten hilft schon eine Behandlung aus, um die Beschwerden zu beseitigen. Durch einen langsame Wiederaufnahme des Lauftrainings am zweiten Folgetag kann man das Ergebnis austesten. Sollten die Beschwerden hartnäckiger sein, muss nach zwei oder drei Tagen erneut massiert werden, die Entzündung wird wieder angeregt.

Um die Schmerzen erträglicher zu machen, kann man mit leichter Kälte vorbehandeln. Dazu nimmt man am besten einen Eiswasserbeutel und legt ihn für 10 bis 15 Minuten auf den vorderen Unterschenkel. Durch die Mischung Eis/Wasser besteht keine Gefahr der Erfrierung. Durch die Kälte wird die Schmerzleitung etwas reduziert und die nachfolgende Massage etwas erträglicher. Von einer Eisbehandlung nach der Massage rate ich ab, denn die Kälte würde die Entzündung und damit die Heilung bremsen.

Nach 3 Selbstbehandlungen ist Schluss

Die Eigentherapie sollte nicht länger als drei Behandlungen, also etwa 10 Tage dauern. Sollten die Probleme und Schmerzen nicht verschwinden, ist es erforderlich einen erfahrenen Mediziner aufzusuchen, um andere Ursachen ausschließen zu lassen. Mitunter muss auch auf eine gezielte medikamentöse Behandlung zurückgegriffen werden.

Vorbeugen ist besser als Heilen

Die Chance, dass die oben beschriebene Behandlung einen Erfolg bringt, ist zwar mit über 80 Prozent recht hoch, besser ist es jedoch, dieses vordere Schienbeinkanten-Syndrom zu vermeiden. Dazu verweise ich auf den Folgeartikel "Vorbeugung des Shin-Splint-Syndroms"

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