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Massage als regenerative Maßnahme

Im folgenden Beitrag soll der Versuch unternommen werden, die klassische Massage als Mittel zur Förderung der Regeneration darzustellen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf Aspekten, die für den Ultramarathonläufer interessant sein dürften.

China – Wurzeln der Massage?

Es gelingt nicht, die Geschichte der Massage umfassend darzustellen. Je mehr man versucht, eine Tiefgründigkeit zu erlangen, desto unübersichtlicher und verwirrender wird die Darstellung.

Das liegt insbesondere daran, dass sich die Massage in vielen Kulturkreisen parallel und mit unterschiedlichen Techniken entwickelt hat.

Die ältesten Belege für Massagen und massageähnliche Behandlungen finden sich aus der Zeit 2700 v.Chr. Die chinesische Medizin erkannte die Massage als eine der klassischen Behandlungsmethoden. Diese Massagetradition wird bis heute mit verschiedensten Techniken weitergeführt. In China ist die Massage ein Mittel, um Krankheitsvorbeugung zu betreiben und das Wohlbefinden zu steigern.

Die chinesische Medizin pflegt schon sehr lange die Erkenntnis, dass Vorbeugen besser denn Heilen ist. Diese Einstellung setzt nach und nach auch in der westlichen Welt durch. Die Maßnahmen, die die Regeneration fördern, sind damit Maßnahmen, die Krankheiten vorbeugen können.

Nicht nur für Gladiatoren

Die Griechen nutzten die Massage in ihren Badehäusern und wendeten sie zu Stärkung ihrer Gladiatoren an. So beschreibt Galen 500 Jahre nach Hippokrates bereits mehr als 15 verschiedene Massageformen.

Von den Griechen gelangte die Kunst der Massage zu den Römern, wo sie über lange Zeit angewendet wurde. Es heißt, Julius Caesar habe sich täglich mit Massagen behandeln lassen, um seine Schmerzen zu mildern. Mit dem Untergang des Römischen Reiches und dem damit einhergehenden Untergang der Badekultur geriet die Massage in Vergessenheit.

Erst der Gymnastiklehrer Per Henrik Ling (1776-1839) erreichte die Anerkennung der „Schwedischen Massage“ durch die Schulmedizin. Er nutze Massagegriffe und gymnastische Übungen gemeinsam, um Schmerzlinderung zu erreichen.

Etwa ab 1820 begann man die Wirkprinzipien der Massage zu erforschen. Es wurden Spezialtechniken entwickelt, so auch die Manuelle Lymphdrainage. Viele weitere Techniken entstanden und wurden unterschiedlich stark verbreitet. Allen Techniken ist eine Eigenschaft gemeinsam: Massage ist Anfassen, ist Berührung.

Massage für Sportler

Was für die Gladiatoren des Altertums gut war, ist auch für den Neuzeitsportler gut. Die Wirkung der Massage, hier bezogen auf die klassische Massage, ist sehr vielfältig und soll nachfolgend erläutert werden.

Auch Spezialmassagen besitzen ähnliche Wirkmechanismen, jedoch unterscheiden sich die Techniken und auch die Anwendungen beträchtlich. Auch werden oft verschiedene Namen verwendet, um ähnliche Wirkmechanismen zu beschreiben.

Klassisch – der mechanische Effekt

Die Bewegung der Hände bei der Massage sieht für den Laien oft kompliziert und unübersichtlich aus, wobei es jedem Interessierten möglich ist, die Techniken zu erlernen. Kurse zur Klassischen Massage und auch zur Sportmassage werden von einigen Bildungswerken angeboten, so zu Beispiel von Bildungswerk des Landessportbundes Sachsen. (http://www.bw-lsbs.de)

Das Zugreifen und gezielte „Bearbeiten“ ist für viele Patienten das Aushängeschild der Massage. Dabei ist das Kneten von Muskeln nur ein  Teil der Techniken, die Anwendungen finden. Daneben werden Streichungen ebenso wie Zirkelungen eingesetzt. Allen Techniken ist gemeinsam, dass bestimmte mechanische Effekte hervorgerufen werden.

Durch gezielte dehnende Streichungen können zum Beispiel Verklebungen zwischen Gewebeschichten gelöst werden. Bestehen Verklebungen, können die aneinander grenzenden Schichten nicht gegeneinander gleiten und behindern somit die Bewegung. Verklebungen entstehen zum Beispiel, wenn bestimmte Haltungsmuster immer wieder eingenommen werden oder nach Verletzungen. So kann ein Sturz mit leichtem Bluterguss dazu führen, dass nach der vollständigen Abheilung eine Verklebung zwischen Muskelfaszie und Unterhaut bestehen bleibt. Dadurch wird die Biomechanik der Muskelkontraktion und damit die Bewegung eingeschränkt.

