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Der schwedische Orthopäde Patrik Sims Emil Haglung lebte von 1870 bis 1937. Sein Name steht für eine schmerzhafte Erkrankung im Bereich der Achillessehne. Wie schmerzhaft eine Haglund-Ferse sein kann und wie langwierig die Behandlung ist, hat Doro Frey erfahren müssen.

Wenn die Achillessehne schmerzt.

Doro Frey ist DUV-Fördergruppenmitglied und war unter anderem 100 Kilometer-Nationalteammitglied. Sie lief in Kienbaum 2008 nach 8:16 Stunden über die Ziellinie des 100 Kilometerlaufes. Sie ist damit eine der schnellsten Frauen in Deutschland. Woche für Woche lief sie ihre Trainingsumfänge – aber nicht immer beschwerdefrei. Doro Frey: „Bereits Monate vor der Operation spürte ich immer leichte Schmerzen in der Ferse.

 

Ich dachte mir zunächst nichts weiter dabei. Mal war ein Stechen da, dann war es wieder weg." Das beschriebene Stechen ist eines der Symptome, die früh anzeigen, dass die Achillessehne belastet ist, dass etwas nicht stimmt. Die Beschwerden treten oft als Anlaufschmerz am Morgen auf, verschwinden aber dann nach einiger Zeit, um bei hohen Belastungen erneut aufzutreten. Mit diesen Schmerzen gehen die wenigsten Läufer direkt zu einem erfahrenen Arzt, fast alle trainieren weiter. „Leichtes Dehnen führte meistens zu einer Linderung der Schmerzen. Im Februar trainierte ich dann noch zwei Wochen bei Peter Greif in der Türkei. Die großen Umfänge und die harten Tempoläufe verschlechterten den Zustand der Ferse aber deutlich“, sagt Doro. Durch die wiederkehrende Belastung verstärken sich entzündliche Prozesse und die Beschwerden verstärken sich immer mehr. „Anfang März wurden die Schmerzen schon beim normalen Gehen so stark, dass ich nur noch Sandalen tragen konnte. Laufen, unter Schmerzen, konnte ich noch, Schuhe tragen allerdings nicht. Auch Dehnen half jetzt nichts mehr. Der Leidensdruck zwang mich in die Sportklinik Stuttgart. Nach einer eingehenden Untersuchung lautete die Diagnose Haglund-Ferse“, berichtet sie weiter.

Haglund-Ferse.

In der Sportklinik wurde Doro untersucht. Ultraschall, Röntgen und ein MRT. Am Ende stand die Diagnose: Haglund-Ferse. Doro erklärt es so: „Das ist der Fachbegriff  für eine Deformation des Fersenbeins und deren Folgen: Ein Überbein bildet sich heraus. An diesem Überbein wird ein Schleimbeutel ständig gequetscht, wenn die Achillessehne anspannt. Die Schleimbeutel entzünden sich.“ Haglundferse: Mit dem Pfeil ist die knöcherne Ausziehung markiert, die die schmerzhafte Entzündung verursacht. Grafik: Carsten BölkeDer Begriff Haglund-Ferse bezeichnet eine spornartige Ausziehung am Fersenbein. Die Ursache dieser Ausziehung ist nicht endgültig geklärt. Diskutiert wird das Enstehen durch einen Zug von Sehhnenfasern. Manche Mediziner sehen einen im Sporn einen abgestorbenen Knochenrest, also eine angeborene Normvariante, die nicht imemr zu Beschwerden führen muss. Immer dann, wenn die Wadenmuskeln anspannen und die Achillessehne unter Zug kommt, wird ein Schleimbeutel, der unter der Sehne als Puffer liegt, gegen diese Ausziehung gedrückt. Der Schleimbeutel – Mediziner bezeichnen diesen Schleimbeutel als retrocalcaneare Bursa – entzündet sich. Und das führt zu zunehmenden Schmerzen. Durch leichtes Dehnen kann in der frühen Phase der Entzündung noch eine Linderung der Schmerzen erreicht werden, aber bei anhaltender Belastung durch das Training schreitet die Entzündung des Schleimbeutels fort. Nach und nach werden durch die Entzündung auch Anteile der die Sehne umgebenden Gewebe ergriffen. Ein Umstand, der auch dazu führen kann, dass die Achillessehne reißt.

Die Therapie.