Kräftig Kneten

Die Knetungen des Muskels führen zu einer lokalen Dehnung. Durch eine gezielte Anwendung können durch aktive Dehntechniken schlecht dehnbare Muskeln oder auch Muskelbereiche gedehnt werden. So können auch lokale Verhärtungen, der sogenannte Hartspann, gelöst werden. Dieser entsteht durch eine starke lokale Kontraktion im Muskel. Dadurch wird diser Bereich schlecht mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Das verstärkt die lokale „Verkrampfung“ dann weiter - ein Teufelskreis. Durch einfaches Dehnen ist die verhärtete Stelle oft nicht zu lockern, da das umgebende Gewebe meist dehnbarer ist. Die harte Stelle im Muskel bleibt bestehen. Durch eine gezielte, punktuelle Dehnung während der Massage kann dann eine Lockerung und damit auch eine verbesserte Versorgung erreicht werden. Verhärtungen verändern immer die Biomechanik des Muskels und schränken die Leistungsfähigkeit ein. Nicht selten verursachen die festen Stellen im Muskel auch Schmerzen.

Biochemische Wirkung

Die zufassenden Griffe verändern die Durchblutung des Gewebes. Durch das gleichmäßige Bearbeiten des Gewebes werden biochemische Prozesse gefördert, die die Gefäße weiten. Damit kann mehr Blut in das Gewebe einströmen. Das fördert neben der Versorgung mit Nährstoffen auch den Abtransport von Stoffwechselendprodukten. Die Regeneration wird beschleunigt. Damit kann die Massage besonders nach Wettkämpfen oder nach intensiven Trainingseinheiten die Wiederherstellung begünstigen.

Nicht nur die rein mechanischen Effekte der Massage führen zur breiten Anwendbarkeit. Durch die starke Wirkung auf biochemische Prozesse kann die Massage zum Beispiel zur Behandlung chronischer Verletzungsfolgen eingesetzt werden.

Durch die angewendeten Massagetechniken kommt es auch zu einer minimalen Verletzung des Gewebes. Das hat den Austritt verschiedener Proteine in den Zwischenzellraum zur Folge. Damit wird eine Reaktionskette angestoßen, die die Gefäße weitet. Es entsteht eine Entzündung. Dadurch werden chronische Prozesse, die unterschwellig im Gewebe ablaufen, zu Heilung angeregt.

Massage nicht nach frischen Verletzungen

Aus dem Geschriebenen lässt sich auch ableiten, dass eine Massage niemals nach frischen Verletzungen durchgeführt wird. Es besteht sonst die Gefahr, dass die ablaufende Entzündung überschießt.

Es bleibt zu überlegen, ob die Anwendung der klassischen Massage während eines Wettkampfes sinnvoll ist. Während körperlicher Belastung kommt es zu einer Vielzahl mikroskopischer Verletzungen, die zu einer lokalen akuten Entzündung führen. Mit der Entzündung ist eine Schwellung verbunden, die die Kontraktionsfähigkeit der Muskelzellen stark einschränkt. Damit resultiert eine Kraftminderung.

Schmerzlinderung durch Massage

Eine schmerzlindernde Wirkung der Massage wurde schon frühzeitig erkannt. Durch verschiedene Untersuchungen konnte bestätigt werden, dass auch Endorphine freigesetzt werden. Die opiatähnlichen Substanzen besitzen eine schmerzhemmende Wirkung. Unter der Massage werden sie vermehrt freigesetzt. Auch bei der Akupunkturbehandlung und körperlicher Anstrengung wird dieser Effekt beobachtet.

Die schmerzhemmende Wirkung wird durch eine Vielzahl weiterer biochemischer Substanzen verstärkt. So wird beobachtet, dass unter der Massage Serotonin freigesetzt wird. Die schmerzhemmende Wirkung beruht zum Teil auf der Hemmung der Weiterleitung der Schmerzreize zum Gehirn.

Diese Befunde sprechen wieder für den Einsatz der Massage während langer Wettkämpfe. Durch die Freisetzung der genannten Substanzen kann das Schmerzempfinden, das sich während der Extrembelastungen einstellt, vermindert werden.

Klassisch – die Wirkung auf die Psyche

Der wohl wichtigste Effekt der Massage ist die psychogene Effekt, die Wirkung auf die Psyche des Menschen. Das Gefühl der Entspannung wird über verschiedene Gehirnstrukturen vermittelt. Dabei ist von Bedeutung, ob zwischen dem Behandler und dem Sportler eine Basis des Vertrauens besteht.

Durch die einsetzende Entspannung während der Massage werden die oben beschriebenen Effekte verstärkt.

Während der Massage verändert sich die Hirnaktivität, der Aktivitätszustand und die Wachheit wird reduziert. Damit wird die Schmerzwahrnehmung reduziert, die Ausschüttung von Stresshormonen wird vermindert.

Massage während des Wettkampfes

Durch diese Befunde muss die Zwischenwettkampfmassage, also die Massage während des Wettkampfes, wieder kritisch betrachtet werden. Für Läufer, die während langer Läufe schlafen, kann es sehr von Vorteil sein, das Wettkampfgeschehen auszublenden und durch die entspannende Wirkung schnell in einen teilregenerierenden Schlaf überzutreten. Für Läufer, die während der Läufe nicht schlafen, kann die entspannende Wirkung die mentale Leistungsbereitschaft stark einschränken.

Jeder Läufer hat bereits Erfahrungen mit der Massage sammeln können oder andere Läufer beobachtet. Es kann kein allgemeines Rezept zur Anwendung der Massage gegeben werden, jeder muss selbst herausfinden, was ihm gut bekommt.

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