Doro Frey: „Die Ärzte machten mir dann recht schnell deutlich, dass nur eine schnelle Operation noch größere Schäden verhindern konnte. Es bestand die Gefahr, dass die Achillessehne bei weiterer Belastung und Reizung gerissen wäre. Dieses Risiko war mir dann aber zu groß, denn das hätte definitiv eine sehr lange Pause bedeutet.“ Die Achillessehne wird nur durch das umgebende Gewebe mit Nährstoffen verorgt. Das Sehengewebe selbst hat keine Gefäße. Wenn die Entzündung des Schleimbeutels auf die Hüllgewebe der Sehne übergreift, dann verschlechtert sich die Versorgungssituation der Sehne dramatisch. Durch die Unterversorgung wird das Sehnengewebe locker und ist weniger reißfest. Schnelle und plötzliche Anspannungen können dann zum Zerreißen einzelner Sehnenstränge führen. Um die Entzündung zu stoppen, wird in einigen Fällen ein Cortison-Präparat in den entzündeten Schleimbeutel gespritzt. Das soll die Entzündung hemmen. In wenigen Fällen hilft das Vorgehen für einen kurzen Zeitraum. Weder entzündungshemmende Salben noch entzündungshemmende Schmerzmittel in Tablettenform können aber die wiederkehrende Entzündung dauerhaft stoppen. Auch die gelegentlich angewendete Stoßwellentherapie konnte noch keine überwältigenden Ergebnisse zeigen. Einzige Möglichkeit für eine dauerhafte Beschwerdefreiheit: Eine Operation. „So entschloss ich mich, total frustriert und nicht ohne Angst, zur Operation, bei der mir ein Teil des Fersenbeins abgefräst und die entzündeten Schleimbeutel entfernt wurden. Ende März 2009 kam ich unter das Messer, an einem Dienstag, und schon am Donnerstag wurde ich wieder entlassen.“ Chirurgen wenden verschiedene Operationstechniken an, die das Ziel haben, die mechaniche Reibung zu reduzieren und das entzündete Gewebe zu entfernen. Meistens wird der Sporn abgemeißelt. Durch das Entfernen des Schleimbeutes und des entzündeten Hüllgewebes der Achillessehne ist eine Schmerzreduktion sehr schnell erreicht.

Nach der Operation.

„Zunächst musste ich zwei Wochen mit Krücken laufen, weil ich den Fuß überhaupt nicht belasten durfte. Jeder, der es gewohnt ist, täglich nach der Arbeit noch zu trainieren, weiß, was die plötzliche Umstellung bedeutet: Ich hatte Zeit, die Belastung fehlte, mein Tagesrhytmus war im Eimer“, sagt Doro frustriert. „Ende März, nachdem die Operationsfäden gezogen waren, begann ich zu Hause mit leichter Gymnastik. Im Sportstudio trainierte ich Kraft-Ausdauer für den Rumpfbereich, wobei die Rückkehr ins normale Sportlerleben für meinen Kopf und meine Psyche sicher wichtiger waren als die körperliche Betätigung.“

Aufbautraining.

Der Trainingseinstieg nach einer Operation am Fuß ist schwierig. Die Belastung darf nicht zu hoch gewählt werden, um das Operationsgebiet zu schonen. Doro bekam nach fast 5 Wochen grünes Licht vom Arzt. Ein Aufbautraining konnte beginnen. Doro Frey: „An Laufen war nach wie vor nicht zu denken. So habe ich mich fünf Tage in der Woche für jeweils 1 Stunde mit Aquajogging begnügt. Weitere drei Wochen später konnte ich die ersten Gehversuche im Freien unternehmen. Die Ferse schmerzte natürlich immer noch, der geschundene Knochen war noch nicht ausgeheilt. In dieser Phase herrschte Frust pur. Das Wassertreten machte ich aus Verzweiflung weiter. Die kommenden Tage und Wochen zeigten aber, dass es, zwar in sehr kleinen Schritten, aber dennoch stetig bergauf ging.“ Um nicht zu schnell eine zu hohe Belastungsstufe zu erreichen, sollte das Training erst unter Aufsicht eines Physiotherapeuten aufgenommen werden. Im Vordergrund stehen nach einer Operation am Fuß die Wiederherstellung der Gelenkbeweglichkeit und die Verbesserung der Kraft. Um die Ausdauer zu erhalten, ist das Aquajogging eine Alternative. Der Auftrieb im Wasser verhindert, dass der Fuß belastet wird.

Die ersten Laufschritte – nach der Operation – waren für Doro eine Befreiung. 12 Wochen waren seit der Operation vergangen. 3 Monate hatte die Leistungssportlerin nicht laufen können. Frey: „Der Fuß war völlig ausgeheilt und eine erneute Verletzung durch falsches Training wurde ausgeschlossen. Anfang August beschloss ich spontan,  wieder einen Trainingsurlaub bei Peter Greif zu buchen. Im Zeitraum vom 22.08. bis 05.09.2009 bin ich dann insgesamt 450 Kilometer beschwerdefrei gelaufen. Ich musste lediglich feststellen, dass die Tempohärte etwas verloren gegangen war. Die quälenden Einheiten im Hallenbad hatten sich also doch gelohnt.“

 

Mehr Wissen: Deutscher Ärzte-Verlag

Victor Valderrabano / Martin Engelhardt /Hans-Heinrich Küster (Hrsg.)

Fuß & Sprunggelenk und Sport

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Deutscher Ärzte-Verlag 2008, 16, 5 x 23,8 cm, broschiert,XIV+403 Seiten, mit 199 Abbildungen in 291 Einzeldarstellungen und 62 Tabellen,

ISBN 978-3-7691-1258-0

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